Kassensturz

Berlins Kardinal Woelki: Fürsprecher der Armen

Ist der Zeitpunkt purer Zufall? Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Mittwoch von der neuen Bundesregierung mehr Engagement gegen Armut gefordert. Alleinerziehende, Arbeitslose, Migranten und Familien mit drei oder mehr Kindern seien trotz mancher Verbesserungen vom Armutsrisiko bedroht, sagte der Vorsitzende der Caritas-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in Hildesheim. Vor allem müsse mehr in Bildung investiert werden; für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollten flexiblere Lösungen gefunden werden. Seelsorgekonzepte seien daraufhin zu überprüfen, ob sie offen für Notleidende seien. Nach den Worten Woelkis müssen sich auch die Bischöfe fragen, ob sie in ihrer Seelsorge liebevoll und aufmerksam mit den Menschen umgehen. „Wo reißen wir vielleicht auch Wunden auf? Was tun wir, damit Wunden heilen?“, so der Kardinal.

Diese Position passt ins Bild. Denn auch wenn sich der Berliner Bischof offiziell nicht äußern will: Woelkis Plädoyer fällt mitten in die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der wegen seines luxuriösen Lebensstils in der Kritik steht. Und die Caritas gehört möglicherweise zu den Leidtragenden. So hatte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Montag beklagt, dass das Spendenaufkommen für seine Organisation wegen des Skandals zurückgehe.

Kardinal auf dem Rad

Woelki pflegt zudem einen bescheideneren Lebensstil. Das Erzbistum Berlin umfasst neben Berlin auch weite Teile Brandenburgs sowie teilweise Mecklenburg-Vorpommerns. 395.000 Katholiken und 106 Pfarrgemeinden gehören zu Woelkis Wirkungsbereich, flächenmäßig ist es mit 31.200 Quadratmetern das zweitgrößte Bistum Deutschlands. Der 57-jährige gebürtige Kölner Woelki hat seinen Bischofssitz in Wedding im als Brennpunkt geltenden Soldiner Kiez. Seine Wohnung befindet sich im fünften Stock eines Altbauhauses mit vier Zimmern und einem Andachtsraum. In der ersten Etage des Hauses liegt Woelkis Büro. „Die Wohnung ist auch ganz normal eingerichtet. Da stehen keine besonderen Designermöbel. Herr Woelki hat ein Arbeitszimmer mit einem größenverstellbaren Schreibtisch, ein großes Bücherregal – eine Einrichtung, die sich aus älteren und neueren Möbeln zusammensetzt“, hatte sein Sprecher Stefan Fröner der Morgenpost gesagt. Einzig herausstechen würde das Esszimmer des Kardinals, das über eine lange Tafel verfüge: „Es ist sehr gastlich gehalten. Das passt schließlich auch zum christlichen Glauben, dass man sich viele Gäste zum Speisen einlädt.“

Woelki hat keine Bediensteten, außer einer Reinigungskraft auf Honorarbasis. In Berlin ist er viel mit der U-Bahn oder auch mit dem Rad unterwegs. Außerhalb Berlins nutzt er seinen 5er-BMW. Der Bischofssitz befindet sich regulär nicht in Wedding, sondern hinter der St.-Hedwigs-Kathedrale im Bernhard-Lichtenberg-Haus in Mitte. Beides ist sanierungsbedürftig.