Kassensturz

Deutschlands Bischöfe zählen ihr Geld

Kirchenfinanzen sind immer gut für Aha-Erlebnisse. Nicht erst seit Limburg. Vielmehr löst bei vielen Bürgern schon Erstaunen aus, dass mit dem Großteil der Kirchensteuern keineswegs Altenheime oder Krankenhäuser unterstützt werden. Vielmehr werden diese Einrichtungen genau wie kirchliche Kindergärten und Schulen überwiegend aus den Erstattungen der Sozialkassen oder der staatlichen Haushalte finanziert.

Zwar fließen da auch Kirchensteuermittel: Ein evangelischer Kindergarten wird zu 20 Prozent tatsächlich von der Kirche bezahlt. Den Rest aber tragen der Staat und die Eltern mit ihren Beiträgen. Und was an Kirchensteuern hereinkommt – 2012 bei den Katholiken 5,19 Milliarden Euro und bei den Protestanten 4,63 Milliarden –, wird nur zu einem kleinen Teil für allgemeine Sozialarbeit, zum größten Teil für kirchliches Personal und Gemeindearbeit verwandt.

Genauso wenig bekannt jedoch ist, dass der staatliche Einzug der Kirchensteuer von den Kirchen bezahlt werden muss. Je nach Jahr und Bundesland behält die staatliche Finanzverwaltung zwei bis vier Prozent des Kirchensteueraufkommens für sich. Apropos Staat: In Folge der Enteignungen bei der Säkularisation im 19. Jahrhundert überweisen 14 Bundesländer (außer Hamburg und Bremen) auf der Basis von Staat-Kirche-Verträgen den Kirchen immer noch millionenschwere Staatsleistungen. 2013 sind es insgesamt 481,4 Millionen Euro, wovon 279,4 Millionen Euro in die Haushalte der evangelischen Landeskirchen und 202 Millionen Euro in die der katholischen Bistümer fließen.

Doch ein spezielles Aha-Erlebnis bescheren nun sogar kirchlich gut Bewanderten die Baukosten im Limburger Bistum des Franz-Peter Tebartz-van Elst. Denn das Geld, das in Limburg reichlich ausgegeben wurde, stammt aus einer Einrichtung des Katholizismus, von der bisher nur wenige Leute konkretere Vorstellungen hatten. Es geht um den Bischöflichen Stuhl, dessen Finanzen in den meisten Bistümern von den Diözesanhaushalten getrennt sind.

Geheimnis Bischöflicher Stuhl

Um den Bischöflichen Stuhl ranken sich Legenden von schwarzen Kassen und undurchsichtigem Finanzgebaren. Dabei ist er, neutral betrachtet, erstens das Amt des Bischofs mit seiner Verwaltung und zweitens ein Rechtssubjekt, ein Vermögensträger und eine eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er ist steuerbefreit und speist sich aus Stiftungen, Spenden, Entschädigungen sowie Erträgen von Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien. Von außen, etwa aus der Kirchensteuer, fließen keine Gelder in diese Körperschaft hinein.

Die Erträge dienen dem Bischof zur Erfüllung seiner Aufgaben, nicht jedoch für private Zwecke. Gemäß dem Recht der Kirchen auf Selbstverwaltung sind die Oberhirten über Einkünfte und Ausgaben ihrer Stühle gegenüber dem Staat nicht zur Rechenschaft verpflichtet. Das Kirchenrecht schreibt jedoch vor, dass der Verwalter jeglichen kirchlichen Vermögens sein Amt mit der Sorgfalt eines guten Hausvaters zu erfüllen hat. In der Causa Limburg ergibt sich daraus eine der zentralen Anfragen an das Verhalten des Bischofs und seiner Vertrauensleute. Bis zur Stunde gibt es dort mehr Fragezeichen als beinharte Erkenntnisse.

Weil aber an den Bischöflichen Stühlen auch allgemein viele Fragezeichen kleben, haben nun in Reaktion auf die Limburger Affäre mehrere deutsche Bistümer begonnen oder zumindest in Aussicht gestellt, die Vermögensverhältnisse jener Institutionen offenzulegen. Das Ruhrbistum Essen ging dabei voran: „Unser Vermögen im Bischöflichen Stuhl beträgt rund zwei Millionen Euro. Davon sind 90 Prozent zweckgebundene Sondervermögen aus Erbschaften, die in die Priesterausbildung fließen müssen“, sagt ein Bistumssprecher. „Fest angelegt sind rund 188.000 Euro.“

Köln ist am reichsten

In der Erzdiözese Köln hingegen, die zu den reichsten der Welt gehört, umfasst der Erzbischöfliche Stuhl ein Vermögen von 166,2 Millionen Euro, davon sind 15,4 Millionen Euro Beteiligungen in der Wohnungswirtschaft, der Rest Immobilien, zum Teil in besten Lagen. Aus diesem Vermögen wurden im vergangenen Jahr fast zehn Millionen Euro Erträge erzielt. Sie sind in den Bistumshaushalt geflossen und dort ausgewiesen.

Die Bilanzsumme des Erzbischöflichen Stuhls von München-Freising beträgt 27,6 Millionen Euro. Darin sind laut Bistum alle Werte wie Immobilien und Geldvermögen enthalten. Die Bilanz werde einmal pro Jahr von einem externen Wirtschaftsprüfer testiert. Das erst 1995 gegründete Hamburger Erzbistum gibt sein Vermögen mit rund 35 Millionen Euro an. Dem stünden Verbindlichkeiten durch Kreditaufnahmen in Höhe von 8,2 Millionen Euro gegenüber. Von den 35 Millionen Euro sind 7,5 Millionen ungebunden. Der Rest liege in Beteiligungen an drei katholischen Krankenhäusern sowie in Rücklagen für fünf soziale Einrichtungen.

In Münster beläuft sich das Geldvermögen des Bischöflichen Stuhls auf 2,37 Millionen Euro. Hinzukommen laut Bistum Immobilien, die für dienstliche Zwecke der Diözese genutzt würden. Weit besser besser gestellt ist der Bischöfliche Stuhl im ältesten deutschen Bistum, Trier. Sein Vermögen aus Kapitalanlagen, Darlehensforderungen und Liquidität erreicht einen bilanziellen Wert von knapp 84 Millionen Euro. Dazu kommen 38 Gebäude, für die keine aktuelle Bewertung vorliegt. Die Erträge lagen 2012 nach Abzug der Kosten für Gebäudeunterhalt und anderen Aufwendungen bei rund einer Million Euro.

Speyer teilte mit, über 46,5 Millionen Euro zu verfügen, langfristig angelegtes Stammvermögen, das nicht angetastet werde. Die Erträge dienten kirchlichen und karitativen Zwecken. Aachen meldet 8,2 Millionen Euro, während es in Mainz nach Angaben des dortigen Bistums im Bischöflichen Stuhl kein Geldvermögen gibt, sondern nur „einige wenige“ Grundstücke sowie eine Beteiligung am Gemeinnützigen Siedlungswerk GSW. Erträge daraus fließen demnach direkt in den Haushalt des Bistums.

Nichts sagen will das Bistum Passau. Gefragt, ob man dort die Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls offenlegen wolle, sagte ein Sprecher: „Wir planen nichts derartiges.“ Zu Limburg werden 100 Millionen Euro kolportiert. Eine Bestätigung gibt es nicht. Gering oder gar nicht vorhanden sind in ostdeutschen Bistümern die Vermögen Bischöflicher Stühle, etwa in Dresden-Meißen oder Berlin (siehe nebenstehenden Text).

Entsprechend bescheiden lebt man als Bischof in Ostdeutschland: So bewohnt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem Haus, das der Kirche gehört, und fährt privat einen VW-Golf. Ganz anders ist es in den Gegenden katholischer Größe. Im Erzbistum München-Freising etwa verdient Kardinal Reinhard Marx monatlich 11.500 Euro (Besoldungsgruppe B 10) und nutzt als Dienstwagen BMW 730i, mit Chauffeur.

Zur Besoldungsgruppe B 8 gehören der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, sowie sein Nachbar in Rottenburg-Stuttgart, Bischof Gebhard Fürst. B 7 ist in Osnabrück Franz-Jose Bode, der in seinem Amtssitz mit insgesamt 1100 Quadratmetern eine 200-Quadratmeter-Dienstwohnung nutzt, wofür er im Monat 1100 Euro Kaltmiete zahlen muss – während Marx in München mietfrei wohnt.

Am Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen zeigt sich, dass große Wohnungen nicht unbedingt angenehm sein müssen. Es sei, so sagt er, für ihn „eine Zumutung“ auf 174 Quadratmetern Wohnfläche zu residieren. Das sei auch „nicht zeitgemäß“. Algermissen hätte lieber eine kleinere Dienstwohnung.