Naturkatastrophe

Schaulustige behindern Einsatzkräfte

Brandenburgs Innenminister Woidke droht Gaffern mit Strafen

Schaulustige haben am Sonntag die Arbeit der Hochwasser-Einsatzkräfte in der Prignitz behindert. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) reagierte per Pressemitteilung in ungewöhnlich scharfer Form auf die Beeinträchtigungen. Sollten die Katastrophentouristen nicht umgehend verschwinden, werde ein Polizeieinsatz folgen, warnte Woidke.

Betroffen war nach Woidkes Worten vor allem der Bereich um Quitzöbel (Landkreis Prignitz), wo am Nachmittag die Havelpolder geflutet wurden. „Wir können dort niemanden mehr brauchen, der da nicht hingehört“, sagte Woidke.

Ähnliche Szenen hatte sich schon unter der Woche im überfluteten Mühlberg (Elbe-Elster) abgespielt. Dort mussten Bereitschaftspolizisten aus Cottbus die Zufahrtswege zur Kleinstadt sichern. „Wir mussten schon einigen sensationshungrigen Katastrophentouristen die Weiterfahrt untersagen. Darunter war auch ein Ehepaar, das sich eigens aus Gelsenkirchen auf den Weg gemacht hatte“, berichtete Polizeikommissar Mirco Schiller den Reportern der Berliner Morgenpost.

Zuvor hatte bereits Sachsen am Wochenende angekündigt, Hochwassertouristen künftig stärker zur Kasse bitten zu wollen. CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer mahnte, dem Katastrophentourismus müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Hans-Peter Kröger, forderte indes von Katastrophentouristen Mithilfe im Kampf gegen das Hochwasser. „Schaulustige blockieren mit ihren Autos Zufahrtsstraßen und Aufstellplätze, stehen Einsatzkräften im Weg, beeinträchtigen die Sicherheit von Deichen und bringen sich auch selbst in Gefahr“, sagte er. Einsatzleiter könnten jede mindestens 16 Jahre alte Person zum Anpacken verpflichten, sagte Kröger. Indes lobte Kröger das Engagement der Helfer in den Hochwasserregionen als echten „Bürgersinn“.