Otfried Preußler

Räuber Hotzenplotz

Ein Räuber mit sieben Messern und einer Pfefferpistole. Er entführt die Großmutter. Ein Polizist in Uniform und Pickelhaube. Eine Witwe mit Kristallkugel. Ein Dackel, der zum vegetarischen Krokodil wird. Kasperl und Seppel. Am Ende wird der Böse gut. Ja, Hotzenplotz lebt in einem fantastischen Kosmos. Und hat doch manch Realisten geholfen, beim Erwachsenwerden Kind zu bleiben. Was mehr kann ein Buch leisten?

Das kleine Gespenst: Das Kleine Gespenst ist ein fröhlicher Charakter, doch es wird von Unruhe geplagt: Es möchte dringend wissen, wie die Welt am Tage aussieht. Darin unterscheidet es sich von seinem besten Freund, dem Uhu Schuhu, der alt und ruhig in einer Eiche haust. Kindlicher Tatendrang auf der einen, erwachsene Gelassenheit auf der anderen Seite: Das ist nur eine der vielen schönen Seiten dieser lebensklugen Geschichte.

Der kleine Wassermann: Lehrjahre des Gefühls, nur unter Wasser. Mit den berühmten „trockenen Füßen“, die der Kleine Wassermann sich holt, als er zu lange an der Luft ist. Als Kind kannte ich nur die wunderbare Hörfassung, mich gruselte vor dem Neunauge, das der Wassermann im Mühlenweiher trifft. Am Ende des Buchs schläft er „in den traumhellen Wassermannswinter“ hinein. Ein schönerer Schluss fällt mir partout nicht ein.

Krabat: Die seltsamste Phase im Leben eines Kindes beginnt, wenn man aufhört, Kind zu sein und doch noch nichts anderes ist. Damals habe ich „Krabat“ gelesen. Wenn einem das eigene Leben unwirklich vorkommt, kann kaum etwas beglückender sein als eine Geschichte, die sich nur von der Fantasie leiten lässt. „Krabat“ ist, wenn man es später noch mal liest, auch eine der schönsten Liebesgeschichten überhaupt. Weil es so kompromisslos ist.

Die kleine Hexe: Die Begeisterung überdauert Generationen. Das Buch zog gerade um von den Großeltern zu uns nach Berlin, um hier unserem Eineinhalbjährigem vorgelesen zu werden. Sein Vater liebte das Buch als Kind. So begann er mit der ersten Seite über die kleine Hexe und ihren sprechenden Raben Abraxas. Wie fröhlich gackerte unser Kleiner über das Gekrächze – das hat Astrid Lindgrens Michel nicht geschafft.