Syrien-Krise

Sicherung syrischer C-Waffen wäre knifflige Aufgabe

Sollte es tatsächlich zu einem Abkommen mit Syrien über die Kontrolle seines Chemiewaffenarsenals kommen, stehen die internationalen Inspektoren vor einer schwierigen Aufgabe mitten in einem Bürgerkrieg. Die Vernichtung der chemischen Kampfstoffe dürfte unter diesen Bedingungen Jahre dauern, sagen US-Regierungsvertreter und C-Waffen-Experten voraus. In Syrien werden große Bestände an Sarin, Senfgas und VX-Kampfstoffen vermutet. Das Land hat nie die moderne Chemiewaffenkonvention unterzeichnet, die die Entwicklung, Produktion und den Einsatz von C-Waffen untersagt. In der Vergangenheit war Syrien allerdings dem aus dem Jahr 1925 stammenden Genfer Protokoll beigetreten, das den Einsatz von Chemiewaffen verbietet.

Sämtliche syrischen C-Waffen sicherzustellen, die über Dutzende Orte im ganzen Land verteilt sein sollen, wäre eine ebenso schwierige Herausforderung wie der Schutz der Inspektoren vor Gewalt. „Das ist eine nette Idee, aber sehr schwierig umzusetzen“, sagt ein US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben will. „Da tobt ein brutaler Bürgerkrieg, in dem das syrische Regime sein eigenes Volk massakriert. Glaubt irgendjemand, dass die das Morden plötzlich einstellen, damit die Inspektoren freie Bahn haben, um all ihre Chemiewaffen zu sichern und zu zerstören?“

Anlagen werden verschoben

Die Sicherung des syrischen C-Waffen-Arsenals werde auch dadurch erschwert, dass es an harten Fakten mangele, gibt die ABC-Waffenexpertin Amy Smithson vom James-Martin-Zentrum für die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen in Washington zu bedenken. So verweist sie auf das jahrelange Katz-und-Maus-Spiel im benachbarten Irak zwischen den UN-Inspektoren und dem damaligen Präsidenten Saddam Hussein. „Die Iraker haben nur gelogen – sie haben alles getan, um ihre supergeheimen Waffenprogramme zu verbergen“, sagt Smithson. „Auch Libyen hat nicht vollständig reinen Tisch gemacht, als es sein Programm für den Bau von Massenvernichtungswaffen einstellte.“

Dem syrischen Zentrum für wissenschaftliche Studien und Forschung unterstehen nach Angaben des US-Zentrums für Strategische und Internationale Studien C-Waffen-Anlagen in Dumair, Chan Abu, Schamat und Firaklus. Die meisten chemischen Waffen seien in alawitische Gebiete in Latakia und an die Küste transportiert worden, berichtete der desertierte syrische Brigadegeneral Mustafa al-Scheich im Sommer. Ein Teil der chemischen Munition sei allerdings auf Stützpunkten in der Umgebung der Hauptstadt Damaskus verblieben. Die USA beobachten schon seit vergangenem Jahr, wie Syrien seine Chemiewaffen im Land verschiebt. Generalstabschef Martin Dempsey sagte vergangene Woche, er gehe davon aus, dass die Regierungstruppen dies täten, um die Waffen zu sichern.