Protest

Wie Verbraucher Veränderungen erkennen können

Lebensmittel müssen gekennzeichnet sein. Es gibt allerdings einige Ausnahmen

Ob der Genmais 1507 nach der Freigabe durch die EU in Deutschland auch tatsächlich gepflanzt wird, ist fraglich. Hierzulande ist der Widerstand gegen die grüne Gentechnik groß. Die Lebensmittelhersteller wissen das, und immer mehr nutzen das Siegel „Ohne Gentechnik“, vor allem für Milch und Milchprodukte. Es bietet die Gewissheit, dass Produkte vollkommen ohne die Nutzung von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen hergestellt wurden. Denn Einzug gehalten hat die Gentechnik schon längst im Supermarktregal.

In welchen Produkten im Supermarkt steckt bereits Gentechnik?

Bislang gibt es im Handel dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge nur wenige Produkte mit direkt gentechnisch veränderten Zutaten. Bei den Ausnahmen handelt es sich einer Greenpeace-Erhebung zufolge meist um Lebensmittel aus dem Ausland wie Schokoriegel und andere Süßigkeiten aus den USA. Reine Genprodukte wie etwa Gengemüse, -obst oder -fleisch gibt es nicht. Genpflanzen dürfen aber an Tiere verfüttert werden, wodurch Gentechnik in den Nahrungskreislauf gelangt. Dies kann unter anderem bei Milchprodukten oder Eiern der Fall sein.

Sind Lebensmittel mit genveränderten Zutaten besonders gekennzeichnet?

Ja, allerdings mit Einschränkungen. Hersteller sind grundsätzlich dazu verpflichtet, alle gentechnisch veränderten Lebensmittelbestandteile in den Zutatenlisten auf den Verpackungen abzudrucken. Ausgenommen von der Pflicht sind aber Tierprodukte wie Milch, Eier und Fleisch oder Zusatzstoffe, die von gentechnisch veränderten Bakterien erzeugt wurden. Das freiwillige Siegel „Ohne Gentechnik“ des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik bekommt nur, wer nachweisen kann, dass Tiere nicht mit Futter wie Gensoja gefüttert wurden oder dass keine gentechnisch veränderten Bakterien eingesetzt wurden.

Sind Bioprodukte gentechnikfrei?

Grundsätzlich ja, jedoch können auch hier teils Einschränkungen bestehen. Zwar sieht die EU-Ökorichtlinie vor, dass bei der Herstellung von Bioprodukten keine Gentechnik-Zutaten verwendet werden dürfen. Spuren gentechnisch veränderter Bestandteile aber müssen auf Lebensmittelverpackungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent nicht gesondert ausgewiesen werden. Die Hersteller von Bioprodukten sind jedoch gehalten, alles technisch Mögliche zu tun, um Verunreinigungen ihrer Ware auszuschließen.

Müssen Gaststätten auf Speisekarten Gerichte mit genveränderten Zutaten kennzeichnen?

Ja. Nach Angaben von Greenpeace allerdings fehlen solche Hinweise in der Praxis oft. Demnach werden etwa Pommes Frites in einigen Fällen in Speiseöl aus Genpflanzen – etwa Raps – frittiert. Für den Verbraucher ist dies meist nirgends nachzulesen.

Welche Auswirkungen haben Genprodukte auf die Gesundheit?

Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Dem BVL zufolge gibt es etwa aus den USA oder Kanada, wo Lebensmittel aus Genpflanzen oder Milch von mit Gensoja gefütterten Kühen schon seit Jahren auf dem Markt sind, „keine Erkenntnisse, dass sich der Verzehr ... schädlich auf die Gesundheit von Menschen ausgewirkt hat“. Die Umweltschützer von Greenpeace dagegen sehen beim Verzehr von Genpflanzen ein Risiko, dass diese aufgrund ihrer Genstruktur verstärkt allergische Reaktionen auslösen können. Milch von Kühen, die mit Gensoja gefüttert wurden, dürfte demnach aber risikolos sein.

Werden in Europa schon genveränderte Pflanzen angebaut?

In der EU wird derzeit nur der gentechnisch veränderte Mais MON 810 des US-Konzerns Monsanto zu kommerziellen Zwecken gepflanzt. Haupt-Anbauland ist nach jüngsten Zahlen von 2012 Spanien mit 116.306 Hektar, gefolgt von Portugal, Tschechien, Rumänien und der Slowakei. Deutschland verhängte ein Anbauverbot. Die besonders stärkehaltige Kartoffel „Amflora“ von BASF war ebenfalls für Äcker zugelassen, bis das EU-Gericht Anbau und Vertrieb im Dezember wegen Verfahrensfehlern untersagte. Sie wird aber ohnehin seit 2011 nicht in Europa angebaut.