IFA

Noch schärfer, noch schneller, noch vernetzter

Funkausstellung: Am Freitag startet die 53. Messe der Unterhaltungselektronik. Die Berliner Morgenpost stellt die sechs wichtigsten Trends vor

Auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin zeigen die Hersteller von Unterhaltungselektronik von Freitag bis Mittwoch, was sie können. Dabei wird die Möglichkeit, alles mit allem zu verbinden, zunehmend wichtiger. Fernseher werden smart, scharf und rund – und sind im Internet. Die Fernbedienung steuert nicht mehr nur das TV-Programm, sie gibt auch der Waschmaschine Befehle. Smartphones werden größer und heißen dann Phablets, eine Wortkreation aus Phone und Tablet. Wer es kleiner mag, braucht eine Smartwatch. Die Berliner Morgenpost hat die wichtigsten Ifa-Trends zusammengestellt.

Schärfer als das Auge glaubt

Von 3D-Fernsehen wird man auf dieser Ifa vergleichsweise wenig sehen. Die Unternehmen Hisense, Sony, Toshiba, LG und Samsung zeigen Fernseher, die vier Mal höher auflösen als bisherige HD-Geräte. Um genau zu sein: Sie zeigen auf ihren Bildschirmen 3840 mal 2160 Bildpunkte – und nennen das Ultra High Definition (UHD). Nicht nur die Schärfe, auch die Farbbrillanz soll besser sein als bei bisherigen Fernsehern. Ihre Stärke spielen UHD-Geräte vor allem aus, wenn sie groß sind. Unter 1,4 Meter Bilddiagonale hat das wenig Sinn. Besser sind 84 Zoll, also 2,13 Meter. Wer das Standpersonal in Verlegenheit bringen will, fragt einfach, woher die Inhalte in dieser Auflösung kommen sollen. Es gibt nur wenige Filme in 4K-Auflösung (4K steht für 4000 Bildpunkte in der Breite). Und TV-Sender strahlen in dieser Auflösung schon gar nicht aus. Bei den Kosten für Ultra-HD-Fernseher wurden Preise jenseits von 4000 Euro genannt. Doch Hisense will ein Gerät zeigen, das nur halb so viel kostet. Auch Samsung hat Andeutungen gemacht, etwas günstigeres anzubieten.

Gebogen, nicht gestreckt

Oled ist bekannt für tolle Farben und echtes Schwarz. Die Buchstaben stehen für Organic Light-Emitting Diode und bezeichnen Organische Leuchtdioden. Oled-Bildschirme können äußerst dünn gebaut werden, da sie keine Hintergrundbeleuchtung benötigen. Dafür liefern sie sehr hohe Kontrastwerte. Die Hersteller haben ihre Oled-Technologie schon im vergangenen Jahr auf der Ifa gezeigt. In diesem Jahr sind bei LG und Samsung sogar nach hinten gewölbte Fernseher zu sehen, was mit bisherigen Displays nicht möglich war. Das „Curved TV" soll den Eindruck vermitteln, der Zuschauer werde umschlossen. Ein Effekt, der sich aus drei Metern Entfernung nur bedingt einstellt. Die Geräte kommen für 9000 Euro in den Handel.

Jeder darf bestimmen

Der südkoreanische Hersteller Samsung hat seinem Curved TV noch eine weitere Funktion verpasst: Multi View. Eine echte – wenn auch vielleicht nicht breitentaugliche – Innovation. Auf diese Weise können zwei Zuschauer bildschirmfüllend zwei unterschiedliche Programme sehen. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich eine Brille aufsetzen, die dafür sorgt, dass jeder nur seine Sendung sieht. Das funktioniert sowohl hochauflösend als auch in 3D. Multi View wäre hilfreich, wenn sich Paare nicht auf ein Programm einigen können. Die Brillen sind mit Ohrhörern versehen, damit niemand den Ton seines Nachbarn hören muss. Bislang wurde diese Technologie vor allem für Videospieler gezeigt, die beim Autorennen gegeneinander antreten, sich aber dafür nicht den Bildschirm teilen müssen.

Es ist ein Phablet

Dass die Ifa weltweit an Bedeutung gewinnt, zeigen auch die Neuvorstellungen von Produkten der Smartphone-Hersteller. So wird Samsung die Bühne nutzen, um sein Note III vorzustellen. Die Kategorie zwischen Smartphone und Tablet heißt Phablet, das Display ist fast 5,7 Zoll groß sein und wird die Auflösung eines HD-Fernsehers haben. Sony zeigt sein nächstes Xperia Smartphone, das bisher den Code-Namen Honami trägt. Außerdem soll es neue Objektive geben, die an Smartphones angesteckt werden können. Mit ihnen sollen sich deutlich bessere Aufnahmen machen lassen, als mit bisherigen Handys.

Einfacher smart fernsehen

In 34 Prozent der deutschen Haushalte – 14 Millionen – steht ein Smart-TV-Gerät. Hier sehen die Hersteller noch Marktpotenzial. Zumal nur knapp 60 Prozent der Nutzer das Gerät mit dem Internet verbunden haben und somit alle Funktionen verwenden können. Das heißt: Nur jeder fünfte Deutsche kann über seinen Fernseher auf Web-Inhalte sowie auf Filme von Mediatheken oder Online-Videotheken zugreifen.

Das hat vor allem einen Grund: Die Bedienung war bislang zu kompliziert. Das aber wird sich mit den auf der Ifa präsentierten, neuen Modellen ändern. Viele Smart-TVs bieten inzwischen einen Bereich, in dem nur noch eines läuft: Fernsehen. Der ganze Rest, einschließlich der Apps, ist unter einem anderen Menüpunkt zu finden. Auch können Zuschauer bei fast allen neuen Fernsehern bestimmen, wie der Startbildschirm aussehen soll, bei Samsung-Modellen übernimmt sogar eine lernfähige Software die Sortierung. Damit sind zum Beispiel die am häufigsten eingeschalteten TV-Sender leichter zugänglich als andere. Den meisten neuen Smart-TVs liegt eine gesonderte Fernbedienung bei. Einfacher als bisher ist es bei vielen Smart-TVs außerdem, sich TV-Inhalte auf andere Bildschirme zu holen. Während zum Beispiel am Sonntagabend der „Tatort“ auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer zu sehen ist, lässt sich die Schnulze im ZDF per Tablet mit ins Schlafzimmer nehmen.

Digitalisierung des Haushalts

Den Haushaltsgeräte-Herstellern scheinen auf der Ifa 2013 die Ideen auszugehen: Viele der vorgestellten Innovationen lassen die Frage nach der Alltagstauglichkeit aufkommen, manche Innovation gab es so ähnlich auch schon im vergangenen Jahr und im Jahr davor. Etwa die Internetverbindung um jeden Preis, egal ob sinnvoll oder eher nicht. Die Haushaltsgeräte-Hersteller starten den nächsten Versuch, den Kunden Waschmaschinen und Kühlschränke mit Onlinezugang schmackhaft zu machen. Dazu greifen sie auf Smartphone-Apps zurück. Da die Zielgruppe mit dem Smartphone eine Art Universalfernbedienung bereits in der Tasche hat, soll der Online-Zugang endlich mehr als bloß Marketing werden: Samsung etwa erlaubt seinen Kunden, die Waschmaschine mit dem unmerkbaren Namen WF-12F9E6P4W per App fernzusteuern. Das Smartphone-Programm zeigt zudem live, wie lange das Gerät für einen Waschgang noch benötigt, und schickt einen Alarm, wenn die Maschine fertig gewaschen hat. Dumm nur, dass viele Haushalte die Waschmaschine in den Keller verbannen, mit entsprechend schlechter Funknetzanbindung. Diverse Hersteller integrieren Wartungsprogramme in ihre Geräte, und erlauben so die Ferndiagnose von Fehlern per App.

AEG und Dyson versuchen sich einmal mehr an der Revolution des Staubsaugens: Dyson will mit diversen neuen Modellen die Saugerei noch effizienter machen. AEG zeigt ein beutelloses Gerät, dass den eingesaugten Dreck zu einem Brikett presst – so soll der Staub beim Entleeren nicht gleich wieder verteilt werden. Panasonic präsentiert infrarotgesteuerte Induktions-Kochfelder und Siemens einen Solarwärme-Wäschetrockner. Den gab es schon vergangenen Jahr zu sehen, nun ist er marktreif.