Finanzaufsicht

Und noch ein Verdacht

Weltweite Untersuchung gegen Großbanken wegen Devisenmauscheleien

Seit geraumer Zeit sehen sich die Aufsichtsbehörden weltweit die Finanzwelt genauer an. Neben dem Zinsskandal untersuchen sie auch die Preisbildung bei Gold und Silber sowie anderen Rohstoffen. Und es gibt einen Verdacht, dass Großbanken auch bei Wechselkursen von Währungen gemauschelt haben. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia kündigte in Brüssel Schritte gegen Banken an, nannte aber keine Namen. Die weltumspannende Untersuchung betrifft Referenzkurse für verschiedene Währungen und läuft schon seit dem Frühjahr.

Am Devisenmarkt wird Geld einer Währung in das einer anderen getauscht. Es ist nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel der mit Abstand größte Finanzmarkt überhaupt – der tägliche Umsatz lag beispielsweise im April 2013 bei 5,3 Billionen Dollar (3,9 Billionen Euro). Der größte Teil des Handels findet allerdings nicht an öffentlichen Börsen statt, sondern zwischen Finanzunternehmen über ihre Händler, die dann einen Preis nach Angebot und Nachfrage festlegen.

Zu den größten Akteuren auf den weltweiten Devisenmärkten gehören die Deutsche Bank und die Citigroup aus den USA mit jeweils rund 15 Prozent Marktanteil. Die am meisten gehandelte Devise war im April 2013 der Dollar mit einem Volumen von rund 4,7 Billionen Dollar, gefolgt vom Euro mit 1,8 Billionen Dollar Volumen.

Die EU sowie Finanzbehörden in Europa, den USA und Asien untersuchten die Vorgänge, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Die Banken hätten möglicherweise Geschäfte mit fremden Währungen in der Absicht getätigt, den Kurs zu einer bestimmten Uhrzeit zu beeinflussen und so mittels Kurswetten Gewinne einzunehmen. Erhärte sich der Verdacht, könne der Skandal demnach größere Ausmaße annehmen als der Libor-Skandal, bei dem Banken die Referenzzinsen manipuliert haben.

Ob die Deutsche Bank auch in diesen Skandal verwickelt ist, ist derzeit unklar, vermutlich aber nicht. Der Exekutivdirektor der deutschen Bankenaufsicht BaFin, Raimund Röseler, sagte der Zeitung: „Wir haben bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass Händler einer deutschen Bank in Manipulationen involviert waren.“ Die Untersuchungen seien aber noch nicht beendet. Die BaFin sehe bisher keinen Anlass für eine Sonderprüfung, wie ein Sprecher sagte. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Die Deutsche Bank hat allerdings aus Angst vor einem weiteren Manipulationsskandal den Austausch elektronischer Nachrichten ihrer Händler mit Mitarbeitern anderer Banken blockiert. „Wir haben die Nutzung von Multi-Party-Chatrooms im Devisenhandel bereits im ersten Quartal untersagt und haben das inzwischen auch auf andere Bereiche im Geschäft mit festverzinslichen Papieren ausgeweitet“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Auch die Citigroup, die britische Barclays und die Schweizer UBS verboten derartige Internet-Chats.

Die Aufsichtsbehörden untersuchen solche Internet-Plattformen besonders genau. Die Ermittler durchforsten Tausende dieser Kurzbotschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren schon Ungereimtheiten bei der Ermittlung der wichtigen Zinssätze Libor und Euribor entdeckt worden.