Vereinsstruktur

Götterdämmerung beim FC Bayern

Verein muss seine Zukunft ohne den übermächtigen Manager planen

Der FC Bayern, hat Uli Hoeneß erst vor wenigen Tagen gesagt, der FC Bayern stehe derzeit da „wie im Traum“. Jetzt, nach der erstinstanzlichen Verurteilung des Präsidenten und Aufsichtsratschefs des Fußballrekordmeisters, findet sich der sportlich und wirtschaftlich so erfolgreiche Branchenprimus in einem Albtraum wieder. Wie geht es jetzt nur weiter? Diese Frage stellt den Klub mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze vor eine Zerreißprobe.

Der FC Bayern stehe „total loyal zu unserem Freund Uli Hoeneß“, hatte Rummenigge zuletzt fast mantraartig wiederholt – immer in der Hoffnung, dass „der Uli“ doch noch halbwegs unbeschadet aus der Sache herauskommen würde. Doch das Denkmal Uli Hoeneß ist krachend zu Boden gestürzt. Rummenigge obliegt es nun, die Scherben zusammenzukehren. Nach der Urteilsverkündung wollte er sich zunächst nicht äußern. Im Hintergrund aber wird längst ein „Königsmörder“ gesucht.

Die Spitzenvertreter der Wirtschaft im Aufsichtsrat der FC Bayern AG können sich einen verurteilten Steuerhinterzieher an der Spitze dieses Gremiums schlicht nicht leisten. Für die Vorstandschefs Herbert Hainer (Adidas), Rupert Stadler (Audi), Martin Winterkorn (VW) und Timotheus Höttges (Telekom) geht es um die eigene Glaubwürdigkeit. Die Richtlinien ihrer Konzerne sind in solchen Fällen eindeutig. Ein namentlich nicht genannter Manager sprach in der „Süddeutschen Zeitung" von einer „sehr schwierigen“ Situation für Hoeneß, ein anderer von „Stilfragen“. All das spricht gegen Hoeneß.

Einfach absetzen kann der Aufsichtsrat den Boss nicht, eine Einmischung in die Geschicke eines Vereins mit rund 230.000 Mitgliedern wäre schwierig. Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat wollen „kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen“. Eine Entscheidung soll nicht vor Freitag fallen. Die drei Miteigentümer der FC Bayern AG – Adidas, Audi und Allianz – können nicht allein handeln. Sie verfügen über nicht einmal ein Drittel der Aktien. Mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sitzt überdies ein Mann im Aufsichtsrat, der Hoeneß als „unverzichtbar“ für den FC Bayern bezeichnet hatte.

Die Deutsche Fußball Liga wird sich in die „Causa Hoeneß“ nicht einmischen. Das kündigte Ligapräsident Reinhard Rauball an, der Hoeneß’ Verdienste für den deutschen Fußball würdigte. „Im Übrigen liegt es ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Klub zu bewerten und damit umzugehen“, so Rauball, der auch Präsident von Bayern-Konkurrent Borussia Dortmund ist.

Bei einer Bewährungsstrafe, das hatte Hoeneß im November angekündigt, werde er sein Schicksal in die Hände der Fans legen. Die sollten bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden. Die Fans, seine Fans, würden ihn schon nicht fallen lassen, hoffte er. Doch dieser Weg scheint jetzt verbaut. Wie auch der Kniff, dass die Mitglieder Hoeneß mittels einer Satzungsänderung, in der das Amt des Präsidenten von dem des Aufsichtsratschefs entkoppelt wird, im Sattel halten.

Einen Nachfolger, und das dürfte jetzt zum Problem werden, hat Hoeneß nie versucht aufzubauen. Intern gilt einem Bericht des „Münchner Merkur“ zufolge der langjährige Finanzchef Karl Hopfner, 61, einer von zwei Vizepräsidenten, als möglicher Erbe, zumindest übergangsweise. Auch Stoiber, 72, wäre eine Option, heißt es. Doch einen FC Bayern ohne Uli Hoeneß mag sich an der Säbener Straße noch immer niemand vorstellen.