Serie: Spitzengespräche

Claudia Roth: Ihr Thema sind die Menschenrechte

Sicher ist es ein Karriereknick gewesen, als Claudia Roth 2012 bei der Kür der Grünen-Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl gegen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt verlor.

Und die 58-jährige Tochter eines Zahnarztes und einer Lehrerin machte auch gar nicht erst ein Geheimnis daraus, wie sehr ihr das Ergebnis des Mitgliederentscheids zusetzte. Doch mit ihrem „Abonnement“ auf den Vorsitz (2001–2002 und ununterbrochen seit 2004) ist Claudia Roth das prägende Gesicht der Grünen.

Geboren in Ulm, wuchs Roth im schwäbischen Babenhausen auf. Die temperamentvolle Politikerin, heute klar auf dem linken Parteiflügel zu verorten, war in den frühen 70er-Jahren sogar einmal Mitglied der FDP-Jugendorganisation. Sie absolvierte eine Ausbildung als Dramaturgin, bevor sie 1982 begann, die Band Ton Steine Scherben zu managen. 1985 trat Roth dann den Grünen bei, war bis 1989 Sprecherin der Bundestagsfraktion. Es folgte eine lange Phase als Mitglied des Europäischen Parlaments, wo sie Mitglied des Türkei-Ausschusses war. Mit dem Machtwechsel in Bonn 1998 kam die Fußballbegeisterte, die auch Mitglied bei Hertha BSC ist, in den Bundestag und wurde in der Folge nicht nur Grünen-Chefin, sondern auch Menschrechtsbeauftragte der rot-grünen Bundesregierung – ihr großes Thema.

Die Wahl-Charlottenburgerin pflegt seit ihrer Jugend Kontakte in die Türkei. Zuletzt sorgte Claudia Roth für Schlagzeilen, als sie bei der Räumung des Gezi-Parks in Istanbul mit Tränengas beschossen wurde. Dort hatten Demonstranten gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan protestiert. Gegen den Rapper Bushido, der in einem jetzt indizierten Song gegen Minderheiten, Politiker und auch gegen sie persönlich hetzt, will Roth keine Anzeige erstatten.