Ukraine

An den Börsen stürzen Rubel und Gazprom ab

Kriegsängste haben am Montag auch die Wall Street belastet.

Aus Sorge vor einer Eskalation der Krise um die ukrainische Halbinsel Krim strichen US-Anleger Gewinne ein und investierten lieber in sichere Anlagen wie Gold oder US-Staatsanleihen. Der russische Aktienmarkt brach um mehr als zehn Prozent ein, Dax und EuroStoxx50 verloren zeitweise je drei Prozent. Zudem fiel der Moskauer Leitindex RTS, in dem in Dollar notierte Aktienwerte zusammengefasst sind, um 14,2 Prozent auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel ebenfalls 0,7 Prozent auf 4277 Zähler. Auch der Rubel ging in den Keller. Der Dollar verteuerte sich um mehr als drei Prozent und war mit 37,05 so teuer wie noch nie. Für einen Euro gab es nur noch 51,20 Rubel. Die russische Zentralbank hob den Leitzins auf sieben Prozent an.

Zu den größten Verlierern zählten die Aktien des staatlichen russischen Ölkonzerns Gazprom, die um bis zu 16,6 Prozent abstürzten. Damit schrumpfte der Marktwert des Gasförderers umgerechnet um knapp acht Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem gesamten Börsenwert der Lufthansa. Die Titel von Russlands größtem Geldinstitut Sberbank brachen um fast 18 Prozent ein.

Die Krim-Krise löste Spekulationen über Engpässe bei der Energieversorgung aus und trieb so auch den Ölpreis in die Höhe. Die richtungweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um drei Prozent und kostete mit 112,39Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt Ende Dezember. Spekulationen auf einen Angebotsengpass ließen auch die Preise für Weizen um knapp sechs Prozent anziehen. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreidelieferant.

Die Bundesregierung sieht in den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine keinen Anlass, sich um die Versorgung Deutschlands mit Erdgas zu sorgen. Die Gasspeicher seien gut gefüllt, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Deutschland habe die viertgrößten Kapazitäten weltweit und sei auf mögliche Lieferengpässe gut vorbereitet. Für Liefereinschränkungen gebe es aber keinerlei Anhaltspunkte. Das gelte auch für die Rohölimporte. Deutschland deckt seinen Erdgasbedarf nach Angaben der Sprecherin zu 35 Prozent mit russischen Lieferungen. Der Anteil Russlands an den deutschen Rohölimporten sei in etwa ebenso hoch.

Gleiche Probleme wie UdSSR

Klar ist auf jeden Fall, dass sich Moskau eine kriegerische Auseinandersetzung nicht leisten kann: Der russischen Wirtschaft geht es so schlecht wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Putin hat es nicht geschafft, mit den sprudelnden Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft die russische Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Stattdessen hat er mit dem Geld die Macht des Kreml gestärkt und politische Stabilität erkauft.

Und so kämpft die russische Wirtschaft heute noch mit den gleichen Problemen wie in der Spätphase der Sowjetunion: Fehlende Investitionen, Kapitalflucht und Unternehmen, die international praktisch nicht wettbewerbsfähig sind, lähmen die wirtschaftliche Entwicklung. Michael Hüther, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), warnt denn auch vor der mangelnden Dynamik der russischen Volkswirtschaft.