Gesundheit

Kassen fordern mehr Geld für Altenpfleger

In den nächsten 20 Jahren werden bis zu 500.000 neue Betreuer benötigt

Die Krankenkassen fordern eine deutlich bessere Bezahlung für Kranken- und Altenpfleger. „Heute verdienen Krankenpfleger im Schnitt 2400 Euro, in der Altenpflege nur 2190 Euro“, sagte der Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gernot Kiefer, der Berliner Morgenpost. „Mit diesem Vergütungsniveau ist man bei einem schrumpfenden Arbeitskräftereservoir nicht wettbewerbsfähig.“ Die Vergütung müsse so hoch sein, dass die Pflegeberufe mit vergleichbaren Berufen mit vergleichbarer Qualifikation konkurrenzfähig seien. Es gebe Bundesländer, da liege der Lohn bei 3200 Euro, fügte Kiefer hinzu. „In diesen Ländern gibt es viel weniger Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu finden, als in den Ländern, die im Schnitt bei 2100 oder 1800 Euro liegen.

5,5 Millionen Pflegebedürftige 2050

Am kommenden Mittwoch treffen sich die für Gesundheit und Pflege zuständigen Minister der Länder und des Bundes, um über die stationäre und ambulante Versorgung und die Reform der Pflegeausbildung zu beraten. Das Statistische Bundesamt prognostiziert bis zum Jahr 2025 einen Mangel an mehr als 150.000 Pflegekräften. Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang rechnet sogar vor, das in den nächsten 20 Jahren bis zu einer halben Million Fachkräfte in der Pflege fehlen könnten. 2050 wird es rund 5,5 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland geben.

GKV-Vertreter Kiefer forderte, der Pflegeberuf müsse attraktiver werden. Heute blieben nur wenige Menschen, die Pfleger erlernt hätten, auch in diesem Beruf. Die Verweildauer liege im Schnitt unter zehn Jahren. Schuld daran seien auch die Arbeitsbedingungen, die Vergütung, die Arbeitszeiten und geringen Aufstiegschancen, kritisierte Kiefer. Zudem müssten viele Menschen, die pflegerische Berufe lernen, noch Schulgeld zahlen. „Das ist ein Anachronismus, den wir uns bei der Knappheit in diesem Berufsfeld nicht leisten können.“

Hier seien auch die Länder gefordert. Es wäre klug, wenn alle Länder die Ausbildungskosten auf alle Pflegeeinrichtungen umlegen würden, sagte Kiefer. Denn heute sind die Einrichtungen im Wettbewerb benachteiligt, die ausbilden und die Kosten dafür alleine tragen müssen. Die GKV plädiert zudem für eine Ausbildungsreform. „Nach einer generalistischen Grundausbildung sollte eine Spezialisierung in Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege folgen“, sagte Kiefer. Der Wechsel zwischen den Berufen der Pflege müsse einfacher werden.

Strukturen für Pflege zu Hause

Der Pflegenotstand könnte sich künftig noch verschärfen, und das nicht nur wegen der Vergreisung der Bevölkerung. Heute werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen betreut. Der Trend geht aber dahin, dass die Bereitschaft und auch die Möglichkeiten der Familien abnehmen, Angehörige zu pflegen. Die Generationen seien mobiler geworden, Kinder leben fernab von ihren Eltern. Und immer mehr Frauen, die heute noch einen Großteil der häuslichen Pflege stemmen, arbeiten. „Die Voraussetzungen in der Familie zu pflegen, geraten so unter Druck“, sagte Kiefer. Es sei deshalb wichtig, Strukturen zu schaffen, damit die Pflege zu Hause möglich bleibt.