Chronologie

Machtkampf um Geld und Kompetenzen

Im Suhrkamp Verlag schwelt seit Jahren ein Kampf zwischen den Gesellschaftern.

Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält heute 61 Prozent der Anteile, der Unternehmer Hans Barlach den Rest. Inzwischen geht es um die Existenz des traditionsreichen Verlags, der 2010 von seinem Stammsitz in Frankfurt nach Berlin zog.

2002: Nach dem Tod von Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld gehen seine Anteile (51Prozent) an eine Familienstiftung. Diese leitet seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz. 20Prozent des Verlags gehören Unselds Sohn Joachim, 29Prozent dem Schweizer Investor Andreas Reinhart.

2003: Unseld-Berkéwicz übernimmt die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit über Kompetenzen.

2006: Der Medienunternehmer Hans Barlach kauft den 29-Prozent-Anteil des Schweizers Andreas Reinhart gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker Claus Grossner. Das Geschäft wird gegen den Willen der Verlagschefin ausgehandelt.

2009: Joachim Unseld verkauft seine Beteiligung am Verlag. Sein 20-Prozent-Anteil geht zu gleichen Teilen an die Familienstiftung und Barlachs Medienholding.

2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz von Frankfurt nach Berlin.

2011: Barlach verklagt die Geschäftsführung unter anderem, weil sie Firmengelder veruntreut haben soll. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen.

5. Dezember 2012: Die zerstrittenen Gesellschafter verlangen vor einer Handelskammer des Landgerichts Frankfurt, sich gegenseitig auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, verlangt Barlach.

10. Dezember: Ulla Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit einen entsprechenden Beschluss der Gesellschafterversammlung vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Die Verlegerin soll wegen der Anmietung von Räumen im Privathaus auch 282.500 Euro Schadenersatz an den Verlag zahlen. Sie legt Berufung ein.

13. Dezember: Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung.

15. Dezember: Renommierte Suhrkamp-Autoren wie Uwe Tellkamp stellen sich hinter Unseld-Berkéwicz und drohen mit einem Wechsel des Verlags, falls Barlach dort die Macht bekommt.

17. Dezember: Es wird bekannt, dass der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann nach dem Wunsch der Familienstiftung im Streit vermitteln soll. Barlach lehnt ihn als Mediator aber ab.

30. Dezember: Barlach verlangt für eine Mediation den Rückzug der Familienstiftung aus der Geschäftsführung.

10. Januar: In einem Appell ergreifen mehr als 70 renommierte Autoren Partei für Verlegerin Unseld-Berkéwicz.

24. Januar: Die Suhrkamp-Chefin lehnt einen Rücktritt ab.

13. Februar: Das Landgericht Frankfurt vertagt das Verfahren. Es verweist auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen und bestimmt den 25.September als weiteren möglichen Verhandlungstermin.

20. März: Das Landgericht Frankfurt verurteilt die von der Suhrkamp-Chefin geführte Familien-Stiftung zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach.

24. April: Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz kassiert eine weitere Niederlage: Das Landgericht Frankfurt gibt einer Klage der Medienholding AG des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, strittig waren Informationsrechte und Gesellschafterbeschlüsse.

27. Mai: Der Verlag beantragt ein Schutzschirmverfahren.