Bildung

„Das wird ein Schulausflug der besonderen Art“

600 Schüler und Lehrer der Kennedy-Schule in Zehlendorf dürfen den US-Präsidenten am heutigen Mittwoch hautnah erleben

Die 15-jährige Megan nennt es einen „Big Deal“, eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt. Sie gehört zu den Schülern der John-F.-Kennedy-Schule, die live bei der Rede von Barack Obama am Mittwoch am Brandenburger Tor dabei sein dürfen. Insgesamt 600 Schüler und Lehrer der Zehlendorfer Schule sind unter den 6000 geladenen Gästen. Die Einladung kam für die Schüler überraschend. „Wir hatten nur einen Tag Zeit, um die persönlichen Daten für den Sicherheitscheck zu übermitteln“, sagt Megan. Und natürlich wollte sie dabei sein.

Dass ausgerechnet die Zehlendorfer Schule Gelegenheit erhält, an dem Ereignis teilzunehmen, ist kein Zufall. Die John-F.-Kennedy-Schule ist die einzige Schule, die am Mittwoch noch nicht in den Sommerferien ist. Die 1960 gegründete JFK-Schule ist eine zweisprachige und bikulturelle deutsch-amerikanische Schule. Das Schuljahr endet an der Gemeinschaftsschule mit Grundschule und Oberstufe am 3. Juli, so wie in den USA. Von den 1700 Schülern sind etwa ein Drittel Amerikaner.

Reden analysiert

An der Rede von Barack Obama dürfen alle Oberstufenschüler teilnehmen, und 25 Sechstklässler können am Mittwoch um 10 Uhr beim Empfang mit militärischen Ehren bei Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue dabei sein.

Megans Vater ist Amerikaner, im Sommer wird sie ihren Großvater in den USA besuchen. „Ich freue mich jetzt schon, ihm zu erzählen, dass ich Obama gesehen habe“, sagt die Schülerin.

Im Unterricht haben die Jugendlichen viel über John F. Kennedy gesprochen wegen des 50.Jahrestags seiner geschichtsträchtigen Rede vor dem Schöneberger Rathaus. Sie haben Kennedys Worte analysiert und verglichen mit Reden anderer Präsidenten. „Ich hätte keinen anderen US-Präsidenten lieber gesehen als Obama“, sagt Celine. Sie hat selbst mit ihren Eltern bis vor einem Jahr noch in den USA gelebt. Die Schülerin kann sich noch gut an den Wahlkampf erinnern. Selbst auf dem Schulhof waren die Kinder in zwei Lager geteilt, auf der einen Seite die Anhänger der Demokraten, auf der anderen Seite die Republikaner“, erzählt sie. Inzwischen habe er viele wichtige Dinge erreicht, zum Beispiel dass alle Amerikaner krankenversichert sind. „Ich würde ihm gern sagen, dass er sich nicht von den vielen Kritikern runterziehen lassen soll“, sagt die 16-Jährige. Celine und Megan überlegen, ob sie am Mittwoch das Schul-T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich bin ein Berliner“ anziehen.

Ihr Mitschüler Philipp ist sich sicher, dass er am Mittwoch einen Tag erleben wird, der in die Geschichte eingehen wird. „Meine Großeltern waren vor 50Jahren bei der Kennedy-Rede vor dem Schöneberger Rathaus dabei, jetzt kann ich ihnen erzählen, dass ich Obama in Berlin erlebt habe“, sagt der 15-Jährige. Das sei schon eine große Ehre. „Das wird so ein Lebenserlebnis, von dem man noch erzählen wird, wenn man alt ist“, sagt er. „Ich bewundere seine Arbeit“, fügt er hinzu.

Antonio hat große Erwartungen an den Besuch des US-Präsidenten. „Ich hoffe, er sagt was zu Berlin und warum es für ihn wichtig ist hierherzukommen“, sagt Antonio. Er wünsche sich aber auch, dass er etwas dazu sagt, wie die Konflikte in Syrien oder zwischen Israel und Palästina gelöst werden können. Fragen würde der 16-Jährige den US-Präsidenten gern, wie weit das wirklich ging mit der Überwachung von Internetnutzern durch die Geheimdienste. Allerdings glaube er nicht, dass diese Enthüllungen das Image von Obama in der Welt beschädigen. Antonio ist überzeugt, dass Obama Geschichte schreiben wird.

Das glaubt auch Anna. Dafür sorge schon allein die Tatsache, dass er der erste schwarze US-Präsident ist. Sie ist gespannt, ihn live zu erleben, denn sie findet nicht nur seine Politik gut, sondern auch seine Persönlichkeit. „Er ist irgendwie menschlich, nicht nur so eine Politik-Ikone“, sagt sie. Anna mag es, wenn er sich mit seinen beiden Töchtern zeigt, die irgendwie genauso Teenager seien wie sie selbst. Deshalb sei sie gespannt, wie seine Ausstrahlung wirkt, wenn man ihn nicht im Fernsehen, sondern direkt vor sich hat. „Die Rede von Barack Obama am Brandenburger Tor ist ein Ereignis, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde“, sagt sie.

Niko ist aufgeregt. Der 17-Jährige ist erst seit der siebten Klasse an der JFK-Schule. Vorher ging er in Amerika zur Schule. „Ich weiß noch, wie meine Familie mit Freunden den Wahlsieg von Barack Obama gefeiert hat“, sagt er. Damals habe er nicht viel von Politik verstanden. „Ich war einfach für die Demokraten, weil es meine Eltern auch waren“, sagt er. Jetzt könne er ein solches Erlebnis wie die Rede des US-Präsidenten ganz anders einschätzen. Er wisse natürlich, dass Barack Obama nicht alles geschafft hat, was er versprochen hatte, dennoch würde er ihn für viele Erfolge schätzen. „Vielleicht erwähnt er ja in seiner Rede sogar unsere Schule“, sagt Niko.

Die Schulleiterin der JFK-Schule, Kathrin Röschel, ist nicht weniger aufgeregt als ihre Schüler vor diesem Schulausflug der besonderen Art. „Wir waren alle überrascht von der Einladung, und es war schon eine Herausforderung, die Daten von 600 Schülern und Lehrern in kürzester Zeit einzusammeln und weiterzuleiten“, sagt sie. Am Mittwoch werden sich alle Schüler auf dem Campus der Schule am Teltower Damm treffen und dann mittags gemeinsam mit der S-Bahn zum Brandenburger Tor fahren. Die Direktorin ist überzeugt, dass die Schüler bei diesem Ereignis mehr lernen können als in jeder Unterrichtsstunde nach Rahmenplan. Und auch die kommenden Veranstaltungen zum 50.Jahrestag der Kennedy-Rede in der Schule werden sie nach diesem Erlebnis noch intensiver wahrnehmen, glaubt Schulleiterin Röschel. Beispielsweise den Workshop-Tag zu Kennedy, den die Schule am 24. Juni veranstaltet. Am 20.Juni öffnet die Kennedy-Schule übrigens für alle interessierten Besucher ihre Türen.