Ratgeber

Wie sicher ist mein Geld? Was deutsche Sparer jetzt wissen müssen

Die deutsche Bankenbranche hat fast schon euphorisch die Zypern-Rettung gelobt.

Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute sehen das eiserne Sparerprinzip gewahrt. Doch auch wenn die 100.000-Euro-Grenze entgegen ursprünglicher Pläne gewahrt bleibt, hält die Art der Zypern-Rettung auch für deutsche Sparer einige Lehren bereit, die sie bei ihren Geldangelegenheiten ernst nehmen sollten. Die Berliner Morgenpost sagt Ihnen, worauf Sie als Bankkunde künftig achten sollten:

Kann es Sparern in Deutschland ebenso ergehen wie den Bankkunden in Zypern?

Da ist das grundsätzliche Verhältnis zwischen Kunde und Bank. Besitzer eines Giro- oder Sparkontos, von Tages- oder Festgeldanlagen oder des guten alten Sparbuches sollten sich mehr denn je bewusst sein, dass sie nichts anderes als Gläubiger ihrer Bank sind. Sie leihen ihrem Institut Geld und bekommen dafür Zinsen. Es ist nicht so, dass die Bank wie bei einem Goldschließfach das Geld nur verwahrt. Kommt es zu einer Schieflage, kann es daher Sparern genauso ergehen wie anderen Gläubigern, etwa den Haltern von Bankanleihen: Sie müssen unter Umständen auf einen Teil des Geldes verzichten.

Gibt es eine Sicherungsgrenze für Geldeinlagen?

Zumindest gilt das für Beträge oberhalb der EU-weit einheitlichen Sicherungsgrenze von 100.000 Euro. Zwar existiert in Deutschland mit den verschiedenen Einlagensicherungsfonds der Institutsgruppen eine zusätzliche Absicherung. Allerdings sind diese Einrichtungen nicht für Großpleiten gedacht. Zudem haben Kunden keinen Rechtsanspruch auf diese zusätzliche Absicherung. Es kann daher ratsam sein, sein Geld auf verschiedene Banken zu verteilen, weil die 100.000-Euro-Sicherung pro Institut gilt.

„Auch wenn Zypern eine kleine und recht unbedeutende Volkswirtschaft in der Region ist, wurde seitens der Politik durch die Beteiligung der privaten Vermögen ein Präzedenzfall geschaffen“, sagt Christian Gritzka von der Vermögensverwaltung Knapp Voith in Hamburg. Die Einlagensicherung sei nur so gut wie die Liquidität des Landes, in dem die Bank ihren Sitz habe. „Einlagen sind nicht mehr per se sicher!“, so Gritzka. Sparer müssten bei den vielen Zinslockangeboten mehr denn je darauf achten, aus welchem Land das Institut stammt.

Sind Aktien oder Anleihen sicherer?

Martin Wilhelm, Chef der IFK-Vermögensverwaltung in Kiel, mahnt zu mehr Vorsicht. „Die Erkenntnis verbreitet sich, dass ein Sparer der Bank mit seiner Einlage einen Kredit gegeben hat.“ Investments in Anleihen und Aktien seien an dieser Stelle klar im Vorteil gegenüber Spareinlagen, da eine verbriefte Sicherheit gegenüber der Bilanz des Unternehmens bestehe. Tatsächlich sind jene fein raus, die ihr Geld nicht auf Konten liegen haben, sondern in Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen. Diese Depots werden, ganz wie der Inhalt eines Schließfaches, von Kreditinstituten lediglich verwahrt.

„Die Zypern-Krise hat eines ganz deutlich gezeigt: Cash ist nicht mehr fesch!“, sagt Frank Huttel, Leiter Portfoliomanagement bei Finet Asset Management in Marburg. Nicht nur, dass die finanzielle Repression zu Kaufkraftverlusten führt, weil die Zinsen künstlich unter der Inflationsrate gehalten werden, nun seien auch die Bankkonten nicht mehr „sicher“. Zwar habe man beim Rettungspaket jetzt in letzter Sekunde in Zypern richtigerweise Vermögen unter 100.000 Euro verschont, doch darüber hinaus kommt es zu erheblichen Verlusten. „Auf Bankkonten sollte nur noch eine Notfallreserve gehalten werden“, sagt Huttel.

Muss ich mir Sorgen um meine Lebensversicherung machen?

Auch Altersvorsorgesparer sollten nach Zypern genauer hinschauen und im Zweifel ihren Anbieter kontaktieren. Viele Lebensversicherungen hatten in den vergangenen Jahren einen Gutteil der Kundengelder in Bankschuldverschreibungen gepackt, weil diese gegenüber vielen Staatsanleihen ein Mehr an Rendite versprachen und aus Sicht eines Lebensversicherers günstiger bilanziert werden konnten.

Doch seit der nun vereinbarten Zypern-Rettung ist klar: Banken und ihre Schuldtitel genießen keinen grundsätzlichen politischen Schutz in der Euro-Zone mehr. Im Februar mussten dies bereits die Gläubiger der niederländischen SNS Bank erfahren, nachdem die niederländische Regierung zumindest Nachranganleihen für wertlos erklärt und so von den Gläubigern einen Beitrag zur staatlichen Sanierung des Institut verlangt hatte.

Gibt es Alternativen zur Lebensversicherung?

„Die Zeit, in der jede Bank gerettet wurde, ist vorbei, daran müssen sich auch die Investoren jetzt gewöhnen“, sagt Marc Hellingrath, Fondsmanager für Bankanleihen bei Union Investment. Einen radikalen Schwenk in der Anlagephilosophie erwartet er nicht, doch nach und nach werden Portfolien ein neues Gesicht bekommen. „Gerade Lebensversicherer, die traditionell viel Geld ihrer Kunden in Bankdarlehen angelegt haben, werden für frei werdende Mittel neue Anlagemöglichkeiten suchen.“ Seiner Überzeugung nach werden in einigen Jahren Unternehmensanleihen und Pfandbriefe den Platz von Lebensversicherungsportfolien einnehmen. Dass die großen institutionellen Investoren sich jetzt sofort massenweise von Bankschuldverschreibungen trennen, sei allerdings nicht zu erwarten. Denn einen Verlust könne und wolle niemand hinnehmen, wenn er möglicherweise weniger als den Nominalwert von 100 Prozent für die Papiere bekommt. „Ich sehe aber keinen Grund zu Hektik“, so Hellingrath.