Homo-Ehe

„Das ist kein Angriff auf die Hetero-Ehe“

12.690 eingetragene Lebenspartnerschaften registrierte das Einwohnermeldeamt bis Ende vergangenen Jahres.

Die meisten verpartnerten Berlinerinnen und Berliner leben demnach in Tempelhof-Schöneberg, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow. Wenn man so will, in grundbürgerlichen Bezirken. Trotzdem wird die Homo-Ehe immer wieder als Angriff auf die klassische Mann-Frau-Ehe verstanden. Darüber sprach Anne Klesse mit Constanze Körner vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.

Berliner Morgenpost:

Diskreditiert die eingetragene Lebenspartnerschaft die Ehe zwischen Mann und Frau?

Constanze Körner:

Natürlich nicht. Wir greifen weder Männer noch Frauen, noch die Hetero-Ehe an. Im Gegenteil: Wir haben dieselben Pflichten und wollen nun lediglich auch die gleichen Rechte. Wir wollen die gleiche Verantwortung füreinander übernehmen wie Hetero-Paare.

Berlin gilt als eine der weltoffensten und homosexuellenfreundlichsten Städte. Gibt es hier trotzdem Diskriminierung?

Ja, leider. Homosexuelle Männer und Frauen fühlen sich diskriminiert, weil sie nicht die gleichen Rechte haben wie andere Menschen. Regenbogenfamilien werden anders behandelt als Familien mit Vater und Mutter. Kinder in Regenbogenfamilien haben weniger Geld zur Verfügung als Kinder in Hetero-Beziehungen, weil die Familien steuerrechtlich unterschiedlich behandelt werden. Während jedes Hetero-Paar einfach so Kinder bekommen kann, planen lesbische Paare jahrelang die Erfüllung ihres Kinderwunsches. Bei der Stiefkindadoption müssen sie dann beweisen, dass sie gute Eltern sind und es eine stabile Eltern-Kind-Beziehung gibt. Das ist ungerecht.

Wie äußern sich Vorbehalte gegen homosexuelle Paare im Alltag?

Da gibt es viele Situationen. Mobbing am Arbeitsplatz zum Beispiel. Die ganz alltägliche Frage: Wem kann ich vertrauen, wem öffne ich mich? Zudem hören wir immer wieder von Gewalt, Menschen werden auf der Straße überfallen, beschimpft und bespuckt, weil sie homosexuell sind. Da passieren Straftaten, die aber oft nicht angezeigt werden, weil sich die Betroffenen nicht trauen.

Was müsste passieren, damit so etwas nicht mehr geschieht?

Zunächst einmal ist die Politik gefragt. Sie muss sich klar bekennen und die Gesellschaft mitnehmen. Aber gerade die jetzige Regierung lässt sich vom Bundesverfassungsgericht treiben und tut nichts. Die Gesellschaft ist oft weiter als mancher Politiker. Dabei gibt es so viele vorbildliche Aktionen. Die Kampagne zum Thema Pflegefamilien im vergangenen Jahr etwa. Da waren gleichgeschlechtliche Paare ganz selbstverständlich dabei. Solche Bilder müssen auch vermehrt in den Medien vermittelt werden – und nicht die immer gleichen von nackten, tanzenden Schwulen und Lesben beim Christopher Street Day. Die wenigsten Schwulen, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen und ein Kind adoptieren möchten, laufen halb nackt in Leder herum. Erzieher sollten schon in der Kita selbstverständlich über die vielfältigen Familien- und Lebenskonzepte sprechen. Das setzt voraus, dass Pädagogen das Thema in ihrer Ausbildung behandeln.