Internationaler Frauentag

Sharon Adler: Ein Magazin ohne Diättipps

Sharon Adler wirkt immer auf eine wunderbare Art in Eile und gleichzeitig nimmt sie sich in Ruhe Zeit für alles. Wie auch immer sie das schafft: Sie schafft es. Am 1. Februar feierte die Chefredakteurin und Gründerin von „Aviva-Berlin“ bereits den 14. Geburtstag ihres Onlinemagazins, das seine Themen breit gefächert hat: Kultur, Politik, Judentum, Veranstaltungstipps für Berlin, Buchrezensionen und Informationen für Mütter und Nichtmütter. „Eigentlich alles abseits von Diätwahn und Schminktipps“, sagt Sharon Adler. Rund 559.381 Klicks pro Monat erzielen die 51-Jährige und ihr rund 30-köpfiges, weibliches Aviva-Team damit. Die Seite wird täglich aktualisiert.

Im Moment ruft Sharon Adler auf ihrer Aviva-Seite muslimische und jüdische Mädchen und junge Frauen auf, sich an einem Medien- und Dialogprojekt zu beteiligen. Bei „Schalom Aleikum“ steht die Frage „Was verbindet und was trennt uns?“ im Mittelpunkt. Es geht in gegenseitigen Interviews um den Austausch miteinander. Die daraus entstehenden Artikel werden dann mit Unterstützung der Aviva-Redaktion auf der Homepage veröffentlicht. Genau um das, was dieses Projekt ausmacht, geht es bei Sharon Adler eigentlich immer: „Austausch kann vielfältige Formen annehmen, wichtig ist, dass wir einander kennenlernen und Lust haben, etwas über die andere Person und deren Alltagswelt zu erfahren und zu schreiben. Dabei kann sich auch der Blick auf eigene Haltungen und Denkmuster schärfen“, sagt Sharon Adler, die seit Herbst 2013 auch Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zurückgeben ist. Die Stiftung fördert jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft.

Sharon Adler ist eine entspannte Feministin. Das trifft es irgendwie ganz gut. Für ihr Engagement für Frauen und immer auch mit Frauen, erhielt sie 2012 den „Berliner Frauenpreis“. Vorgeschlagen wurde sie von einer Freundin, Moderatorin Mo Asumang. Ihre Begründung damals: „Aviva-Berlin wurde von ihr allein am Küchentisch gegründet, allein aus ihrer Vision heraus, ein Online-Frauenmagazin zu etablieren, das es in dieser Form nicht gab und das auch heute noch einzigartig ist.“ 14 Jahre hat sie damit schon Erfolg. Das ist in der virtuellen Welt ein wahrlich biblisches Alter. Weiter begründete Mo Asumang: „Sie hat ein Medium gegründet, das sich an alleFrauen richtet, Frauen unterschiedlicher Kulturkreise, Religionen, sexueller Orientierung, Alter oder gesellschaftlichem Status.“

Für Sharon Adler ist es wichtig, dass bei ihr Frauen zu Wort kommen, die etwas zu sagen haben, die es geschafft haben – oder die es eben auch nicht geschafft haben, die tot und vergessen sind. Ihnen allen gibt sie mit Aviva eine Plattform. Darunter sind viele Jüdinnen, Sharon Adler selbst ist Jüdin. Ein jüdisches Magazin ist Aviva deshalb aber nicht. Das soll es auch gar nicht sein. „Ich möchte das aktuelle jüdische Leben in Berlin darstellen. Oftmals wird Judentum nur mit dem Holocaust in Verbindung gebracht“, sagt Adler.

Klischees mag sie eben gar nicht. Darum sei es auch immer wichtig, „Transparenz zu schaffen“, sagt die Mutter einer 18-jährigen Tochter. „Das wollen wir mit Aviva. Informieren mit schnellen und gut recherchierten Infos.“ Für alle Frauen, jeden Tag. Deswegen ist der Frauentag auch nicht wirklich ein besonderes Datum in ihrem Kalender. „Das klingt abgedroschen, aber so ist es nun einmal: Jeder Tag sollte Frauentag sein“, sagt Sharon Adler.