Justiz

Angriff und Verteidigung in Hoeneß’ Prozess

Steuerhinterziehung: Heute beginnt die Verhandlung gegen den Präsidenten des FC Bayern. Ebenso prominent wie er sind die Juristen

Uli Hoeneß mag die große Bühne. In der Münchner Allianz-Arena, mit seinem Platz auf der Ehrenloge, mit 71.000 Zuschauern auf den Tribünen, da fühlt sich Hoeneß zu Hause. Dort, wo er ab Montag sitzt, auf der Anklagebank des Landgerichts München II, wird es etwas ungemütlicher, es ist auch weniger Publikum da. Der Sitzungssaal 134 im Münchner Justizpalast hat nur 100 Plätze, für 49 Journalisten und 51 Zuschauer. Es wird eng. Im Saal und für Uli Hoeneß selbst.

Der Mann, der den FC Bayern und den deutschen Fußball geprägt hat wie kein anderer, der bis heute polarisiert wie niemand sonst, steht vor der entscheidendsten Woche seines Lebens. Die Plätze für Journalisten im Saal 134 des Justizpalastes in der Münchner Prielmayerstraße waren nach 27 Sekunden vergeben, 454 Medienvertreter hatten sich beworben. Vier Gerichtstage sind vor dem Landgericht für den Fall Hoeneß angesetzt. Beginn ist täglich 9.30 Uhr. Einlass 90 Minuten davor. Die ersten drei Reihen sind für die Journalisten, die besten Plätze sind aus Sicht der Zuschauer auf der rechten Seite. Hoeneß und seine Anwälte sitzen auf der linken Seite nebeneinander. Wer während der Verhandlung twittert oder auf Facebook postet, fliegt raus. Es wird ein spannender Prozess und wie hart es zur Sache gehen wird, dafür sorgen allein schon die Prozessbeteiligten.

Der Ankläger

Achim von Engel, Staatsanwalt, er wird der große Gegenspieler von Hoeneß. Der 39-Jährige ist ein Experte auf dem Gebiet des Steuerrechts, er gilt als akribisch und detailversessen. In seiner Anklageschrift soll es darum gehen, dass Hoeneß 3,5 Millionen Euro statt der zunächst veranschlagten 3,2 Millionen hinterzogen hat. Vermutlich wird von Engel auch beantragen, die Selbstanzeige von Hoeneß als unwirksam zu erklären, da er sie erst nach dem Bekanntwerden der Steuerhinterziehung gestellt habe. Dann würde Hoeneß in jedem Fall das Gefängnis drohen, zumindest laut einem Entscheid des Bundesgerichtshofs, nachdem jede Steuerhinterziehung von mehr als etwa einer Million Euro mit einer Haftstrafe ohne Bewährung zu verurteilen sei.

Achim von Engel machte sich bereits als Chefankläger gegen einen anderen Prominenten einen Namen. Im Oktober 2011 war er der Staatsanwalt im Prozess gegen den früheren BMW- und VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Damals ging es um eine Steuerhinterziehung von 235.000 Euro. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 100.000 Euro eingestellt. Seinen ersten größeren Fall hatte von Engel vor fast genau zehn Jahren, im Juli 2004. Damals mussten sich sechs Mitarbeiter der Fairchild Dornier GmbH vor Gericht verantworten, weil sie im Unternehmen Flugzeugteile im Wert von 3,5 Millionen Euro geklaut und weiterverhökert hätten. Wie genau und detailliert von Engel als Staatsanwalt ermittelt hatte, merkten die Prozessbeteiligten gleich zu Beginn der Verhandlung. Allein die Verlesung der Anklageschrift dauerte zwei Stunden.

Der Richter

Rupert Heindl, 47. Es ist fast 30 Jahre her, da traf ein Präsident des FC Bayern schon einmal auf einen Juristen namens Heindl. Otto Heindl, der Vater des jetzigen Hoeneß-Richters, war damals Oberstaatsanwalt bei den Ermittlungen gegen Bayern-Boss Willi O. Hoffmann. 1985 ging es um dubiose Immobiliengeschäfte, Bauherrenmodelle, Versprechen von Steuervorteilen, ein recht verschachteltes Geflecht. Hoffmann trat noch im selben Jahr zurück, nach vielen weiteren Ermittlungen wurde Hoffmann 2003 zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Nun also Sohn Rupert Heindl, nun also Uli Hoeneß.

Seit November 2011 ist Heindl Vorsitzender Richter der fünften Strafkammer des Landgerichts München II, der Wirtschaftsstrafkammer, die sich grundsätzlich nicht auf Absprachen, auf sogenannte Deals hinter den Kulissen einlässt, wie er in dem einen oder anderen Prozess schon betont hat. Heindl wurde von einer großen Boulevard-Zeitung bereits als „Knallhart-Richter“ betitelt, als einer, für den Prominenten-Bonus ein Fremdwort ist. Spannend wird seine Verhandlungsführung sein, von früheren Prozessen gibt es einige bemerkenswerte Episoden.

Wie genau es der Richter bei den Verfahren nimmt, zeigte sich etwa im Januar bei einem von der Öffentlichkeit völlig unbeachteten Prozess. Ein Mann war angeklagt wegen Veruntreuung und Betrug, es ging um 770.000 Euro. Während der Verhandlung sagte der Angeklagte, er habe einmal 90.000 Euro abgehoben. Dem entgegnete Heindl entschieden: „Auf dem Kontoauszug steht 90.500 Euro. Und was ist mit den 500 passiert?" Auf eine entspannt gemütliche Atmosphäre im Gerichtssaal darf sich Hoeneß nicht einstellen. Heindl gilt nicht als unfair, aber als hart, eine 75-jährige Frau verurteilte er einmal zu drei Jahren Haft, weil sie eine 61-Jährige um eine Viertelmillion geprellt hatte. Einmal sagte Rupert Heindl: „Unsere Fälle sind meistens so komplex, dass man nicht weiß, was am Ende rauskommt.“ Genau wie jetzt im Fall Hoeneß.

Begonnen hatte Heindl seine Karriere übrigens im Süden Münchens, in Wolfratshausen, der Heimat Edmund Stoibers. Am dortigen Amtsgericht musste er Fälle verhandeln wie etwa im Jahre 2005 Streitereien bei einem ortsansässigen Faschingsverein. Es ging um Standgebühren von 15 Euro. Eine Narretei. Aber Heindl verstand auch dort keinen Spaß.

Die Verteidigung

In der Defensive ist Uli Hoeneß stark aufgestellt, agieren wird er mit einer Dreier-Abwehrkette. Um in vermeintlicher Bestbesetzung antreten zu können, wechselte Hoeneß drei Monate vor der Verhandlung einen Verteidiger aus. Werner Leitner, der unter anderem auch den Bayern-Profi Breno bei dessen Brandstiftungsdelikt vertreten hatte, wurde ausgetauscht, neu für ihn im Spiel war der Frankfurter Jurist Hanns W. Feigen. Eine spektakuläre Verpflichtung, neben den beiden Münchner Mitstreitern Markus Gotzens und Dieter Lehner gilt Feigen als routinierter Haudegen, als alter Fuchs. Feigen ist 64 und einer der renommiertesten Wirtschaftsanwälte im ganzen Land. Der auf Rechtsfragen spezialisierte Juve-Verlag kürte Feigens Frankfurter Kanzlei 2012 zur „Kanzlei des Jahres für Wirtschaftsstrafrecht“. Wer als Promi Probleme mit dem Fiskus und der Justiz hat, engagiert einen wie Feigen. Dessen wohl bekanntester Fall war der des ebenfalls wegen Steuerhinterziehung angeklagten früheren Post-Vorstandschefs Klaus Zumwinkel. Er kam mit einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung davon. Feigen vertrat auch den Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher, der wegen Korruption angeklagt war. Schumacher wurde freigesprochen.

Beobachter berichten, dass Feigen in den Prozessen sehr ruhig und klar spricht, mit seiner tiefen Stimme dennoch den ganzen Raum bannt und für sich einnimmt. Ein Mann mit einer beeindruckenden Aura und einem sehr selbstbewussten Auftreten.

Feigen, Heindl, Engel. Eine bemerkenswerte Begegnung dreier juristischer Persönlichkeiten. Und mittendrin das Alpha-Tier Uli Hoeneß. Das verspricht ein brisantes Aufeinandertreffen.