Stadtplanung

Die Früchte der Umzugsdebatte

Jetzt kann die Stadt zukunftsfähige Ausstellungskonzepte erarbeiten

Bei der Debatte über den möglichen Umzug der Alten Meister lassen sich zwei positive Effekte feststellen: Zum einen scheint – als Ergebnis der ursprünglich anders intendierten Machbarkeitsstudie – die Existenz eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhundert als realistische Option am Berliner Horizont auf. Zum anderen ist in den vergangenen zwölf Monaten wohl so intensiv wie nie zuvor über adäquate und zeitgemäße Präsentationsformen von Kunst nachgedacht und diskutiert worden.

Dass ein Umzug der Alten Meister an die Museumsinsel aus Kostengründen derzeit politisch nicht durchsetzbar ist, kann man zu Recht bedauern. Der Wunsch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach einer dauerhaften räumlichen Verflechtung der Gemäldegalerie mit der Skulpturensammlung im Bode-Museum ist nun in weite Ferne gerückt. Das damit verbundene Ausstellungskonzept – die vermischte Präsentation von Malerei und Skulptur –, das Wilhelm von Bode in Berlin schon Anfang des 20. Jahrhunderts erprobte, bleibt jedoch weiterhin ein Weg für die Zukunft. Das hat nicht nur das Symposium gezeigt, bei dem sich Februar im Bode-Museum internationale Fachleute versammelten.

Wer das seit April wiedereröffnete Rijksmuseum in Amsterdam besucht, der staunt, wie an vielen Stellen die Gattungen gekonnt miteinander kommunizieren – in den Kellergewölben etwa, wo Werke der niederländischen Gotik gezeigt werden. In anderen Räumen sind gleichsam unterhaltsame wie lehrreiche Themenkabinette zum bürgerlichen Selbstbild der Niederländer im Barock oder zur berüchtigten holländischen Trunkenheit entstanden. Auch im Metropolitan Museum in New York hält man sich an die Erkenntnis, dass die Kunst zumindest teilweise im Kontext ihrer Entstehung gezeigt werden sollte.

Im Bode-Museum wird das Zusammenspiel von Malerei und Skulptur zum Teil schon praktiziert: So wird im Obergeschoss einer emotional trauernden Marienfigur, um 1420 in den Niederlanden geschnitzt, zum Vergleich eine 1540 auf Eichenholz gemalte „Kreuzabnahme Christi“ von Michiel Coxcie gegenübergestellt. Allerdings ist Coxcies Darstellung nur die Kopie eines Werks von Rogier van der Weyden. Man müsse künftig bei der Zusammenstellung häufiger bedeutende Originale der Gemäldegalerie aufbieten, fordert deren Chef Bernd Lindemann. Recht hat er: Denn sollten spätere Generationen von Direktoren und Politkern doch die Museumsrochade ermöglichen, hat man in der Zwischenzeit das passende zukunftsfähige Ausstellungskonzept erarbeiten können.