Internet-Telefonie

1332 Kilometer von Berlin nach Kiew überwinden

Es war ein Freitagabend, als meine Mutter und ich kürzlich geskypt haben. Sie erzählte mir, was sie zum Abendessen gekocht hat, im Hintergrund sah ich unseren Esstisch mit den beschriebenen Speisen.

Wir stießen an, beide mit Weingläsern, die natürlich keinen Klang ergeben konnten. Aber plötzlich war es nur der Bildschirm, der uns voneinander getrennt hat, und keine 1332 Kilometer zwischen Berlin und Kiew mehr.

Dann kam mein Vater dazu und ein paar Gäste, die meine Eltern an dem Abend besucht hatten. Sie fragten mich über Berlin aus, unterbrachen einander ständig, wie das auch sonst oft geschieht. Es war also kein informatives Gespräch, aber alle Teilnehmer hatten definitiv das Gefühl, als wäre ich bei ihnen gewesen. Zumindest für eine kurze Zeit.

Seit fünf Jahren skype ich ein, zwei Mal die Woche mit meinen Eltern. Meine Mutter sagt oft, ohne Skype, ohne mich zu sehen, würde sie diese Distanz nicht aushalten können. In dem Moment, wenn wir uns und unsere Umgebung dank der Kamera beobachten, kommen wir uns näher. Immer wieder kehre ich durch diese Skype-Treffen in die Wohnung zurück, in der ich aufgewachsen bin. Und auch meine Eltern, die so neugierig auf mein Leben im Ausland sind, können dank Skype ein bisschen daran teilnehmen. So zeige ich ihnen gerne meine neuen Möbel und Klamotten, und wenn der Sommer erst wieder richtig in der Stadt zurück ist, werde ich sicher die Kamera aus dem Fenster heraushalten, um ihnen meine Straße zu zeigen. Skype hat unsere Sehnsuchtsgefühle verringert. Und deswegen sind auch unsere Treffen im realen Leben anders geworden.

Es ist nicht so, dass wir uns weniger freuen, wenn wir uns zwei, manchmal drei Mal im Jahr sehen. Nein, wir freuen uns sehr. Aber vielleicht müssen wir dann weniger Distanz überwinden, als es früher ohne die Skype-Kommunikation der Fall war. Wenn wir uns dann tatsächlich treffen, brauchen wir keine Alltagsgespräche mehr zu führen, dann können wir gleich ernst über unsere Gefühle oder Probleme reden. Gerade dafür sind nach wie vor die persönlichen Gespräche am besten geeignet. Umarmen, in die Augen schauen und letztendlich richtig mit Wein anstoßen – das geht per Skype leider nicht.