China

Schlau werden auf Knopfdruck

Peking setzt ganz bewusst auf Bildung, um seine Wirtschaft anzukurbeln

China ist hungrig, und damit die Wirtschaft weiter wächst, setzt die Führung in Peking auf Fortschritte in Wissenschaft und Forschung. Seit 1998 hat die Volksrepublik ihre Bildungsausgaben von Jahr zu Jahr gesteigert: 2010 waren es bereits 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, drei Jahre später lagen sie bereits bei vier Prozent.

Die ersten Knospen dieser Saat gehen schon auf und können besichtigt werden: in Regionen wie der Xianlin Science Town, wo eine Reihe Universitäts- und Schulkomplexe wie jener der Nanjing Foreign Language School stehen.

Einem Industriegebiet gleich, schießen hier Wohntürme für Studenten und Lehrer aus dem Boden, flankiert von akribisch angelegten Grünflächen und Parks. Diese Entwicklung vollzieht sich im gesamten Reich. Die Zahl der staatlich anerkannten regulären Universitäten hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt, und im Jahr 2013 gab es erstmals 6,99 Millionen Universitäts-Absolventen – dreimal mehr als 2003. Das Ziel für die nächsten Jahre ist ausgegeben: Bis 2020 soll der Anteil von Jugendlichen, die in höheren Bildungseinrichtungen eingeschrieben sind, von 15 auf 25 Prozent steigen. Nachholbedarf haben in China vor allem die ländlichen Gebiete, wo die Schüler nach der neunjährigen Pflichtschulzeit seltener weiterlernen.

„Es ist bewundernswert, dass Peking es geschafft hat, Quantität rasch auszubauen, ohne an Qualität zu verlieren“, sagt Andreas Schleicher, stellvertretender Direktor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Sonderberater für Bildungspolitik. „Wie nachhaltig das ist, ist eine offene Frage“, sagt der Mann. Die Zahlen zumindest geben Peking recht: Die Metropole Shanghai erreicht auch in der aktuellen Bildungsstudie wieder den ersten Platz – wie schon 2009 und 2012. Selbst im ländlichen Raum könnten sich die Ergebnisse mit den europäischen Leistungszahlen messen lassen, so Schleicher: „Man muss sich klarmachen, wo China vor 20 Jahren stand: Da gab es noch nicht einmal die Mittelschule. Und heute ist sie flächendeckend.“ Hongkong und Macau gehören schon jetzt zu den Regionen, in denen im weltweiten Vergleich am meisten Eltern eine Hochschulausbildung ihrer Kinder erwarten. Rund 60 Prozent wünschen sich diesen Weg für ihre Kinder – in Deutschland sind es rund 25 Prozent.