Staatsbesuch

Willkommen in Berlin, Herr Präsident

Barack Obama kommt erstmals als US-Präsident nach Berlin +++ Am 18. und 19. Juni gilt die höchste Sicherheitsstufe in der Stadt

Fünf Jahre lang hat er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warten lassen. Jetzt kommt er nach Berlin. US-Präsident Barack Obama besucht nach seinem umjubelten Auftritt an der Siegessäule im Jahr 2008 zum zweiten Mal die deutsche Hauptstadt. Nach dem G-8-Gipfel in Nordirland wird er am 18. Juni für einen Tag in die Stadt kommen. Damit dürfte sich das latent angespannte Verhältnis zwischen Merkel und Obama wieder verbessern. Denn: 2008 hatte der aufstrebende Präsidentschaftskandidat seine Rede vor dem Brandenburger Tor halten wollen, doch Kanzlerin Merkel ließ Obama abblitzen. Stattdessen sprach er vor mehr als 200.000 Menschen an der Siegessäule. Nach der Wahl zum US-Präsidenten blieb das Verhältnis zwischen den beiden unterkühlt.

Schon seit Monaten gab es Gerüchte über einen ersten Besuch Obamas in der Hauptstadt als US-Präsident, obwohl Obama bei seinen Deutschlandbesuchen Berlin bislang immer gemieden hatte. Baden-Baden und Kehl am Rhein zum Besuch der US-Truppen ja, Berlin nein, hieß es in den vergangenen Jahren. „Wir freuen uns natürlich darüber, dass er kommt“, ließ der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über seinen Regierungssprecher mitteilen. „Er ist eine charismatische Figur, und viele Hoffnungen, auch in Europa, ruhen auf ihm.“ Doch ob es überhaupt zu einem Treffen mit Wowereit kommen wird, ist noch nicht geklärt. „Das Programm ist noch in der Abstimmung“, sagte Regierungssprecher Richard Meng. Fest steht aber, dass der US-Präsident von seiner Ehefrau Michelle begleitet wird.

In der Abstimmung befinden sich seit Monaten auch die Sicherheitsbehörden. Für US-Präsidenten gilt die allerhöchste Sicherheitsstufe, jede Minute seines Tagestrips nach Berlin wird penibel geplant, ein ganzes Heer an Sicherheitskräften wird den Tross des Präsidenten begleiten. Mehr als 3000 Agenten beschützen ihn Tag und Nacht und weichen nicht von seiner Seite.

Routen bleiben geheim

Doch auch der Gastgeber ist gefordert. Berlin muss alle Voraussetzungen schaffen, damit der Aufenthalt des mächtigsten Mannes der Welt unbeschadet verläuft. Und wenn jetzt der Besuchstermin offiziell bekannt gegeben wird, dann ist dies zugleich der Startschuss für die heiße Phase der Vorbereitung in Fragen der Sicherheit. Da es sich bei diesem Thema um eine sehr sensible Angelegenheit handelt, werden von der Polizei vorab keine Details bekannt gegeben. Geheim bleiben bis zum letzten Augenblick beispielsweise die Routen, die der Präsident in seiner eigens aus den USA mitgeführten Fahrzeugflotte auf Berlins Straßen zurücklegen wird. In 20 bis 40 Autos, die eigens aus den USA nach Deutschland gebracht werden, finden die Leibwächter des Präsidenten, seine Mitarbeiter und Journalisten Platz. Jeder Wagen hat eine Code-Bezeichnung. Die Bewachung und den Schutz des Präsidenten übernehmen ausgebildete Bodygards. Ob im maßgeschneiderten Anzug oder im sportlichen Freizeitlook, sie sind mit moderner Funktechnik ausgestattet, tragen schusssichere Westen und sind bewaffnet.

Auch uniformierte Einheiten begleiten den US-Präsidenten. Darunter sind auch Präzisionsschützen, die auf den Dächern der im Protokollbereich befindlichen Häuser wachen. Darüber hinaus befinden sich unter den Spezialisten auch schnelle Eingreifteams oder auch Führer von Hundestaffeln. Doch damit nicht genug. Auch die Berliner Polizei betreibt ein erheblichen Aufwand. Entlang der Protokollstrecken werden die Gullideckel verplombt. Die SEK-Einheiten werden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Das betrifft natürlich auch andere Spezialeinheiten wie die Sprengstoffexperten oder die Wasserschutzpolizei.

Die Verkehrspolizei wird in den Tagen des Staatsbesuches besonders gefordert. Es wird zahlreiche Straßensperrungen geben. Viele werden erst wenige Minuten vor dem Eintreffen der Wagenkolonne bekannt gegeben. Zudem wird auch der Luftraum für die Zeit des An- und Abfluges des Präsidenten für den Flugverkehr gesperrt. Das Flugzeug des Präsidenten, die Air Force One Boeing 747-200B, wird bei ihrem Flug über Deutschland nach Berlin–Tegel von Abfangjägern begleitet. Zum Schutz des Präsidenten verfügt die aktuelle Air Force One über eine streng geheim gehaltene militärische Ausrüstung. Darunter sind spezielle Abwehrsysteme gegen Boden-Luft-Raketen. Zudem kann das Flugzeug in der Luft betankt werden.

Neben all den offiziellen Terminen, die der Präsident in der Stadt wahrnehmen wird, bleibt die große Frage, wo er übernachtet. Dafür kommen grundsätzlich lediglich vier Berliner Hotels infrage. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen, die bei Gästen wie Präsident Obama nötig sind, können nach Angaben einiger Hotels nur das „Adlon“ am Pariser Platz, das „Intercontinental“ in Tiergarten an der Budapester Straße, das neue „Waldorf Astoria“ an der Hardenbergstraße und das Hotel „Ritz-Carlton“ am Potsdamer Platz bieten. Drei der vier Häuser haben Erfahrung mit Besuchen von Staatschefs. Auf Anfrage bei den Presseverantwortlichen der drei Hotels hieß es jedoch überall, dass keine Auskunft über die Gäste gegeben werden kann.

Bei seinem Besuch im Jahr 2008 in Berlin hatte der Präsident im Hotel „Adlon“ gewohnt. Ein Grund für diese Wahl könnte die unmittelbare Nähe zur amerikanischen Botschaft sein. Einer Legende zufolge gibt es sogar eine unterirdische Verbindung zwischen den beiden Gebäuden. Auch der israelische Staatspräsident Schimon Peres, der damals als der weltweit am meisten gefährdete Politiker galt, logierte 2010 in dem 5-Sterne-Haus am Pariser Platz.

Obama gefällt „Ritz-Carlton“-Spa

Doch auch das „Intercontinental“ könnte eine gute Option für den Staatschef sein. Bereits seine Vorgänger George W. Bush und Bill Clinton sowie der ehemalige französische Staatschef Jacques Chirac und der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger stiegen in dem Hotel ab, das wegen seiner isolierten Lage am Zoo als sicherste Herberge der Stadt gilt. Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai hat schon einmal dort übernachtet. Selbst für ein Treffen der Verteidigungsminister der Nato wurde 2005 das „Intercontinental“ ausgewählt.

Pluspunkte konnte beim vergangenen Obama-Besuch das „Ritz-Carlton“ verbuchen, denn in dessen Spa-Bereich hatte Barack Obama trainiert. „Wir haben einen sehr intimen, kleinen Bereich, wo der Präsident seine Privatsphäre hatte“, sagt die Sprecherin des Hotels. „Womöglich war das der Grund, weshalb er uns besucht hat.“ Grundsätzlich würde man sich sehr freuen, wenn der Präsident auch bei diesem Besuch wiederkäme und in der Präsidentensuite logieren würde. Diese hat auch der russische Präsident Wladimir Putin bereits genutzt.

Und sollte Obama Hunger verspüren, könnte er wie vor fünf Jahren dem Promi-Restaurant „Borchardt“ einen Besuch abstatten. Damals hatte er mit seiner kompletten Entourage den Restaurant-Betrieb nahezu lahmgelegt. Doch sein Steak, medium rare gebraten, würde Chef Roland Mary ihm sicherlich liebend gerne wieder servieren. Ob er dabei vom amerikanischen Botschafter Philip D. Murphy begleitet wird, ist ungewiss. Über die Termine des Präsidenten könne man keine Auskunft geben, heißt es aus der US-Botschaft.