Internationaler Frauentag

Begzada Alatović - Ein Garten für andere Gedanken

Begzada Alatović mag grün: Sie ist gern im Grünen, sie trägt einen grünen Cardigan. Ob sie Muslima sei, wurde sie wegen der Farbwahl einmal gefragt. Ja, ist sie. Und Bosnierin. Wichtig sind Religion und Nationalität ihr nicht. „Ich bin ein Mensch“, sagt die 52-Jährige. Und sie ist eine Frau – eine, die den Frauentag bewusst begeht. Das hat sie schon „vor dem Krieg“ getan, als Abgeordnete im Parlament in Sarajewo, wo sie ihre Region um Modriča vertrat. Gemeint ist der Bosnienkrieg, vor dem sie 1993 flüchtete.

Irgendwann führte sie ihr Weg zum Interkulturellen Garten Rosenduft im Park am Gleisdreieck. Dort in Kreuzberg kümmert sich Begzada Alatović für die Migrantenorganisation „südost Europa Kultur e.V.“ um andere Kriegsflüchtlinge. Mit ihnen wird sie am Frauentag in den Botanischen Garten fahren und einen Tag später im Interkulturellen Garten Rosenduft feiern. „Der Tag spricht für die Emanzipation der Frau. Deswegen halten wir ihn hoch.“

An die 40 Frauen – aus Bosnien und Herzegowina, aus der Nachbarschaft, aus Nigeria und Palästina – kommen zu unterschiedlichen Zeiten auf das 2000-Quadratmeter-Grundstück. Rosenstöcke ranken sich an Gittern empor. Dazwischen die Beete: Im südlichen Teil des Gartens, zu den Yorckbrücken hin, brummen Bienen um sieben Stöcke herum. Wer sich für den Interkulturellen Garten Rosenduft interessiert, kann mit Begzada Alatović eine Führung verabreden. Das Interesse ist groß, Frau Alatović hat in ihrem Büro des Vereins in der Großbeerenstraße 88 immer wieder Studentinnen zu Besuch, die über die Arbeit des Vereins schreiben.

Doch am liebsten ist sie draußen. „Die Frauen sind wie meine Familie. Sie bedeuten mir sehr viel. Der Garten ist Arbeitsplatz und Fluchtstätte. Der Krieg hat das Vertrauen in die Menschen zerstört. Aber in der Gruppe habe ich wieder Vertrauen gefasst“, sagt die 52-Jährige. Diese Erfahrung könnten die Frauen im Rosenduftgarten teilen. „Ich glaube, das Grün beruhigt. Der Garten bringt uns auf andere Gedanken. Wir können Lachen. Wir können frei atmen.“