Bildungsstudie

Experten fordern Weiterbildung auch nach der Schulzeit

Heike Solga vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung interpretiert die Ergebnisse der PIAAC-Studie so: „Das Hauptproblem in Deutschland ist, dass wir früh aussortieren.“ Lebenslanges Lernen sei quasi ein Fremdwort. „Es gibt keine zweite Chance. Wer es in der Schule nicht gelernt hat, der wird es bei uns auch danach nicht lernen“, sagte Heike Solga der Berliner Morgenpost. „Das belegen die Zahlen aus der Studie eindrücklich.“ In Finnland oder Schweden sei es ganz normal, mit Mitte 20 noch eine Ausbildung zu machen oder mit 35 auszusteigen aus dem Beruf und noch einmal zu studieren. „Auch einfache Arbeiten werden komplizierter, je schneller der technologische Wandel voranschreitet“, so Solga. Betriebe und Volkshochschulen sollten zusammenarbeiten. Zudem sei es mit Blick auf den demografischen Wandel und die Engpässe am Arbeitsmarkt noch wichtiger, dass möglichst jeder in den Arbeitsmarkt eintreten kann.

Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg glaubt, dass viele Berufstätige ihre Schwächen kennen. „Die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, ist trotzdem häufig nur gering ausgeprägt“, sagte Svenja Hofert. Mit teils bitteren Folgen: Wer über Jahre versäumt hat, zum Beispiel im Internet am Ball zu bleiben, hat beim Verlust des Arbeitsplatzes mitunter große Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden. „Eine Weiterbildung pro Jahr, egal in welchem Bereich, sollte sich deshalb jeder Arbeitnehmer vornehmen.“

Ob jemand eine Weiterbildung braucht, kann er schnell herausfinden. Es reiche ein Blick in die Stellenanzeigen im eigenen Berufsbereich, so Hofert. Sind in dem Anforderungsprofil Qualifikationen enthalten, die ein Berufstätiger nicht hat, ist es Zeit für eine Weiterbildung. Idealerweise gebe auch der Chef regelmäßig Feedback dazu, wo die Schwächen des Arbeitnehmers liegen. „Wichtig ist, sich nicht über Jahre mit Halbwissen durchzuwurschteln, sondern aktiv zum Beispiel etwas an der eigenen Medienkompetenz zu tun“, riet Hofert.

Politik will gegensteuern

Nicht selten drücken Berufstätige sich jedoch auch deshalb vor einer Weiterbildung, weil gerade bei längeren Qualifizierungen – etwa einem Fernstudium – die Kosten sehr hoch sind. Vom Staat gibt es zwar zahlreiche Finanzierungshilfen für Weiterbildungen – darunter etwa Bildungsprämie, -gutschein und Aufstiegsstipendium. Teilweise richten sich diese Programme jedoch nur an bestimmte Zielgruppen wie Arbeitslose, oder es gibt andere Hürden wie Einkommensgrenzen. „Vielen bleibt nur, den Arbeitgeber um Unterstützung zu bitten“, erklärte Hofert. Für den sei ein Zuschuss zur Weiterbildung nicht selten günstiger als eine Gehaltserhöhung. Als Ersatz oder Ergänzung könnten Berufstätige zur Finanzierung auch einen zinsgünstigen Bildungskredit der staatlichen KfW-Förderbank in Betracht ziehen.

Die Staatssekretäre aus dem Bildungs- und Arbeitsministerium, Cornelia Quennet-Thielen und Gred Hoofe, kündigten i Hilfen für die Nachqualifizierung von Erwachsenen ohne Berufsabschluss an. In Deutschland haben 2,2, Millionen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren keine Berufsausbildung und sind auch nicht mehr in Fortbildung.