Ratgeber

Vorsicht, Hitzschlag!

Gefährdet sind vor allem Ältere und Sportler. Trinken, Vitamin C und leichte Kleidung schützen

Besonders gefährdet bei Sommerhitze sind Menschen im höheren Alter: Ihr Körper kann sich nicht mehr so gut dem Wärmestress anpassen. Doch mit relativ einfachen Mitteln lässt sich das Risiko von Hitzeschäden deutlich reduzieren. Der Mensch verfügt über mehrere Mechanismen zum Schutz vor großer Hitze. So öffnen sich bei hohen Temperaturen die Hautblutgefäße, sodass mehr Blut aus dem Körperkern zum Abkühlen an die Körperoberfläche gelangt. Außerdem wird Wärme abgeatmet.

Doch die Blut-Lungen-Kühlung funktioniert bei älteren Menschen nur noch eingeschränkt – aufgrund der nachlassenden Funktionsfähigkeit von Herz, Kreislauf und Atemsystem. Und bei Temperaturen von über 35 Grad funktioniert sie generell nicht mehr, weil dann kaum noch ein Unterschied zur Körpertemperatur besteht. Dann bleibt nur noch das Schwitzen als Möglichkeit, Wärme abzugeben.

Doch auch dies funktioniert bei Senioren nur noch mäßig. Die Zahl ihrer Schweißdrüsen ist begrenzt, und diese brauchen zudem Wasser, das in einem älteren Körper nur noch wenig kursiert, was vor allem am nachlassenden Durstgefühl liegt. Alterstypische Erkrankungen wie die Demenz sowie Medikamente wie wassertreibende Blutdrucksenker können das Überhitzungsrisiko weiter erhöhen. Besonders gefährdet sind Patienten, die Antidepressiva einnehmen – denn diese Mittel hemmen oft die Arbeit der Schweißdrüsen.

Kinder stecken Hitze noch relativ gut weg. Im Verhältnis zum Körpervolumen verfügen sie über eine relativ große Hautoberfläche, durch die sie Wärme abgeben können. Und ihr Körper enthält genügend Wasser für den Schweiß. Dennoch sollte man ihre Hitzeanpassung nicht überschätzen – und vor allem die Temperaturen in ihrer Umgebung nicht unterschätzen.

Zur Vorbeugung von Hitzschlägen gehört, dass man sich Zeit zur Gewöhnung an die hohen Umgebungstemperaturen nimmt. In dieser Zeit sollte man sich möglichst im Schatten oder in klimatisierten Räumen aufhalten, und schweißtreibenden Sport sollte man in jedem Fall vermeiden. Selbst dann, wenn man gut trainiert ist. Forscher konnten nachweisen, dass ausgerechnet Leistungssportler anfällig für Hitzschläge sind, nämlich aufgrund ihres gestressten, besonders stark zu Entzündungen neigenden Immunsystems, das eine Hitzereaktion schnell bis zur lebensbedrohlichen Krise hochschaukeln kann.

Kühle, aber keinesfalls eiskalte Getränke unterstützen die natürlichen Hitzereaktionen des Körpers. Es reicht in der Regel, zwei Liter pro Tag zu trinken. Größere Mengen können bei herz- und nierenkranken Senioren sogar zu Problemen führen – etwa einem Lungenödem. Optimales Sommergetränk ist eine Mischung aus drei bis vier Teilen Mineralwasser und einem Teil Fruchtsaft.

Auch Obst stützt den Flüssigkeitshaushalt. Es enthält etwa bis zu 90 Prozent Wasser, und dass selbst Roggenbrot fast 50 Prozent Wasser enthält, kann man spüren, wenn man dessen frisch geschnittene Scheiben betastet. Fisch, Schweineschnitzel und Rinderhack haben sogar mehr als 70 Prozent.

Vitamin C unterstützt die hormonelle Anpassung an die Hitze und sollte reichlich im Speiseplan vorkommen. Die notwendigen Dosierungen liegen bei 250 Milligramm pro Tag, das ist das Dreifache des sonstigen Tagesbedarfs. Solche Mengen lassen sich auch über Obst und Gemüse erzielen, eine Kiwi enthält bereits 70 Milligramm Vitamin C.

Auch Kleidung kann zum Hitzeschutz beitragen. Kurze Hemden sind besser als Krawatten-Look mit Sakko und Röcke besser als Hosen. Synthetische Textilien haben den Vorteil, dass sie den Schweiß optimal zur Verdunstung an die Umwelt weiterleiten. Dadurch kann der Körper besser „abdampfen“ als unter halbsynthetischen, wollenen oder anderen aufsaugenden Materialien.

Auf keinen Fall sollte man sich ganz ausziehen. Nackte haben bis zu zweimal höhere Schweißraten. Ihre Akklimatisation ist schlechter, weil sie nicht vor Sonnenstrahlen geschützt sind. Außerdem wirkt ein schweißnasses T-Shirt wie ein kühlend-nasses Tuch, während Schweißtropfen auf nackter Haut zu schnell verdampfen, um zu kühlen.