Bundesregierung

„Wow! Was für eine exzellente Biografie“

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen macht international Furore

Als Ursula von der Leyen (CDU) nach ihrer Vereidigung im Reichstag an ihrem neuen Dienstsitz im Berliner Bendlerblock ankommt, marschiert das Wachbataillon auf. Es erklingt die Nationalhymne, dann schreitet die neue Ministerin gemeinsam mit ihrem Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) die Reihen der Soldaten ab. Als erste Amtshandlung legt die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt einen Kranz am Ehrenmal für die Gefallenen der Bundeswehr nieder.

Ab sofort trägt die 55-Jährige die Verantwortung für 185.000 Militärs und 70.000 zivile Mitarbeiter. Viel Zeit zur Einarbeitung wird ihr nicht bleiben. Von der Leyen, die offen zugibt, auf dem Feld der Sicherheitspolitik „absolut neu“ zu sein, werden zügig fachliche Entscheidungen abverlangt. Mit angelesenen Zitaten aus dem Koalitionsvertrag über Deutschlands wachsende Bedeutung in der Welt, die „riesige Managementaufgabe“ der Bundeswehrreform und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird es nicht mehr getan sein.

Längst steht die neue Ministerin unter Beobachtung der Fachwelt, auch der internationalen. So weilte am Tag der Regierungsbildung Philip Mark Breedlove in Berlin. Der US-General, als Supreme Allied Commander Europe (Saceur) einer der höchsten Nato-Militärs, musste aufgrund der Übergabefeierlichkeiten auf ein Treffen mit von der Leyen verzichten. Aber er machte sich auf anderem Weg ein Bild von der in der Nato weitgehend unbekannten Politikerin. Am Montagabend habe er erstmals von der Berufung gehört, sagte Breedlove. „Ich habe den Namen dann sofort gegoogelt“. In englischer Sprache gebe es derzeit noch nicht viele Artikel über von der Leyen. Aber Breedlove war seit 1983 fünf Mal in Deutschland stationiert, er kann deshalb auch deutsche Texte lesen. Seine Erkenntnis nach der Lektüre: „Ich dachte: Wow! Was für eine exzellente Biografie.“

Auch im Inland werden Erwartungen formuliert. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, prophezeite von der Leyen, es werde „eine der größten Herausforderungen, in diesem Ressort zu bestehen“. Der neue Job sei für Ministerin und Truppe „Chance und Risiko zugleich“.