Spitzengespräch

Bernd Neumann: Polit-Profi als Anwalt für die Kultur

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Regierungswechsel 2005 Bernd Neumann zum Staatsminister und Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ernannte, war man im Kulturbetrieb überrascht, und nicht nur angenehm.

Denn mit dem CDU-Mann zog erstmals ein Parteipolitiker hoch oben im Kanzleramt ein – das unterschied ihn von seinen Vorgängern Julian Nida-Rümelin, Christina Weiss und Michael Naumann.

Doch Angela Merkel wusste um die jahrzehntelangen Erfahrungen, die Neumann als medienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, als Mitglied in Rundfunk- und Fernsehräten – und nicht zuletzt als Filmförderer – gesammelt hatte. Dass Neumann den Politikbetrieb aus dem Effeff kannte, erwies sich denn auch bald als Vorteil im Wettstreit um die knappe Ressource Geld. Mit Pragmatismus, sehr guten Kontakten und dem notwendigen Durchsetzungsvermögen schaffte er es, den Kulturetat stetig zu steigern. Unter seiner Ägide begann für den deutschen Film ein geradezu goldenes Zeitalter. So bescheinigte ihm auch die „Süddeutsche Zeitung“, das Amt des Kulturstaatsministers professionalisiert zu haben, „nachdem es zuvor fest in der Hand politisch dilettierender Schöngeister“ gewesen sei.

Der gebürtige Westpreuße Neumann dominierte als Vorsitzender und mehrfacher Spitzenkandidat über Jahrzehnte die Geschicke in der wenig erfolgsverwöhnten Bremer CDU, deren Ehrenvorsitzender er 2008 wurde. Seit 1987 gehört Neumann dem Bundestag an. Er gilt als persönlicher Freund des Altkanzlers Helmut Kohl (CDU) und war auch Parlamentarischer Staatssekretär im Forschungsministerium.