Staatsbesuch

Der Präsident kam durch den Hintereingang

Barack Obama hat mit seiner Frau Michelle und den beiden Töchtern Sasha und Malia eine Suite im Hotel Ritz Carlton bezogen

Er ist da. Kurz nach 21 Uhr kommt Barack Obamas Tross über die Ebertstraße zum Hotel Ritz Carlton. Zwei gepanzerte Limousinen folgen unzähligen Polizeiwagen und -motorrädern. In der zweiten Limousine sind Michelle und Barack Obama zu erkennen. Sie winken einem paar Dutzend Schaulustigen zu, die eher zufällig an der hinteren Absperrung stehen geblieben sind – die quittieren das mit einem Aufschrei der Freude.

Der US-Präsident war um 20.20 Uhr in Berlin-Tegel gelandet. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte ihn dort mit einem Händeschütteln. Für US-Botschafter Philip D. Murphy gab es ein Küsschen von Michelle Obama. Die Begrüßung dauerte jedoch nur wenige Minuten, dann stieg die Präsidentenfamilie schon in die bereitstehenden Limousinen.

Hunderte Berliner versammelten sich derweil vor den Absperrungen am Ritz-Carlton und hofften, einen Blick auf den Präsidenten zu erhaschen, wenn er in das Hotel geht. Aber die Fahrbahnen auf der Kreuzung waren tabu. „Sie müssen freibleiben, falls etwas passiert und Feuerwehr durch muss“, sagte ein Polizist. Public Viewing auch vor dem Hotel – rund 15 Mitarbeiter standen vor dem Eingang des Ritz Carlton und blickten Richtung Leipziger Patz.

Obere Etagen sind gesperrt

In der Lobby bezogen Hotelgäste und Secret Service-Mitarbeiter Position, wahlweise auf Art Déco-Sesseln oder entlang der Empfangstreppe in der Mitte. Ute Hascher-Brücker und ihr Mann Gerd Hascher waren auch zum „Obama-Gucken“ gekommen. Sie saßen am Kamin, hatten Nüsse und Weißwein bestellt. Die Weltmeisterin im Schwimmen 1975 und ihr Mann hatten geschäftlich in Berlin zu tun. Sie wollten so oder so das Ritz-Carlton buchen – doch dass der Präsident jetzt dort wohnt, freute sie besonders.

Zu sehen bekamen sie die Präsidenten-Familie aber nicht. Die Obamas betraten das Ritz-Carlton durch den Lieferanten-Eingang. Enttäuschte Blicke in der Lobby.

Später kommen Obamas Security-Leute aus einem der Veranstaltungsräume. Jeder von ihnen hat ein Bündel Zettel in der Hand, das sie nun in der Lounge studieren. Von weitem sind Lagepläne und Gebäudeumrisse zu sehen, mal ist ein Auto eingezeichnet. Nach diesem Plan wird sich Obama wohl morgen durch Berlin bewegen. Leider lassen sich die Herren nicht allzu genau über die Schulter schauen.

An allen Orten, an denen Obama sich aufhalten wird, herrschte schon im Vorfeld Alarmstufe eins. Neben dem Pariser Platz und dem Charlottenburger Schloss sind das der Flughafen Tegel und ein Teil des Potsdamer Platzes. Hier kontrollieren Polizisten jeden, der vorbeikommt.

Wie wird es weiter gehen? Bei seinem letzten Berlinbesuch trainierte US-Präsident Barack Obama im Fitness-Bereich des Hotels Ritz-Carlton. Ob er auch bei diesem kurzen Aufenthalt im Hotel Sport treiben will, ist nicht bekannt. Auf die Frage, ob es denn auch zu Einschränkungen im Fitness-Bereich kommen werde, weil Obama da vielleicht eine kleine Trainingseinheit absolvieren möchte, antwortete eine Hotel-Mitarbeiterin mit einem verschwörerischen Lächeln. Darüber dürfe sie keine Auskunft geben. Aber es könne schon sein, dass es spontan zu, na ja, kleineren Absperr-Aktionen im Hantelbereich kommen könne.

Nicht nur im Hotel, wo der Präsident und seine Familie übernachten, verändert sich der Tagesablauf beträchtlich. Auch an vielen anderen Ecken der Stadt war schon im Vorfeld des Besuchs die Aufregung zu verspüren. Daran dürfte sich auch nichts ändern, bis Barack Obama und seine Frau Michelle sowie deren Töchter Sasha und Malia spät am Abend Berlin wieder in Richtung Heimat verlassen werden.

In der 11. Etage des Ritz-Carlton, wo sich die Präsidentensuite befindet, achtete bereits am Dienstag ein amerikanischer Sicherheitsmann darauf, dass sich keiner unerlaubt dort aufhält. Die Fahrstühle waren zu diesem Zeitpunkt schon für die oberen Etagen gesperrt, in den anderen Bereichen des Hotels dagegen dürfen sich die Gäste frei bewegen.

Ein älteres Pärchen aus Liverpool freut sich über die Sicherheitsausweise, die jeder Gast um den Hals tragen muss. „Damit kann ich nachher im Pub Eindruck machen“, sagt der Mann und lacht. Die beiden seien das aber schon gewohnt: Bei ihrem letzten Berlinbesuch 2003 hatten sie im Interconti gewohnt – ausgerechnet zu der Zeit, als US-Außenminister Colin Powell zu Besuch war. Damals gab es ebenfalls einen riesigen Sicherheitsaufwand. „Das“, so die beiden, „gehört für uns zu Berlin.“

Die Polizei hatte bereits am Dienstagnachmittag mit den Absperrungen rund um das Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz begonnen. Auch vor dem Brandenburger Tor versperrten schon am Dienstagnachmittag Absperrgitter Durchgang und Sicht. Die Touristen müssen diese Einschränkungen hinnehmen, bis Obama seine mit Spannung erwartete Rede am Mittwochnachmittag gehalten haben wird.

Einschränkungen für Touristen

Kurt und Gudrun Bachle aus Österreich sind zum ersten Mal in Berlin. Vor dem Hotel Adlon am Pariser Platz schauten sie zu, wie die Freiluftbühne für Obama aufgebaut wurde. Obwohl sie vor lauter Gitterstäben das Brandenburger Tor kaum sehen konnten, schießen sie ihre Erinnerungsbilder.

Gudrun Bachle sagte, dass sie Verständnis habe für die aufwendigen Vorbereitungen. Wenn der US-Präsident nach Deutschland komme, müsse das wohl sein. Von der ersten Demonstration an diesem Tag hatten Bachles dagegen nichts mitbekommen. Gegen 13 Uhr hatten sich am Checkpoint Charlie rund 50 Personen zusammengefunden, um gegen die Überwachung von Internetnutzern zu protestieren. Zwei Einsatzwagen der Polizei hatten die Kundgebung begleitet. Die Demonstranten hielten Schilder in die Höhe, auf denen Präsident Obama mit Kopfhören zu sehen war. Daneben stand: „All your data belong to us“ („alle Ihre Daten gehören uns“). Die Demonstration verlief friedlich.

Die zweite Obama-Demonstration begann kurz nach 15 Uhr an der Straße des 17. Juni/Ecke Ebertstraße. Sie richtete sich gegen die Inhaftierung des Indianer-Aktivisten Leonard Peltier. Auf den Boden hatten die Demonstranten große rote Buchstaben gelegt: „Free Peltier“ war zu lesen.