Sachsen-Anhalt

Kanzlerin als Deichgräfin: Merkel zieht es erneut ins Hochwasser

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstagnachmittag erneut die ostdeutschen Hochwassergebiete besucht.

Gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) informierte sie sich in der Chemiestadt Bitterfeld über die aktuelle Lage. Nachdem sie bereits vor zwei Tagen die Flutgebiete von Bayern, Sachsen und Thüringen besucht hatte, wollte sie sich nach eigenen Worten auch in dem ebenfalls schwer getroffenen Sachsen-Anhalt ein Bild von der Lage machen.

Merkel lobte bei ihrem Besuch die Solidarität der Menschen und den Einsatz der unzähligen freiwilligen Helfer. „Selbstverständlich“ könnten die Menschen auch auf Hilfe hoffen, sagte Merkel, ohne weitere konkrete Zusagen zu machen. „Es wird alles Menschenmögliche getan.“ Merkel bekräftigte aber die am Donnerstag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte Bereitschaft für finanzielle Unterstützung über die bereits zugesagten 100 Millionen Euro für kurzfristige Soforthilfen hinaus. Zunächst gelte es eine „Analyse der Gesamtschäden“ abzuwarten, sagte sie. „Dann wird man da natürlich weiterhelfen. Wir werden das Unsrige tun.“

Am Dienstag hatte Merkel die Soforthilfe der Bundesregierung von 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch die Regierungen der betroffenen Bundesländer haben inzwischen Hilfsprogramme aufgelegt. Experten gehen davon aus, dass das bisher bereitgestellte Geld nicht ausreichen wird.

Die Bundeskanzlerin betonte, dass auch aus dem aktuellen Hochwasser Lehren gezogen werden müssten. Zwar sei seit dem „Jahrhunderthochwasser“ von 2002 schon viel geschehen, jedoch bleibe auch noch einiges zu tun. Sie plädierte für einen verstärkten natürlichen Hochwasserschutz. Es müssten ausreichend Ausdehnungsflächen für die Flüsse geschaffen werden. Manche Bauten der Vergangenheit würden heute sicherlich nicht mehr so realisiert, fügte sie hinzu. Die SPD hatte am Donnerstag einen Hilfsfonds für flutgeschädigte Gebiete mit mehreren Milliarden Euro gefordert. Einen solchen Fonds hatten Bund und Länder nach der sogenannten Jahrhundertflut von 2002 an der Elbe eingerichtet.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck zieht es ins Hochwasser. Das Staatsoberhaupt will am Sonntag die Hochwasserregion an Saale und Elbe besuchen. Das teilte das Bundespräsidialamt am Donnerstag mit. In Halle an der Saale werde der Präsident am Morgen an einem Gottesdienst teilnehmen. Anschließend sei ein Gespräch mit Menschen aus der Region sowie Helferinnen und Helfern vorgesehen. Auch an der Elbe will Gauck Helfer treffen.

Gauck hatte sich am Montag bereits telefonisch bei den Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen über die Lage in den jeweiligen Hochwassergebieten informiert. In den beiden Ländern sinken die Pegel überwiegend, während weiter nördlich die Höchststände noch erwartet werden.