Weltwirtschaftsforum

Zwischen Hollywood-Show und Arbeitsessen

Es gab einmal eine Zeit beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, gegen Mitte der Nullerjahre war das, da drohte die berühmteste Wirtschaftskonferenz der Welt zu einer Showveranstaltung zu degenerieren.

Damals kamen Stars wie Sharon Stone, Angelina Jolie und Brad Pitt – und machten sich durch ihre schiere Anwesenheit zum Hauptgesprächsthema auf den Fluren des Kongresszentrums.

Die Organisatoren um WEF-Gründer Klaus Schwab sahen damals rasch ein, dass sie einen Fehler gemacht haben. Wenn überhaupt noch Promis aus Kultur und Unterhaltung eingeladen werden, dann müssen sie ein Anliegen mitbringen und ernsthaft am Konferenzprogramm teilnehmen, das aus rund 250 Diskussionsrunden besteht. Der Schriftsteller Henning Mankell macht das oder Dauergast Paulo Coelho.

Dieses Jahr ist auch Hollywood wieder zugegen: Charlize Theron lässt sich auszeichnen für ihr Engagement in ihrem „Africa Outreach Project“. Und wohl auch, damit die Schauspielerin für nicht gar so viel Ablenkung sorgt, wurde ihr Auftritt gekoppelt mit dem formellen Startschuss Dienstagabend.

Am Mittwochmorgen geht es richtig los. Den ersten großen Auftritt wird Russlands Premierminister Dmitri Medwedjew haben, mit der Eröffnungsrede gegen Mittag. Am Abend sind Italiens geschäftsführender Regierungschef Mario Monti und IWF-Chefin Christine Lagarde an der Reihe. Am Donnerstag dann folgen Kanzlerin Angela Merkel, ihr britischer Kollege David Cameron, Henry Kissinger und der israelische Vizepremier Ehud Barack. Höhepunkt am Freitag dürfte der Auftritt von EZB-Präsident Mario Draghi werden.

Was besonders auffällt, ist aber, wer dieses Jahr nicht dabei ist. Aus der Wirtschaft gilt das insbesondere für das Google-Triumvirat Sergey Brin, Larry Page und Eric Schmidt. Das war seit Jahren eine feste Größe in Davos – genau wie seine Party am Freitagabend im Hotel „Steigenberger-Belvédère“, die dieses Jahr abgesagt wurde, Grund unbekannt.

Schlechter repräsentiert als in den zurückliegenden Jahren sind zudem die amerikanische und die chinesische Politik: die chinesische wegen des bevorstehenden Regierungswechsels im März – und die amerikanische, weil die Regierungsmannschaft für die zweite Amtszeit von US-Präsident Barack Obama noch nicht vereidigt ist. Auch Indien war schon mal prominenter in Davos vertreten. Jahrelang hatte die indische Industrie mit Veranstaltungen und einer eigenen Werbekampagne um Aufmerksamkeit gebuhlt, mit mäßigem Erfolg. Indiens Auftritt werde dieses Jahr „sehr kleinlaut“ ausfallen, prognostizierte die Zeitung „The Indian Express“.

Andere werden versuchen, in die Lücke zu stoßen. Neben Afrika ist auch Russland, das dieses Jahr den G-20-Vorsitz innehat, besonders stark in Davos vertreten. Premier Medwedjew wird nach seiner Eröffnungsrede noch am Donnerstagmorgen auftreten. Aus der russischen Wirtschaft sind zudem rund 70 Spitzenmanager vor Ort. Damit ist die russische Wirtschaftsdelegation fast so groß wie die deutsche, die gut 80 Köpfe zählt. Der Deutschen Post-Chef, Frank Appel, wird über den Welthandel diskutieren, Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, darüber, ob wir uns an geringes Wirtschaftswachstum gewöhnen müssen, Lufthansa-Boss Christoph Franz über die Wiederherstellung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit und Kurt Bock, BASF-Chef, über Nachhaltigkeit.