Bayern, Sachsen, Thüringen

„Wir lassen die Betroffenen nicht allein“

Große Solidarität für die Menschen im Süden und Osten des Landes. Jetzt hofft Niedersachsen, dass die Elbdeiche halten

Das Hoffen und Bangen in den Hochwassergebieten im Süden und Osten des Landes geht weiter. Während an der Elbe in Dresden am Donnerstagmorgen offenbar der Scheitelpunkt der Flut erreicht wurde, bereiteten sich die Menschen in anderen Regionen Deutschlands auf das Schlimmste vor. Weil in der Donauregion von Osterhofen in Niederbayern ein Deich zu brechen drohte, begannen neue Evakuierungen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind rund 55.000 Feuerwehrleute und 5000 Angehörige von Hilfsorganisationen im Kampf gegen das Hochwasser im Einsatz.

Wie das Landratsamt im bayerischen Deggendorf auf seiner Internetseite berichtete, wurde in der Donauregion seit Donnerstagmorgen großflächig evakuiert, da ein Deich bei Ruckasing zu brechen drohte. Deggendorf ist immer noch fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Nach Angaben der Polizei werden die Autobahnen 3 und 92 wegen des Hochwassers auch in den kommenden Tagen weiterhin gesperrt bleiben.

Das Hochwasser bedroht nun den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen, die bereits im Süden und Osten verheerende Zerstörungen hinterlassen haben. In Niedersachsen drohen die Deiche entlang der Elbe durch den Druck der Wassermassen durchzuweichen. Und die Wasserstände bleiben auch in den kommenden Tagen hoch. „An einzelnen Orten wird der Höchststand nach derzeitiger Prognose wahrscheinlich erst Freitag oder Samstag kommender Woche erreicht werden“, sagte Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Lüneburg. Einsatzkräfte waren rund um die Uhr damit beschäftigt, die Elbdeiche zu sichern. Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. Dort waren bereits 2500 Helfer im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehrsoldaten.

Stabilisiert hatte sich hingegen bis Donnerstagabend die Lage in Sachsen-Anhalt, blieb aber dennoch angespannt. In Halle, wo zuletzt 30.000 Einwohner vom Hochwasser bedroht waren, blieb die Situation auch für die Innenstadt kritisch. Dem Krisenstab der Landesregierung zufolge verlagert sich die Wucht der Flut zunehmend an den Unterlauf der Saale und an die Elbe, in die sie mündet. Besonders gefährdet seien derzeit Calbe und Bernburg. Zwei Deichsprengungen bei Bitterfeld hatten nicht die erhoffte Entlastung gebracht. Im Salzlandkreis brach ein Mann beim Befüllen von Sandsäcken zusammen. Eine Reanimation durch einen Notarzt blieb ohne Erfolg.

In Teilen von Sachsen liefen nach Angaben von Innenminister Markus Ulbig bereits die ersten Aufräumarbeiten. „Wir erleben diesmal eine einzigartige Welle der Solidarität und ein großes Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, sagte er . Seit dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 seien eine ganze Reihe neuer Schutzanlagen gebaut worden. An der Elbe in Dresden stand der Pegel seit Donnerstagmorgen bei 8,75 Meter. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 2002 waren es 9,40 Meter. Bis in die Nacht stapelten die Dresdner rund um die Altstadt und am Pieschener Elbufer Tausende Sandsäcke. Mehr als 1000 Menschen mussten in der sächsischen Landeshauptstadt bisher ihre Wohnungen verlassen.

Die Stadt Leipzig hob hingegen den Katastrophenalarm auf. Die wegen des Hochwassers geschlossenen Schulen und Kindergärten sollen am Freitag wieder öffnen. An der Weißen Elster galt am Donnerstag noch Alarmstufe 3, an der Pleiße Stufe 2. Auch in Thüringen entspannte sich die Lage. Nur noch an drei Messstellen der Saale – in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben – galt die höchste Alarmstufe 3. In der Thüringer Landwirtschaft summieren sich die Schäden nach ersten Schätzungen auf rund 20 Millionen Euro. Allein auf 3600 Hektar Ackerland rechneten die Landwirte mit einem totalen Ernteausfall. Erste Hoffnung keimte auch in Regensburg auf. Doch wegen neu zu erwartender Regenfälle Anfang nächster Woche blieben Sandsäcke und Hochwasser-Gerät zunächst in der Stadt. Auch der Katastrophenfall blieb bestehen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte den von Flutschäden betroffenen Bürgern weitere Unterstützung über die Soforthilfe des Bundes von 100 Millionen Euro hinaus zu. Es werde über die Sofortmaßnahmen hinaus alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben, sagte Schäuble am Donnerstag im Bundestag. „Darauf können sich alle verlassen.“ Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bekräftigte: „Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein.“