Reaktionen

Berliner Unternehmen sind skeptisch

Debatte um die Pläne von Union und SPD. Starre Quote stößt auf Kritik

Die Einigung auf eine Frauenquote für die Führungsetagen börsennotierter Unternehmen kann auch in Berlin ansässige Firmen betreffen. Die Berliner Morgenpost hat bei wichtigen Arbeitgebern in der Hauptstadt nachgefragt, was sie vom neuen Plan der Koalitionäre in spe halten – und was sie bereits heute in Sachen Frauenförderung tun.

Beispiel Siemens: Der weltweit agierende Technologiekonzern beschäftigt am Berliner Standort 12.000 Menschen. „Wir wollen generell mehr Frauen auf allen Ebenen im Unternehmen haben“, sagte Sprecher Michael-Hans Friedrich. Er weise darauf hin, „dass wir bereits vor zwei Jahren eine Selbstverpflichtung unterschrieben haben, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“. „Ziel ist, bis Ende 2015 den Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland von zehn Prozent im Jahr 2011 auf zwölf bis 13 Prozent zu steigern. Ende September 2013 waren wir hier immerhin schon bei zwölf Prozent, also am unteren Ende dieses Korridors.“ Auch im Aufsichtsrat des Konzerns, der von der Vorgabe der großen Koalition betroffen wäre, sind heute fünf von 20 Mitgliedern Frauen, also 25 Prozent. Damit verfehlt die Firma die geplante 30-Prozent-Quote nur knapp. Grundsätzlich steht Siemens vor dem Problem, dass rund 70 Prozent aller Berufe im Konzern einen technischen Hintergrund haben. „Leider sind Frauen in diesen Berufen immer noch unterrepräsentiert“, so Friedrich.

„Es ist sehr bedauerlich, dass die Politik wieder einmal ein Thema regeln möchte, das im Deutschen Corporate-Governance-Kodex bereits hinreichend geregelt ist“, kritisiert Michael Preuß vom Pharma-Hersteller Bayer. Der Konzern wolle den Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 20 Prozent steigern. „Dieses Ziel soll bei der voraussichtlich im Jahr 2017 stattfindenden nächsten regulären Aufsichtsratswahl erreicht werden. Zurzeit gehören dem 20-köpfigen Gremium drei Frauen an – das sind 15 Prozent.“

„Das Thema Chancengleichheit – und damit verbunden auch das Thema ,Mehr Frauen in Führungspositionen‘ – hat für unser Haus sehr hohe Priorität“, sagte Alexander Schmid-Lossberg, Leiter des Geschäftsführungsbereichs Personal des Medienkonzerns Axel Springer, in dem die Berliner Morgenpost erscheint. „Bereits im Juni 2010 haben wir das Projekt ,Chancen:gleich‘ ins Leben gerufen und uns zum Ziel gesetzt, innerhalb von fünf bis acht Jahren konzernweit den Anteil von Frauen in Führungspositionen von damals 16 Prozent auf über 30 Prozent zu verdoppeln. Im Dezember 2012 lag der Anteil an Frauen in Führungspositionen konzernweit bei 27 Prozent. Eine starre Quote lehnen wir ab.“

Auch bei der Deutschen Bahn, die in Berlin mehr als 18.000 Beschäftigte hat, verweist man auf einen Vorstandsbeschluss, wonach bis 2015 der Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft von 22 auf 25 Prozent und der Anteil weiblicher Führungskräfte von 16 auf 20 Prozent steigen soll. Im Januar 2013 waren es bereits 17 Prozent. Eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote lehnt der Konzern jedoch ab. Im Aufsichtsrat des Unternehmens, als dessen alleiniger Aktionär die Bundesrepublik firmiert, gibt es unter 20 Mitgliedern lediglich eine Frau, nämlich Regina Rusch-Ziemba, die stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Auch in der Berliner Recyclinggruppe Alba gibt es keine Frauenquote. „Wer etwas bewegen möchte, der kann viel erreichen – egal ob Frau oder Mann. Eine spezielle Quote haben wir nicht, dennoch ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen vergleichsweise hoch“, so Sprecherin Eva-Maria Gaedigk. Auf der Ebene unterhalb von Vorstand und Aufsichtsrat betrage er 25 Prozent.