Kino

„Diese emotionale Bindung, das ist einmalig“

Fünf Fragen an Hans-Joachim Flebbe, den neuen Betreiber des Zoo Palastes

Der Zoo Palast ist für Hans-Joachim Flebbe das bedeutendste Kino Deutschlands. Warum das so ist und was ihn mit dem Lichtspielhaus in der City-West verbindet, erklärt er im Gespräch mit Peter Zander.

Berliner Morgenpost:

Herr Flebbe, erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal im Zoo Palast?

Hans-Joachim Flebbe:

Als ich Ende der 70er-Jahre in Berlin gewohnt habe, führte mich der erste Weg in dieses Kino. Aber die Verbindung ist schon viel älter. Als ich noch als Junge ins Kino ging, fand ich immer am spannendsten, wenn in den Wochenschauen über die großen Premieren in Berlin berichtet wurde. Da schritten die großen Stars über den roten Teppich. Dass ich selbst mal als Kinobetreiber hier die Gäste begrüßen darf, ist ein überwältigendes Gefühl.

Warum der Einsatz gerade für dieses Kino?

Dies ist einfach das berühmteste und bedeutendste Kino Deutschlands. Es mag Multiplexe mit mehr Besuchern geben, aber mit Blick auf den Bekanntheitsgrad und die emotionale Bindung, die nicht nur Berliner zu diesem legendären Filmtheater haben, ist das schon einmalig. Wir haben das selbst bei den Bauarbeiten gemerkt: Jeder Bauarbeiter hat seine eigene Geschichte zu diesem Haus. Schon als ich in den 80er-Jahren in Berlin die Lupen und den Filmpalast übernommen hatte, habe ich Max Knapp, den Erbauer, überredet, mir sein Kino anzuvertrauen. Das hat anderthalb Jahre gedauert, bis er es mir 1989 überantwortet hat.

Sie wurden damals von der UCI-Kette überboten und mussten den Zoo Palast wieder aufgeben. Empfinden Sie Genugtuung, jetzt wieder Herr im Hause zu sein?

Nun, ich empfinde eine große Freude. Natürlich ist da auch eine enorme Verantwortung. Das hier ist kein Kiezkino oder irgendein neues Multiplex, sondern ein einzigartiges Haus mit Charakter. Nachdem ich bei Cinemaxx ausgeschieden bin, habe ich jetzt noch einmal die Möglichkeit zu zeigen, wo meiner Meinung nach die Zukunft des Kinos liegt. Die Aufgabe war, das Alte zu erhalten, die Seele zu bewahren, aber eben versehen mit neuester Technik und dem Komfort, der heute möglich ist. Wir wollen nicht nur retrospektiv den Charme erhalten, wir wollen die Geschichte des Hauses auch weiterschreiben.

Sie waren einst der große Kino-Neuerer mit Ihrer Cinemaxx-Kette. Hat sich das Multiplex inzwischen überholt, ist das Premium-Kino, das Sie nun vertreten, ein Gegenentwurf zu den Sälen für die Massen?

Überholt würde ich nicht sagen. Es ist eine Weiterentwicklung. Wir haben mit den Multiplexen damals die Schachtelkinos abgelöst, aus denen das Publikum in Scharen geflohen ist. Wir haben damit das jüngere Publikum erreicht. Aber die gucken sich Filme jetzt eher auf dem Computer an oder laden sie sich gar illegal im Internet herunter. Unsere Zielgruppe sind die etwas Älteren, die nicht nur den Film sehen, sondern den Kinobesuch als Erlebnis erfahren wollen. Bei der Astor-Filmlounge habe ich gelernt, dass es dafür ein großes Potenzial gibt.

Wann wissen Sie, ob Ihr neuer Zoo Palast angenommen, ob er ein Erfolg wird?

Das kann ich Ihnen genau sagen: am Donnerstag um 18 Uhr. Drei Stunden vorher laufen die ersten regulären Vorstellungen. Dem Kinobetreiber geht es wie einem Filmproduzenten bei einer Premiere: Bevor der Film angelaufen ist, haben Sie keine Vorstellung, ob es den Besuchern gefällt. Danach gibt es entweder Champagner oder Wodka.