Urteil

„Als Frau von Uli kann man keinen Job haben“

Hoeneß-Urteil: Seit 45 Jahren hält Susanne Hoeneß in jeder Krise zu ihrem Mann. Selbst einen Seitensprung verzieh sie ihm. Jetzt muss er seine Strafe in der JVA Landsberg absitzen. Sein Verein FC Bayern stellt sich personell schon einmal für die Zukunft ohne ihn auf

Es hatte den Anschein, als würde eine Mutter ihren Sohn zum Schulrektor führen. Weil er was ausgefressen hat und jetzt dazu stehen soll. So ähnlich sah es aus, als Susi Hoeneß, 62, in dieser Woche mit ernster Miene das Münchener Landgericht betrat, zwei Schritte vor ihrem Mann. Es hatte etwas Entschiedenes, Anpackendes. So, als könnte man wieder etwas gut machen. Als am Donnerstag, kurz nach 14 Uhr, Richter Rupert Heindl das Urteil gegen ihren Mann verkündete, war davon nichts mehr in ihrem Gesicht zu lesen. Drei Jahre und sechs Monate. Susi Hoeneß blickte ins Leere.

Seit 45 Jahren sind Susi und Uli Hoeneß ein Paar. Die Haftstrafe ist vermutlich der schwerste Schlag in der Beziehung, in der es Krisen gab – in der aber auch immer wieder alles gut wurde. Eigentlich fing die Beziehung schon mit einer Krise an. Damals, im Café Ströbele, in Ulm, als sich die Teenager zum ersten Mal begegneten. Peter Bizer schildert in seiner Hoeneß-Biografie, wie sich Susanne Martin, Sprecherin des Gymnasiums St. Hildegard, und Uli Hoeneß, Schülervertreter des Schubart-Gymnasiums, trafen, um über die Sanierung der gemeinsam herausgegebenen Schülerzeitung zu beraten.

Symbiotische Beziehung

Die beiden 15-Jährigen schafften es, die nötigen Geldgeber heranzuholen. Und dann organisierten sie auch noch ein Fest für das Schubart-Gymnasium, das in die Ulmer Schulgeschichte einging, weil Hoeneß es nicht nur fertigbrachte, mithilfe eines von ihm organisierten Bundeswehr-Tarnnetzes den 600 Quadratmeter großen Schulhof zu überdachen, sondern auch eine Band engagierte und Würstchen aus Papas Metzgerei. Ein gelungener Start in eine Beziehung, die symbiotisch ist. „Ich weiß“, sagte er einmal, „dass ich das, was ich bin, nie ohne meine Frau geworden wäre.“ Und sie, die gelernte Zahnarzthelferin, die ihren Beruf aufgegeben hat, äußerte: „Man kann nicht als Ehefrau von Uli Hoeneß nebenher noch einen Job haben.“ Ihr Mann bräuchte jemanden, der ihm zu Hause absolut den Rücken frei halten würde. „Soll ich jemanden einstellen“, fragte sie, „nur damit ich mich selbst verwirklichen kann?“

Sie verwirklichte sich in der traditionellen Rolle als Ehefrau. Das soll so weit gegangen sein, dass sie 1976 nach Hoeneß’ über die Latte gedroschenen Elfmeter im EM-Finale die Trosttelegramme und Sympathiebekundungen nach dem Lesen in den Papierkorb warf. Ihn sollte das nicht belasten. Sie gibt ihm Kraft. Auch damals, als er am 17. Februar 1982 wie durch ein Wunder als einziger den Absturz einer Piper Seneca in der Nähe von Hannover überlebte. Da saß sie lange bei dem Schwerverletzten am Bett. 30 Jahre lang lebten die beiden in einer Doppelhaushälfte in Ottobrunn, bevor sie in das schöne, aber nicht protzige Anwesen am Tegernsee zogen. Mit Balkon und Blumen vorm Fenster. Susi Hoeneß, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, Großmutter von einem Enkel, ergraut in Würde. Die Falten stehen ihr gut. Vor allem, wenn sie lacht.

Ende der 90er-Jahre wandte sich Uli Hoeneß vorübergehend einer anderen Frau zu. Die ehemalige Flugbegleiterin Birgit Wieser hatte es ihm angetan. Mit ihr teilte er sogar eine Penthousewohnung. Susi Hoeneß blieb gefasst: „Was nicht zu ändern ist, ist nicht zu ändern.“ Vielleicht wusste sie, dass ihr Mann nicht ohne sie kann – und zurückkehrt. Er tat gut daran. Wer weiß, wie sich eine andere Frau in der Krise verhalten hätte, die Hoeneß im Jahr 2000 durchlebte, nachdem er die Kokain-Affäre um Christoph Daum angestoßen und sich viele Feinde gemacht hatte. Susi Hoeneß sagt später in einer ARD-Dokumentation über Daum: „Dem würde ich nie die Hand geben. Er soll es nie wagen zu versuchen, mir Grüß Gott zu sagen, nie!“

Doch wer glaubt, Susi Hoeneß sei ein fügsames Hausmütterchen, das leicht verzeiht, der täuscht sich. Sie weiß sich zu behaupten. Und vielleicht war es auch nicht ganz ohne Berechnung, als sie einmal über die Fernsehgewohnheiten ihres ach so starken Mannes plauderte. „Sissi“, die tragische Geschichte der österreichischen Kaiserin, die mache ihn ganz sentimental. Sie selbst wirkt nicht, als ob sie bei „Sissi“ Tränen vergießen würde. Nach der Fußball-WM 1974, als die Mannschaft ihren Titel bei einem Bankett feierte, bei dem Frauen nichts zu suchen hatten, brach Susi Hoeneß die Regeln und setzte sich einfach an den Tisch. Na und? Als der Kellner kam und sie bat, den Raum zu verlassen, machte Hoeneß Ärger. Sie haben eben beide keine Angst davor, sich unbeliebt zu machen.