FDP

Bei der Bundestagswahl geht es um alles

Nach der Niederlage hofft die FDP auf die Zweitstimmenkampagne

Bayerns FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil hat es nicht geschafft. Darauf war Philipp Rösler vorbereitet. Wenige Minuten nachdem die ersten Hochrechnungen für die bayerischen Liberalen verkündet worden waren, trat der FDP-Chef in Berlin bereits vor seine Parteifreunde. „In Bayern ticken die Uhren anders“, sagte Rösler, krampfhaft um Optimismus bemüht. Natürlich, das Wahlergebnis sei eine schwere Niederlage. Aber nun gehe es darum, alle Kräfte für die Bundestagswahl in einer Woche zu mobilisieren: „Das ist ein Weckruf für alle Liberalen“, rief der Vizekanzler. „Ab jetzt geht es um Deutschland.“

Jetzt erst recht – diese Reaktion auf die Wahlniederlage haben sich die FDP-Strategen schon vor einigen Tagen ausgedacht. Denn dass der Acht-Prozent-Jubel aus dem Jahr 2008 in Bayern keine Wiederholung erfahren würde, das hatte die Partei im zähen Wahlkampf erahnen können. Die Regierungsbeteiligung hatte man intern längst abhakt, die Hoffnungen drehten sich aber noch um den Wiedereinzug in den Landtag. Doch auch der wurde nun verpasst, und zwar unerwartet deutlich. Damit sind die Freidemokraten im Freistaat wieder dort, wo sie schon von 1994 bis 2008 ihr Dasein fristeten: in der außerparlamentarischen Opposition. Klarer kann eine Regierungspartei eine Wahl nicht verlieren.

Trotz aller Vorhersehung: Dieser Wahlsonntag lässt die Nervosität vor der Bundestagswahl steigen. Die Hoffnungen ruhen nun auf einer massiven Zweitstimmenkampagne bei Unionswählern. Mit dem klaren Ausschluss einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen hat die Partei diesen Weg bereits geebnet. Nun will man zusätzlich die Furcht vor einem Linksruck schüren. Wenn die derzeitige schwarz-gelbe Koalition bei der Bundestagswahl keine Mehrheit bekomme, sagte Rösler, werde SPD-Chef Sigmar Gabriel „der mächtigste Mann in Deutschland“ – und könne entweder eine große Koalition nach seinen Bedingungen diktieren oder eine rot-rot-grüne Koalition eingehen.

Doch das reicht manchem in der Partei nicht: „Taktische Spielereien reichen jetzt nicht“, sagt etwa Wolfgang Kubicki, Präsidiumsmitglied und schleswig-holsteinischer Fraktionsvorsitzender. „Es ist nichts gegen eine Zweitstimmenkampagne einzuwenden, auch nichts gegen Absprachen mit der Union. Das allein wird aber nicht genügen. Inhaltliche Positionierungen müssen dazukommen – auch in Abgrenzung zur Union.“ Verkraften müssen die Liberalen selbst allerdings auch, dass ihre Serie von erfolgreichen Landtagswahlen zumindest vorerst beendet ist.