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Reaktion des Betreibers

Erste Konsequenzen Brandenburg hat für die Haasenburg-Heime einen vorläufigen Aufnahmestopp verhängt. Zudem wurden drei Mitarbeiter suspendiert. Bis zur Klärung der Misshandlungsvorwürfe dürfen sie wegen einer möglichen Kindeswohlgefährdung vorerst nicht mehr in den Einrichtungen arbeiten. Eine von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) eingesetzte Kommission soll die Vorwürfe aufklären. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus in mindestens acht Fällen. Berlin und Hamburg wollten von sich aus keine weiteren Kinder mehr in die Haasenburg bringen. In den drei Heimen in Jessern und Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) sowie Müncheberg (Märkisch-Oderland) sind nach Angaben des Betreibers derzeit 79 Kinder und Jugendliche aus 14 Bundesländern untergebracht.

Kritik des Betreibers Die Haasenburg GmbH hat den Belegungsstopp kritisiert. Für ein Verbot von Neuaufnahmen gebe es derzeit „keine Grundlage“, so Sprecher Hinrich Bernzen. Es sei davon auszugehen, dass „die Vorwürfe in sich zusammenfallen“. In einem offenen Brief griff das Unternehmen das Ministerium an. Dies habe in einer Pressemitteilung den „Belegungsstopp“ und ein „Beschäftigungsverbot“ für einzelne Mitarbeiter angekündigt. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfinden diese Form von öffentlichen Verlautbarungen als Vorverurteilung auf Druck der Presse“, heißt es im Brief. Sie seien enttäuscht und fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen. Denn diese seien „immer und zu jedem Zeitpunkt über die Geschehnisse in den Einrichtungen informiert gewesen und trugen alle Konzepte mit“.

Rücktrittsforderungen Aus den Reihen der Brandenburger Linken gibt es erste Rücktrittsforderungen an Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Sie müsse die politische Verantwortung übernehmen, verlangt der Potsdamer Chef der Linken, Sascha Krämer. Dem ihr unterstellten Landesjugendamt wird mangelnde Kontrolle der Heime vorgeworfen. Die Behörden sollen seit Jahren von den Missständen gewusst haben. Denn es gab immer wieder Anzeigen wegen Übergriffen von Mitarbeitern. Seit 2008 fand dennoch nur eine einzige unangemeldete Kontrolle in der Haasenburg statt. Das Ministerium verweist darauf, dass das Heim immer wieder neue Auflagen erhielt. Die Brandenburger FDP und die Grünen fordern die sofortige Schließung der Haasenburg. FDP-Fraktionschef Andreas Büttner warf Ministerin Münch Inkonsequenz vor: Es sei widersprüchlich, Beschäftigungsverbote auszusprechen und nicht gleichzeitig von einer Gefährdung des Kindeswohls auszugehen. Die Kinder müssten aus den Heimen geholt werden.