Fußball

Schalke 04 spart sich die Kritik an Sponsor Gazprom

Wenn Clemens Tönnies zu einem Termin bei Wladimir Putin geht, hat der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke 04 immer zwei Geschenke dabei: ein aktuelles Trikot des Bundesligisten und Fleisch aus seiner Wurstfabrik.

Russlands Präsident hat eine Schwäche für deutsches Eisbein. Zudem wirbt das mehrheitlich staatliche Energieunternehmen Gazprom seit 2007 auf dem Trikot des Ruhrpottvereins. Die letzte Verlängerung des Vertrages wurde 2011 sogar im damaligen Büro von Putin im Weißen Haus in Moskau beschlossen.

Wohl nur Rekordmeister Bayern München wird mehr Werbeeinnahmen haben als die kolportierten 14 bis 15 Millionen Euro Garantiesumme, die der staatliche Energiekonzern pro Jahr an Schalke überweist. Abgewickelt wird der Vertrag über die in Berlin ansässige Tochterfirma Gazprom Germania GmbH. Im Geschäftsbericht von 2012 wird das Engagement als erfolgreich beurteilt: „Außerdem hat sich das Image der Marke Gazprom in den vergangenen Jahren in Deutschland wesentlich verbessert.“

Auch wenn sich viele Schalke-Anhänger mittlerweile an die stilisierte weiße Gasflamme auf dem königsblauen Trikot gewöhnt haben, ist die Kritik der Fans nie ganz verstummt. Die Fans wissen, dass das Unternehmen auch ein Druckmittel der russischen Außenpolitik ist. „Russland wird weiterhin nach mehr Macht streben, mit Gazprom als Instrument. Dass Schalke 04 sein Image dafür gibt, widerstrebt mir zutiefst“, kritisierte Torsten Wieland, Macher des bekannten Schalker Online-Magazins „Königsblog“.

Zu den Aktivitäten des Energiekonzerns im Konflikt mit der Ukraine wollte der Verein gegenüber der Morgenpost keine Stellung nehmen. „In unserer Eigenschaft als Fußballverein äußern wir uns jedoch nicht zu Themen, die in den Heimatländern unserer Partner politisch relevant sind“, sagte eine Vereinssprecherin. Damit steht der Klub nicht alleine, sondern in einer Reihe mit dem europäischen Fußballverband Uefa, Weltverband Fifa und der Fußballikone Franz Beckenbauer – allesamt unkritische Werbebotschafter von Gazprom.