Papst-Rücktritt

Benedikts Vorbild

Ceolestin V. war der erste Papst, der freiwillig sein Amt abgab. Auch er hatte es nie gewollt

Der letzte Papst, der von allen anerkannt war und sein Amt freiwillig niederlegte, war CoelestinV. Um 1210 als Kind einer Bauernfamilie in den Abruzzen geboren, wurde dieser Pietro del Morrone als Eremit weithin verehrt und erst in hohem Alter, 1294, zum Papst gewählt – gegen sein Widerstreben. Nur nach langem Zögern nahm er die Wahl an und ritt am 28.Juli 1294 auf einem Esel nach L’Aquila, wo er als CoelestinV. am 29.August 1294 gekrönt wurde. Rom hat er nie betreten.

Die päpstliche Macht wurde ihm sehr rasch von seinem Berater entwunden, Kardinal Benedetto Caetani, der später zum Papst BonifatiusVIII. wurde, nachdem CoelestinV. bereits im Dezember 1294 abgedankt hatte. Als Gründe für den Rücktritt nannte Coelestin Krankheit, Unwissenheit und den Wunsch, als Einsiedler zu leben. Allerdings nahm ihn Bonifatius, der eine Kirchenspaltung wegen des noch immer hoch populären Altpapstes verhindern wollte, nach der Abdankung in Ehrenhaft, wo Coelestin im Mai 1296 eines natürlichen Todes starb. In den Abruzzen, woher er stammte, ist übrigens BenediktXVI. des Öfteren gewesen. Benedikt pries Coelestin als einen Mann, „der Gott und die Antworten auf die großen Fragen suchte“.

Anders als zu den Zeiten von Coelestin wird sich heute die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Benedikt im Rahmen eines streng formalisierten und ergebnisoffenen Verfahrens abspielen. Für dieses gelten die Regeln, die auch auf die Nachfolge eines gestorbenen Papstes anzuwenden wären.

Kanon 332 Absatz zwei des Kirchenrechts regelt den Rücktritt eines Papstes. Der Paragraf sieht vor, dass ein Papst, wann immer er will, ohne irgend jemanden um Erlaubnis zu fragen, zurücktreten kann. Zu laufen beginnt die Uhr am 28.Februar, wenn Benedikts Rücktritt formal in Kraft tritt. Frühestens 15, spätestens 20 Tage danach müssen die Kardinäle zur Wahl des Nachfolgers im Konklave in der Sixtinischen Kapelle zusammentreten.

Einberufen wird das Konklave vom Dekan des Kardinalskollegiums, dem 85-jährigen Kardinal Angelo Sodano. An der Wahl selbst darf Sodano jedoch nicht teilnehmen. Wahlberechtigt sind nur die derzeit 118 Kardinäle, die das 80.Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Zum Papst gewählt ist dann, wer zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wahl erfolgt mit Stimmzetteln, die anschließend bis zu zwei Mal täglich samt Unterlagen verbrannt werden. Traditionell wird dabei schwarzer oder weißer Rauch als Signal für die Öffentlichkeit erzeugt. Bleibt die Wahl nach drei Tagen ohne Ergebnis, wird eine eintägige Pause eingelegt. Es folgen drei weitere Abschnitte von jeweils sieben Urnengängen. Erst wenn auch diese erfolglos waren, können sich die Wähler auf einen Modus mit absoluter Mehrheit einigen.

Bis dahin, während das Papstamt in der Zeit der Sedisvakanz unbesetzt ist, führt der Kämmerer (Camerlengo) Kardinal Tarcisio Bertone das Tagesgeschäft der Kurie. Wer nach BenediktXVI. wieder als Papst in den Vatikan einzieht, ist völlig offen, aber als einigermaßen sicher kann gelten, dass es nicht wieder ein Deutscher sein wird.

Daher dürfte es bis auf Weiteres dabei bleiben, dass zusammen mit Benedikt insgesamt acht Deutsche – oder aus deutschsprachigen Ländern stammende Männer – das Papstamt bekleideten. Der erste war GregorV., der von 996 bis 999 im Amt war. Der neben Benedikt bedeutendste Deutsche in dem Amt war LeoIX. (1049–1054), der die Vormachtstellung des Papstes bei der Absetzung von Bischöfen gegen die Ansprüche weltlicher Herrscher durchsetzte und gegen Ämterkauf vorging. Der vor Benedikt letzte Papst mit Wurzeln in deutschsprachigen Ländern war Hadrian VI. (1522–1523), geboren in Utrecht. In seiner Amtszeit sprengte Martin Luther die Universalität der römischen Weltkirche.