Kriminalität

Wie die Polizei Verbrechen auch nach vielen Jahren aufklärt

Die Methoden moderner Kriminalistik ermöglichen Ermittlern immer öfter das Aufklären lange Zeit ungelöster Fälle.

Eine große Hilfe sind dabei genetische Spuren, die die Täter nach Jahren überführen. Die Morgenpost blickt auf einige spektakuläre Fälle zurück:

Die Arzthelferin Monika de Montgazon wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus Habgier soll sie 2003 ihren gehbehinderten Vater mittels eines Brandes getötet haben, um ihn zu beerben. Sie sitzt fast zweieinhalb Jahre lang in Haft. Dann stellt sich heraus, dass ein Brandgutachten fehlerhaft war. Nach einer neuen Expertise des Bundeskriminalamtes steht zweifelsfrei fest, dass der Tod des Vaters ein Unglück war. Der schwer krebskranke 76-Jährige hat im Bett eine Zigarette geraucht und dabei das Haus in Brand gesetzt. Am 18. September 2003 ist Montgazons Vater in seiner Doppelhaushälfte in Neukölln verbrannt. Mehr als vier Jahre wird die Frau verdächtigt, das Haus selbst angezündet und Spiritus als Brandbeschleuniger benutzt zu haben.

Zu einer Aufklärung eines mehr als zwei Jahrzehnte ungeklärten Mordfalles kommt es im vergangenen Jahr in Brandenburg. Das Besondere: Der Täter kann für den Mord an einer Schülerin nicht mehr vor Gericht gestellt werden, weil er zuvor Selbstmord verübt hat. Ein Massengentest hat den Mann in die Enge getrieben. Am 19. Mai 1991 wird die Leiche der 15 Jahre alten Andrea S. in einem Wald bei Warnitz (Uckermark) nahe der A 11 gefunden. Die Schülerin ist sexuell missbraucht worden. Nach einem Massengentest bringt sich der Mörder im Dezember 2012 um. Quälend lange Jahre müssen die Angehörigen mit der Ungewissheit leben, wer 1991 den Teenager vergewaltigt und erwürgt hat. Seit einem halben Jahr gilt der Fall als aufgeklärt. Anfang Dezember springt Günter G. auf der Strecke zwischen Berlin-Buch und Bernau bei Zepernick vor eine S-Bahn. Auch wenn er in seinem Abschiedsbrief den Sexualmord nicht gesteht: Die Ermittler gehen fest davon aus, dass der 64-Jährige Andrea S. ermordet hat. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, schreibt er. „Ich unterziehe mich selbst der größten Strafe“, mit diesen Worten endet sein Brief. Nachdem der 1992 zu den Akten gelegte Fall bis 2004 ruht, werden danach Sekret- und DNA-Spuren durch die Mordkommission untersucht und der Gentest veranlasst.

Derzeit vor dem Neuruppiner Landgericht stehen drei Beschuldigte im spektakulären Mordfall Maike Thiel aus Leegebruch. Die Leiche der vor 16 Jahren verschwundenen Frau wird nie entdeckt. Die damals 17-Jährige wird am 3. Juli 1997 gegen 10 Uhr zum letzten Mal an der Bushaltestelle vor dem Henningsdorfer Krankenhaus gesehen. Die hochschwangere Jugendliche kommt gerade von der Vorsorgeuntersuchung. Am 12. August soll ihr Kind zur Welt kommen. Für das Mädchen hat Maike schon den Namen Charleen ausgesucht. Ihr damaliger Freund Michael S. – heute 34 Jahre alt – ist von Beginn an im Visier der Kripo. Der Ex-Freund von Maike und Vater ihres Kindes will das Baby nicht. Aber Maike treibt nicht ab. Dem 34-Jährigen und Manfred S. (79) wird vorgeworfen, die Tat gemeinsam begangen zu haben. Zudem ist auch Michaels Mutter Christine angeklagt, sie soll die beiden Männer angestiftet haben, die Schwangere zu töten. Die Staatsanwaltschaft spricht von „einer lückenlosen Beweiskette“ gegen die Beschuldigten. Das Urteil steht noch aus.

Klarheit besteht indes im Fall Denise Reidegeld. Im August 1989 bricht in Meinerzhagen (Nordrhein-Westfalen) der damals 22-jährige Mario K. in das Elternhaus der Schülerin ein und gelangt in ihr Schlafzimmer. Um nicht entdeckt zu werden, sticht er 54 Mal auf die junge Frau ein. Die Mutter der Schülerin findet die 18-Jährige später tot vor ihrem Bett hockend. Ihr Mörder wird erst im Dezember 2005 verhaftet. Über DNA-Spuren kommen zwei Ermittler der Mordkommission Hagen einem Betriebsschlosser auf die Spur. Im Mai 2006 beginnt der Prozess vor dem Hagener Schwurgericht. Der mittlerweile 38-jährige Angeklagte beruft sich auf einen Filmriss. Bei der Mutter seines Opfers will er sich dennoch entschuldigen; er vermutet, sie werde ihn hassen. Die Muter des Opfers reagiert erstaunlich: „Ich hasse Sie nicht, Sie tun mir nur ganz furchtbar leid.“ Gut einen Monat später verurteilt die Kammer Mario K. wegen Mordes zu lebenslanger Haft.