Pferdefleisch-Skandal

Im Zentrum des Skandals

In Südfrankreich muss der Großhändler Spanghero schließen

So idyllisch gelegen das südfranzösische Städtchen Castelnaudary auch zwischen Toulouse und Carcassone liegt – es steht im Zentrum des Pferdefleischskandals. Hier betreibt die Firma Spanghero das Werk, das im Verdacht steht, Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert und weiterverkauft zu haben. Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hat dem Betrieb deshalb die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen. Er will Anfang dieser Woche entscheiden, wie es mit dem Werk weitergeht. Am Dienstagabend ist ein Treffen mit Gewerkschaftsvertretern geplant.

Die 360 Mitarbeiter hoffen, dass zumindest ein Teil des Werks seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Denn in Castelnaudary hat zum einen die auf Fleischgroßhandel spezialisierte Sparte ihren Sitz, die das Pferdefleisch an die Firma Comigel aus Metz weiterverkaufte, die daraus Fertiggerichte herstellte. Zum anderen fertigt Spanghero in Castelnaudary selber Fertiggerichte und Würste. „Wir haben mit unseren Konserven und Würsten niemals Leute vergiftet. Diese Mauschelei beim Fleischgroßhandel hat nichts mit uns zu tun“, sagt Gewerkschaftsvertreter Claude Hill. „Wir sind zuversichtlich, dass die Regierung das versteht.“ Hill hofft, dass zumindest der auf die Herstellung von Fertiggerichten und Würsten spezialisierte Werksteil die Arbeit schnell wieder aufnehmen kann.

„Das Unternehmen retten ist das einzige, was zählt“, sagt Laurent Spanghero. Der 73-Jährige hatte das gleichnamige Unternehmen in den 70er-Jahren zusammen mit seinen Geschwistern gegründet, jedoch 2009 an die Landwirtschaftskooperative Lur Berri weiterverkauft. Es gebe in dieser Affäre nur einen Schuldigen: den Chef, meint er. Doch der Spanghero-Chef – Barthélemy Aguerre – sagt, seine Firma sei selbst getäuscht worden. „Wir wussten nicht, dass es sich um Pferdefleisch handelte.“ Ein niederländischer Zwischenhändler sagte jedoch aus, dass er Spanghero ganz klar Pferdefleisch in Rechnung gestellt habe.

Die Bewohner von Castelnaudary haben Angst, dass der Skandal an ihrer Stadt hängen bleibt und Touristen verschreckt. Wie ganz Frankreich rätseln sie, wie das alles passieren konnte. Branchenkenner machen das schnelle Wachstum der Gruppe Lur Berri verantwortlich. Die Kooperative aus dem Baskenland, die 5000 Landwirten aus dem Südwesten Frankreichs gehört, kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 1,12 Milliarden Euro.

In den letzten Jahren hat sie neben Spanghero auch Labeyrie übernommen, einen auf Gänsestopfleber und Pasteten spezialisierten Hersteller. Statt Zutaten aus der heimischen Landwirtschaft zu beziehen, habe sie lieber im billigeren Ausland gekauft, sagen Branchenexperten. Nach Angaben französischer Behörden hat Lur Berri durch den Weiterverkauf von als Rindfleisch deklariertem Pferdefleisch 550.000 Euro Profit gemacht.