Syrienkonflikt

Russland zweifelt an Beweisen für Giftgaseinsatz

Russland lehnt eine militärische Operation in Syrien weiter ab und bezweifelt, dass das Giftgas durch die Regierungstruppen eingesetzt wurde.

Am Dienstagabend teilte US-Außenminister John Kerry seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Telefon mit, dass die USA über Informationen aus zuverlässigen Quellen verfügen, die auf die Schuld der syrischen Regierung beim Einsatz von Chemiewaffen hinwiesen. „Lawrow hat eine solche Fragestellung zurückgewiesen und entsprechende Argumente der russischen Seite genannt“, teilte das russische Außenministerium mit.

Am Mittwoch sprach Lawrow ebenfalls am Telefon mit Lakhdar Brahimi, dem Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien. „Gewalt würde zu einer weiteren Destabilisierung im Land und in der Region führen“, warnte Lawrow laut dem russischen Außenministerium. Es gebe keine Alternative zu einer diplomatischen Lösung. „In diesem kritischen Moment dürfen alle Seiten, auch die externen Mächte, keine Fehler der Vergangenheit wiederholen.“

Der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow verglich die Situation in Syrien mit der Nato-Operation in Serbien und mit dem Irak-Krieg. Wie auch in diesen Fällen habe er Zweifel an den Beweisen der USA. Tschischow deutete darauf hin, dass die Aufständischen Chemiewaffen eingesetzt haben könnten. „Heute führen die Rebellen Chemiewaffen nach Syrien ein – woher, kann man nur raten“, sagte er. „Ich hoffe, dass die europäischen Staatschefs klug genug sind, um keine massiven Waffenlieferungen nach Syrien zu starten“, fuhr Tschischow fort.

Am Dienstag begann Russland, seine Staatsbürger aus Syrien zu evakuieren. Maschinen des Zivilschutzes fliegen mit Hilfsgütern in die Stadt Latakia und holen Menschen ab. Am ersten Tag wurden 89 Staatsbürger aus Russland, Weißrussland und der Ukraine nach Moskau gebracht, am Mittwoch folgten weitere 27.

Der russische Generalstab beobachte unterdessen ständig die Situation im Mittelmeer mithilfe von Satellitensystemen. Dabei hätten die russischen Streitkräfte nicht vor, eine Militäroperation zu verhindern oder sich in den Konflikt in Syrien einzumischen, teilte die Nachrichtenagentur „Interfax“ mit.