Hintergründe

Russland will noch mehr als die Krim von der Ukraine

Russland treibt unbeeindruckt von Sanktionsdrohungen des Westens die Eingliederung der Schwarzmeerhalbinsel Krim voran.

Das ist aber noch lange nicht alles, was Kremlchef Wladimir Putin von der krisengeschüttelten Ukraine will. Wie es nun weitergeht, dazu einige Fragen und Antworten.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Oberste Sowjet der Krim, das Parlament, will am Montag in Simferopol zusammenkommen, um die Ergebnisse des Volksentscheids zu bestätigen. Parallel werde mit russischen Kollegen ein Programm für die wirtschaftliche Entwicklung umgesetzt. So soll nach seinen Angaben schon kommende Woche der russische Rubel als Parallelwährung zur ukrainischen Griwna eingeführt werden.

Wie könnte die Ukraine reagieren?

Die Ex-Sowjetrepublik hat auf der Halbinsel noch immer Soldaten stationiert. Sie würden dort auch nach dem Referendum bleiben, betonte der geschäftsführende Verteidigungsminister Igor Tenjuch in Kiew. Die Ukraine könnte auch die Versorgung der Halbinsel etwa mit Wasser, Gas und Elektrizität stören.

Wie will die Krim-Führung solche Störmanöver aus der Ukraine überstehen?

Die Behörden auf der Krim haben sich nach dem Umsturz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und der Flucht von Präsident Viktor Janukowitsch losgesagt von der Zentralregierung. Sie hoffen nun ganz auf den Schutz Russlands, den Putin in vollem Umfang – auch militärisch – zugesichert hat. Moskau ist dem Vernehmen nach bereit, Milliarden in die Entwicklung der Krim zu investieren.

Warum lässt sich Moskau nicht von Sanktionen beeindrucken?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Russland will mit seiner harten Gangart in der Krim-Krise auch seinen Protest gegen den Machtwechsel in der Ukraine äußern. Putin erkennt die neue Regierung nicht an und wirft ihr vor, von rechtsextremen Nationalisten durchsetzt zu sein, die nun die russische Minderheit in der Ukraine bedrohten. Zudem will sich der Kreml gegen einen Revolutionsimport aus den USA oder anderen westlichen Ländern mit allen Mittel wehren.

Und wie geht es im Rest der Ukraine weiter?

Die Lage ist extrem instabil. Die Regierung in Kiew kämpft gegen einen Staatsbankrott und muss das krisengeschüttelte Land nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch auf Wahlen vorbereiten. Militär und Polizei gelten als demoralisiert, sodass der öffentlichen Ordnung ein Kollaps droht. Vizeinnenminister Sergej Jarowoi warnte davor, dass die Miliz Angst vor der eigenen Bevölkerung bekommen könnte.