Papst-Rücktritt

Kirchenführer und Regierungen zollen Respekt

Für die katholische Kirche in Deutschland ist der Rücktritt von Papst Benedikt eine Zäsur, so das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

„Der Schritt ist überraschend und ein tiefer Einschnitt für uns alle“, sagte ZdK-Präsident Alois Glück. „Wir danken Papst Benedikt für seinen großen Dienst und für sein Beispiel als Diener des Glaubens und der Kirche.“ Glück warnte zugleich vor verfrühten Nachfolgedebatten. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sprach von einem „Zeichen von Demut und Sorge um die ihm anvertraute Kirche“. Der Papst handele „mit großer Umsicht und weit vorausschauend, auch wenn es um seine eigene Person geht“. Der Rücktritt ist für den langjährigen Kollegen und Freund Benedikts, Max Seckler, ein Zeichen der Größe des Kirchenoberhaupts. „Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet“, sagte der Tübinger Theologe. „Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt“, fügte der 85-Jährige hinzu. „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigte sich bewegt von dem Rücktritt. „Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen und dass man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit ist, gehört zum Maß des Menschlichen“, erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Es sei ein gutes Zeichen, dass „Papst Benedikt dieses durch das Evangelium eröffnete Maß des Menschlichen durch die Ankündigung seines Rücktrittes zum Ausdruck bringt“. Aber auch kritische Stimmen gibt es, etwa vom evangelischen Theologe Friedrich Schorlemmer: „Es ist eine gute Gabe, wenn man sich selbst eingestehen kann: ,Es ist genug, Herr.‘“

Ihre Hochachtung bekunden auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ebenso wie die frühere Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch. Der Respekt vor dem Rücktritt setzt sich in der deutschen Politik über alle Parteigrenzen hinweg fort. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte: „Dass ein Deutscher die Nachfolge von Johannes Paul II. antrat, war von historischer Bedeutung für unser Land.“ In Benedikt XVI. verbänden sich „hohe theologische und philosophische Bildung mit einfacher Sprache und mit Menschenfreundlichkeit“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zollte dem Kirchenoberhaupt „allerhöchsten Respekt“ und würdigte seinen Dialog mit den anderen christlichen Kirchen sowie mit Juden und Muslimen. Benedikt XVI. „ist und bleibt einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit“.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle bekundeten ihren Respekt und ihr Bedauern angesichts der Entscheidung des Papstes. „Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert“, sagte Seehofer. Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, in wichtigen Konflikten sei der Papst „immer als Stimme des Friedens und der Versöhnung vernehmbar“. Er habe „seine Kirche engagiert geführt“. Kritische Stimmen gibt es dagegen bei den Grünen. Während die Spitzenkandidaten der Grünen bei der Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, das Eintreten von Papst Benedikt XVI. für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und gegen Hunger und Armut würdigten, hielten sie zugleich fest: „Mit vielen anderen Positionen, wie etwa zur Empfängnisverhütung und zur Homosexualität, sind wir Grünen nicht einverstanden.“

In Italien wird dem Papst außerordentlich großer Respekt gezollt. „Ich bin sehr erschüttert über diese unerwartete Nachricht“, sagte Italiens Ministerpräsident Mario Monti in Mailand. Auch US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle dankten dem Papst für die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren. „Im Namen von allen Amerikanern wollen Michelle und ich Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. unsere Wertschätzung und Gebete überliefern“, hieß es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung der beiden.