Technik

Revolution in Beige

Computer: Vor 30 Jahren kam der erste Macintosh-Rechner auf den Markt. Er definierte, wie die Benutzeroberfläche eines Rechners aussehen sollte

Durchaus ungewöhnlich 1984: Zum ersten Macintosh-Computer lieferte Apple ein Handbuch mit. Doch es gab aber auch einige Neuerungen, mit denen der nicht so versierte Nutzer jener Zeit erst einmal lernen musste umzugehen: zum Beispiel die Bedienung des Rechners über eine Maus – mit nur einer Taste. Mit dem vor 30 Jahren vorgestellten Macintosh, wegen des 128 Kilobyte großen Speichers später auch Mac 128k genannt, hat Apple Aussehen und Steuerung aller Rechner für zu Hause und fürs Büro komplett verändert.

Vielleicht bis auf die junge Touchscreen-Generation könnten heute noch alle den Mac 128k auf Anhieb bedienen: Jahrzehntelang hat sich an dem damals neuartigen Bedienkonzept kaum etwas geändert. Damals jedoch kam die Einführung des Macintosh einer Revolution gleich. Was gab es denn schon? Zum Beispiel den mit 5000 Dollar doppelt so teuren IBM-Rechner PC XT oder den Commodore 64. Diese Computer repräsentierten das Gegenteil einfacher Bedienbarkeit. Die Bildschirme waren schwarz, darauf tanzten grüne oder weiße Buchstaben und Ziffern im für Laien unverständlichen Programmcode. Selbst das Kopieren einer Datei war nur über die Eingabe vieler kryptischer Buchstabenfolgen zu erreichen. Und sie ließen sich eben nur per Tastatur bedienen, eine Maus war für kommerziell verfügbare Rechner nicht zu bekommen.

Was den Bildschirm anging, hatte der Mac allerdings auch nicht viel zu bieten: Im Gehäuse summte noch eine Röhre, der 23 Zentimeter kleine Monitor kam auf nicht mehr als 512 mal 342 Pixel. Full HD heute hat eine Auflösung von 1920 mal 1080. Niemand konnte damals also auf ein multimediales Bildschirm-Feuerwerk hoffen. Doch was darauf zu sehen war, beeindruckte und irritierte zugleich: Symbole, die anzeigten, was auf dem Computer gespeichert war und wie man damit umgehen konnte. Niemand musste mehr eine Kommandozeile eingeben, um etwa eine Datei zu suchen.

Ganz neu war diese grafische Schnittstelle zwischen Mensch und Rechenmaschine nicht. Auch Apple hatte mit Lisa ein Modell, benannt nach der Tochter von Steve Jobs, das Ähnliches bot – allerdings auch vier Mal teurer war. Vorher hatte der Computertechniker Douglas Engelbart bereits die Computermaus erfunden, und beim Technologieunternehmen Xerox war die grafische Oberfläche schon länger zu sehen.

Apfelsorte als Namensgeber

Hier hatte sie Jobs auch bei einem Besuch entdeckt. In einem Interview sagte er später, er habe sofort erkannt, dass das die Zukunft der Computerbedienung sei. Apple hat die neue Bedienform zwar nicht entwickelt, sie aber in die Welt getragen. Microsoft machte sie dann mit Windows noch populärer, das Betriebssystem setzte sich aber erst 1990 mit der 3. Version entscheidend durch.

Doch es war gar nicht Jobs, der am Anfang der Mac-Entwicklung stand, Jeff Raskin hatte einen größeren Anteil am Konzept. So wurde der Rechner auch nach seiner Lieblings-Apfelsorte McIntosh benannt. Zumindest phonetisch, ganz übernehmen durfte Apple die Bezeichnung nicht, weil schon andere Unternehmen McIntosh als Marke eingetragen hatten. Neben Jobs und Raskin sind auch Apple-Mitgründer Steve Wozniak sowie zahlreiche Programmierer, Designer und Ingenieure an der Entwicklung des ersten Macs beteiligt – und ihre Namen wurden auf die Innenseite des Mac-128k-Gehäuses eingebrannt.

Jobs gehörte anfangs gar nicht dazu, er war mit seinem Lieblingsprojekt, dem Rechner Lisa, beschäftigt. Doch nachdem er sich mit dem neuen Apple-Chef John Sculley überworfen hatte, wechselte er ins Mac-Team. Erst einmal kassierte er einige Ideen, zum Beispiel einen Umschalter zwischen der traditionellen Grün-auf-Schwarz-Schrift und dem Schwarz-Weiß des Macs, und er wurde zum unermüdlichen Antreiber, wie Wozniak später einmal sagte.

Schon 1984 bewiesen Jobs und Kollegen, dass sie etwas Großes mit dem Mac vorhatten: Sie zeigten am 22. Januar, zwei Tage vor der kommerziellen Einführung des Rechners, einen Werbespot in einer bis dahin einzigartigen Ästhetik und Durchschlagskraft. Mehr als 90 Millionen Zuschauer waren vor den Fernsehern dabei, schließlich lief der 30-sekündliche Clip während des Football-Finales, des populären Super Bowls. Kein geringerer als Ridley Scott war der Regisseur, der bis dahin unter anderem auch „Blade Runner“ und „Alien“ gedreht hatte.

800.000 Dollar Werbespot

Zu sehen war ein riesiges Big-Brother-Wesen, das für IBM und die anderen Computerunternehmen der Zeit stand. Davor saßen zahlreiche, dem Wesen hörige Arbeitsdrohnen. Doch dann stürmte Apple in Form einer von bewaffneten Polizisten verfolgten Frau in die Halle. Sie zerstörte mit einem Hammer den gigantischen Bildschirm und befreite so die Massen, sprich: Computernutzer. Dann heißt es aus dem Off: „Sie werden sehen, warum 1984 nicht so sein wird wie ,1984‘“ – eine Anspielung auf George Orwells Roman mit gleichem Titel.

Nicht nur weil es ein unerhörter Affront gegenüber dem scheinbar allmächtigen IBM-Konzern war, sondern auch weil der Spot etwa 800.000 Dollar kostete, war die Apple-Führung anfangs nicht bereit, ihn produzieren zu lassen. Jobs und Wozniak wollten die Produktion schon selbst bezahlen, als die Manager doch zustimmten. Dafür hoben sie den Preis für den ersten Mac, der knapp 2000 Dollar kosten sollte, auf 2500 Dollar an. Das entspricht einem heutigen Wert von etwa 5000 Dollar.

Dafür bekamen die Käufer nicht nur ein kleines, beigefarbenes Gehäuse mit einem Griff an der Oberseite, und damit einen Rechner, der bequem auf den Schreibtisch passte und sich gut transportieren ließ. Weil auch die Programme MacPaint und MacWrite mit an Bord waren, wurde der Mac außerdem zu einem der ersten Computer, mit dem das Erstellen von Dokumenten mit Texten und Bildern zu Hause möglich war.

Zwar ließ sich nur ein Druckermodell anschließen, der Matrix-Drucker Apple ImageWriter, viel mehr hatten andere – und teurere – Rechner aber auch nicht zu bieten. Im Mai 1984 hatte Apple etwa 70.000 Macs verkauft. Der erste Käufer zweier Mac-Rechner in Europa war übrigens Douglas Adams, bekannt für seine legendäre Science-Fiction-Satirereihe „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Es gab auch reichlich Kritik. Da war der doch recht gemächlich werkelnde Prozessor, der mit acht Megahertz taktete. Vor allem der mickrige Hauptspeicher mit seinen 128 Kilobyte machte den Nutzern das Leben schwer. Der Mac war selbst für damalige Verhältnisse nicht gerade üppig ausgestattet. Multimedia-Software hatte bei der geringen Leistungsfähigkeit kaum eine Chance. Es fanden sich kaum Software-Entwickler, die für den Mac 128k Programme schrieben. Erst der Nachfolger brachte im September 1984 etwas Erleichterung.

Um den Speicher zu erweitern, musste man mit einem Lötkolben im Gehäuse herumfuchteln. Dann aber erlosch die Garantie. Wie auch heute noch bei einem Akkuwechsel in verschiedenen Apple-Geräten, durfte nur ein Techniker des Unternehmens am Mac herumschrauben – für einen Preis, der fast so hoch war wie der Anschaffungspreis. Immerhin ließ sich ein externes Laufwerk anschließen, für die schlabbrigen Floppy-Disks, auf denen damals Daten gespeichert wurden. Nur wenige Seiten Text mit Bildern passten auf eine Diskette. Wer ein eigenes Buch auch nur im Mini-Format erstellen wollte, stapelte schon nach wenigen Kapiteln Dutzende Floppy-Disks im Regal.

Zudem hatte das Gerät einige technische Tücken, weshalb sich der erste Mac doch eher mäßig verkaufte. Die Branche hat er mit seiner Benutzeroberfläche aber revolutioniert. Grüne Schrift und kryptische Befehlszeilen gehörten danach der Vergangenheit an.