Papst-Rücktritt

Was wird jetzt aus dem Papst-Geburtsort Marktl am Inn?

Das Ave Maria schallte über Lautsprecher aus der Gnadenkapelle über den Kapellplatz in Altötting.

Gerade war in einer Prozession eine Blutreliquie vom seligen Papst Johannes Paul II. aus der Stiftsbasilika zur Schwarzen Madonna übertragen worden. Der Präsident des Päpstlichen Rats für die Pastoral im Krankenhaus, Erzbischof Zygmunt Zimowski, hatte sie als Geschenk mitgebracht. Anlass war der Welttag der Kranken, den Papst BenediktXVI. dieses Jahr ausdrücklich in seine Heimat vergeben hatte und dessen zentrale Veranstaltung am Montag in Altötting stattfand – nur elf Kilometer entfernt von Benedikts Geburtsort Marktl am Inn.

Nachdem gerade der Gottesdienst zu Ende gegangen war, verbreitete sich unter den Besuchern die Nachricht wie ein Lauffeuer. Der Eichstätter Priester Artur Zuk sagte den Journalisten im Vorbeigehen: „Wir haben eine Bombe.“ Seinem polnischen Landsmann Zimowski musste er etwas Ähnliches zugeflüstert haben, so betroffen wirkte dessen Gesicht. Ein anderer Priester hatte sein Handy am Ohr und sagte nur: „Ich habe das für einen Faschingsscherz gehalten.“ Und der ebenfalls anwesende Münchner Kardinal Reinhard Marx meinte: „Ich muss mir das erst mal in Ruhe durchlesen.“

Viele Touristen in Marktl

In Marktl macht man sich derweil Gedanken über die Zukunft des 2600-Seelen-Ortes. Denn die wichtigste Einnahmequelle ist der Papst-Tourismus. Dorfpfarrer Josef Kaiser erinnert daran, wie es früher hier war. „Vor dem Papst gab es ja nicht mal eine Ansichtskarte vom Ort“, sagt der 62-jährige Pfarrer. Und jetzt kommen jedes Jahr 100.000 Touristen in den Ort, wenn auch meist nur für wenige Stunden. Immerhin 15.000 besuchen das zum Museum und zur Erinnerungsstätte ausgebaute Geburtshaus pro Jahr und zahlen dort Eintritt. Marktl hat sich seit der Papstwahl an manchen Stellen verändert, so wurden etwa große Busparkplätze gebaut. An anderen Ecken ist das Ortsbild unverändert trist geblieben. Dort erfüllten sich die Hoffnungen auf einen Aufschwung nicht. Dennoch: Marktl ist mit seiner Geschäftstüchtigkeit bekannt geworden. Papstkuchen, Papstbrot, Papstbier – es schien nichts zu geben, womit die Geschäftsleute mit der Hilfe von Benedikts Namen nicht ein paar Euro verdienen wollten. Doch in der Bäckerei heißt es, dass die guten Geschäfte lange vorbei sind.

Bürgermeister Hubert Gschwendtner (SPD) berichtet ebenso vom geschrumpften Interesse. In den ersten Jahren nach der Papstwahl seien noch 200.000 Touristen gekommen. Seitdem habe sich die Zahl halbiert. Er hofft, dass die Besucherzahlen zumindest auf diesem Niveau bleiben. Im polnischen Geburtsort von Johannes PaulII. sei es auch nach dessen Tod so gewesen, dass der Zustrom geblieben sei. Der Bürgermeister, der Benedikt seit dessen Wahl rund ein Dutzend Mal getroffen hat, würde sich freuen, den Ex-Papst noch einmal in seiner alten Heimat begrüßen zu dürfen. „Ich weiß es nicht, ob er noch mal nach Bayern kommt. Wünschen würde ich mir das sehr.“