Umwelt

Ungetrübter Badespaß

See-Test: ADAC prüft deutschlandweit 65 Badestellen und stuft zehn als bedenklich ein. Doch das Landesamt hält Baden in Berlin für unbedenklich

Strahlendes Sommerwetter, Temperaturen über 30 Grad und Ferienzeit in Berlin. Da sehnen sich viele, die in diesem Jahr den Urlaub daheim verbringen, nach Abkühlung im Badesee. Glaubt man dem ADAC, sollten die Berliner in diesen Hitzetagen am besten in Brandenburger Seen springen – und einige der eigenen Badegewässer meiden. Gerade das Wasser im Strandbad Müggelsee sei zumindest im Uferbereich „bedenklich“ hoch mit Keimen belastet, wie der am Dienstag veröffentlichte ADAC-Badegewässertest ergab. 41 kleinere Seen in der Nähe von zwölf Großstädten wurden dabei überprüft. Eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin gab aber Entwarnung. „Die Werte im Müggelsee liegen im grünen Bereich“, sagte sie am Dienstag.

Etwa jede siebte Messstelle lieferte bei den ADAC-Messungen bedenkliche Keimkonzentrationen im ufernahen Flachwasser. Von 65 Stellen bekamen zehn die Bewertung „bedenklich“. 18 Messpunkte wurden mit „ausreichend“ bewertet, 17schnitten „gut“ ab und 20 sogar „sehr gut“. Dabei lagen die Großräume Leipzig und Frankfurt am Main vorn: Hier wurden fünf beziehungsweise vier von sechs getesteten Gewässern mit „sehr gut“ bewertet.

Insgesamt sechs Berliner Badestellen nahm der ADAC ins Visier. Dabei erhielt die Krumme Lange (Nordufer) die Bewertung „sehr gut“. Das Strandbad Friedrichshagen (Großer Müggelsee) und das Strandbad Wannsee Mitte (Großer Wannsee) erhielten „gut“. Die Badestelle Südufer der Krummen Lanke und das Strandbad Wannsee Süd erhielten ein „ausreichend“. Die Wasserqualität im Strandbad Müggelsee (Großer Müggelsee) stuften die ADAC-Tester als „bedenklich“ ein. Allerdings basieren die aktuellen ADAC-Bewertungen auf drei Messungen aus dem Vorjahr sowie einer Probenentnahme vom 16. Mai 2013.

Mehr Aussagekraft über die aktuelle Wasserqualität an den insgesamt 38 Berliner Badestellen liefern die regelmäßigen Messungen des LaGeSo unter www.berlin.de/lageso. In allen Gewässern der Hauptstadt werden dafür alle zwei Wochen Proben entnommen, um die Wasserbelastung durch Bakterien und Algen zu messen. Die Tester des Landesamtes stufen derzeit 36 der 38 Badestellen als „zum Baden geeignet“ ein. An zwei Badestellen – Grunewaldturm (Charlottenburg-Wilmersdorf) und Kleine Badewiese (Spandau) wird lediglich „vom Baden abgeraten“.

Neben der Belastung mit Keimen liefert das LaGeSo auch Angaben über die Sichttiefe an den jeweiligen Badestellen. Da schneiden im Moment der Groß Glienicker See in Spandau (mehr als 3,60 Meter), der Schlachtensee in Steglitz-Zehlendorf (drei Meter) sowie der Tegeler See gegenüber Scharfenberg (2,90 Meter) am besten ab.

Die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten ADAC-Testreihe sieht man beim LaGeSo kritisch. „Da diese Werte im Flachwasser an der Badestelle gemessen wurden, lässt sich die Repräsentativität der Testreihe anzweifeln“, sagte LaGeSo-Sprecher Jörn Hube. An flachen Stellen sei die Verunreinigung natürlich deutlich höher, Kinder spielten im Wasser, sinnvolle Werte erhalte man dort nicht. Um aussagekräftig zu sein, müssten die Proben 30 Zentimeter unter der Wasseroberfläche im mindestens einen Meter tiefen Teil eines Gewässers entnommen werden, so Hube weiter.

Messtiefe ist entscheidend

Der ADAC misst, anders als Umweltbundesamt und EU, nicht im einen Meter tiefen Wasser, sondern an ausgewiesenen Badegewässern im flachen Wasser bis 30 Zentimeter Tiefe. „Der Fokus liegt auf den kleinen Badegästen“, sagte Testleiter Nicolas Adunka. Der Test zeige, dass der vor allem von Kindern genutzte Bereich stärker mit gesundheitsgefährdenden Keimen belastet ist, als die Ergebnisse der EU vermuten lassen.

Die Seen in Brandenburg wurden in der ADAC-Studie zwar nicht untersucht, das Landesumweltamt bescheinigte den Badestellen im Land jedoch eine ausgezeichnete Wasserqualität. Lediglich ein See erhielt die Bewertung „gut“. Die Einstufung fasst die Ergebnisse aus den Jahren 2009 bis 2012 zusammen.

Mit den weiter sommerlich-heißen Temperaturen vermehren sich in Brandenburgs Badeseen jedoch teils giftige Blaualgen. „Bislang ist das kein ernsthaften Problem“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Dienstag. „Wir erwarten aber eine Zunahme.“ Messungen hätten bisher einen leichten Anstieg der Blaualgen-Konzentration im Rangsdorfer See südlich von Berlin und im Großen und Kleinen Wentowsee im Landkreis Oberhavel ergeben. Gefahr für Badende bestehe aber nicht.

Die Gewinner des deutschlandweiten ADAC-Badegewässertests waren unter anderem das Strandbad am Langener Waldsee bei Frankfurt/Main, das Nordufer des Lußsees in München sowie das Nordufer des Ammelshainer Sees, das Ostufer des Cospudener Sees und das Strandbad im Kulkwitzer See, die alle in der Nähe von Leipzig liegen. Testverlierer mit der Note „bedenklich“ und der vergleichsweise höchsten Keimbelastung war die Messstelle am Südufer des Elfrather Badesees in Krefeld.

Gesucht wurden nach den Keimen Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Die Keime gelten als sogenannte Indikator-Keime, die zwar auch krank machen können, vor allem aber Aufschluss über weitere gefährlichere Krankheitserreger fäkaler Herkunft im Wasser geben. Je höher die Konzentrationen sind, desto größer ist das Risiko, etwa an Durchfall zu erkranken. Auch Hautausschläge sowie Entzündungen von Ohr und Auge seien möglich. Eltern sollten jedoch unbedingt darauf achten, dass vor allem Kleinkinder kein Wasser schluckten.