Korea-Krise

Wer ist wer im Konflikt mit Nordkorea?

Aus Verärgerung über verschärfte internationale Sanktionen nach seinem dritten Atomwaffentest hat Nordkorea in den vergangenen Wochen Südkorea und den USA mit Angriffen und einer nuklearen Eskalation gedroht. Die Führung in Pjöngjang legte ausländischen Diplomaten nahe, das international weitgehend isolierte Land zu verlassen, was diese aber ablehnten. Die Schweiz bot an, in dem Konflikt zu vermitteln. Die Morgenpost stellt die wichtigsten Personen des Konflikts vor.

Nordkorea

Der Generalsekretär der Arbeiterpartei und Oberkommandierende der Volksstreitkräfte ist seit Ende 2011 oberster Machthaber. Mit dem öffentlichen Genuss von Basketballspielen, Cola und Disneyshows wollte Kim vielleicht Signale an den Westen senden. Für seinen Konfrontationskurs dürfte ihm das mächtige Militär applaudieren. Nur Kim darf den Einsatzbefehl für Atomraketen geben. Am Donnerstag genehmigte er einen Angriff auf die USA.

Kim Kyong-hui ist die Tante des jungen Diktators und Generaloberst ehrenhalber. Inoffiziell soll sie eng mit dem Atomwaffenprogramm verbunden sein. Sie und ihr Mann Jang Song-taek gelten als am besten vernetztes Ehepaar des Regimes. Jang sitzt im obersten Politbüro der kommunistider zweitmächtigste Mann im Land.

Vizemarschall Choe ist in Personalunion Sekretär für Sicherheitsfragen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und zugleich Politchef aller bewaffneten Organe – also einer der einflussreichsten Offiziere. Er bildet das wichtigste Bindeglied zwischen den Machtblöcken Politik und Militär, die latent konkurrieren. Er ist Kim Jong-uns Mann, wenn es die Kontrolle der Partei über die Armee durchzusetzen gilt.

Südkorea

Erst seit wenigen Wochen ist Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye im Amt. Von den Kriegsdrohungen des kommunistischen Nordens zeigte sie sich bisher unbeeindruckt und warnte Nordkorea vor einer militärischen Reaktion. Wenn es eine Provokation gegen Südkorea und sein Volk gebe, gebe es darauf eine entschlossene Antwort – ohne politische Abwägungen, sagte Park. Park ist das älteste Kind des verstorbenen Präsidenten Park Chung-hee, der Südkorea in den 60er- und 70er-Jahren 18 Jahre lang autoritär regierte.

Mun Hyung-jin ist der Sohn des Gründers der Vereinigungskirche, die als Mun-Bewegung bekannt ist. Dessen Firmen investieren auch in Nordkorea. Zum Begräbnis des Vaters schickte das streng atheistische Nordkorea eine Delegation. Mun Hyung-jin gilt als wichtiger Mittler in der inoffiziellen Diplomatie zwischen Süd- und Nordkorea. Er erhielt einen Orden von Kims Onkel Jang Song-taek.

Südkoreas Minister für die Wiedervereinigung, Ryoo Kihl-jae, gilt als einer der Architekten der vorsichtigen Annäherung an den Norden. Ryoo war Professor an der Universität für Nordkoreanische Studien in Seoul und ist ein bekannter Experte für Nordkorea. Der Wissenschaftler lebte längere Zeit in den USA.

China

Premierminister Li Keqiang könnte besonders wichtig in der kollektiv bestimmten Korea-Politik der chinesischen Parteiführung werden. Als Vizepremier war er der erste ausländische Politiker, dem der Diktator Kim Jong-il 2011, vor seinem Tod, seinen Sohn Kim Jong-un als Nachfolger vorstellte. Li gilt als Wirtschaftsreformer und dürfte mit Nachdruck Pekings Hauptforderung an Kim vertreten: weniger Krawall, mehr Entwicklung.

Ex-Außenminister Yang und sein Nachfolger Wang dürften beim Thema Korea eng zusammenarbeiten. Yang studierte in London, war Botschafter in den USA und pflegt eine jahrzehntelange Freundschaft zur Präsidenten-Familie Bush. Er trägt weiter außenpolitische Verantwortung, dieser Tage telefonierte er mit US-Außenminister Kerry über Korea. Er ist in Peking ein zentraler Verbindungsmann für Washington. Sein Nachfolger Wang steckt dagegen tief in den Details der Nordkorea-Krise – er war Botschafter in Japan und Chinas Chefunterhändler im Atomstreit. Ein starkes Team, das moderieren könnte.

USA

Der US-Präsident trägt nicht nur die politische, sondern auch die militärische Verantwortung. Seit zehn Jahren ist der Begriff Commander-in-chief nicht mehr zulässig für US-Generäle, die für bestimmte Regionen zuständig sind, sondern nur noch für den Präsidenten. Obama war vor einem Jahr zu einem Gipfel zum Thema nukleare Abrüstung in Südkorea. Aber seinem Team im Weißen Haus gehören keine ausgesprochenen Korea-Experten an – in dieser Frage war Amtsvorgänger George W. Bush besser aufgestellt.

John Kerry ist ein Vietnamveteran. Der Diplomatensohn wurde dadurch zu einem Antikriegsaktivisten. Doch im Umgang mit Nordkorea setzt er nicht auf Pazifismus, sondern bereitet sich auf alle Eventualitäten vor. Er sagte, die USA würden Nordkorea „nicht akzeptieren als Nuklearstaat“. Bald, heißt es in Washington, könnte Kerry aufbrechen, um sich in Südkorea, Japan und China mit seinen Amtskollegen zu treffen und die dortigen Politeliten auf die Entschlossenheit der USA einzustimmen, Pjöngjang zu stoppen.

Viersternegeneral Thurman dient seit zwei Jahren als Chef der UN-Mission und zugleich als Kommandierender der US-Streitkräfte in Korea. Er ist seit 1975 bei der US Army. Seinen Job in Korea bezeichnete er als Mischung aus „Abschreckung und Versicherung“. Seine größte Sorge: Nordkorea könnte zu einer „impulsiven Entscheidung“ kommen, die eine „kinetische Reaktion“ auslösen könnte – einen Gegenschlag der USA oder anderer Staaten.