Serie: Gründerzeit - Das Prinzip Berlin

Am Anfang stehen Freunde und wenig Geld

| Lesedauer: 3 Minuten
Hans Evert

Belastbare Daten zur Start-up-Branche sind rar. Erste Zahlen zeigen, wie der Markt wächst

International wird sie gefeiert, ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Berlin ist unbestritten. Junge Internetfirmen wie Gidsy, Soundcloud, 6Wunderkinder, Bergfürst und ResearchGate rücken in den Fokus und lassen Träume von Wachstum reifen. Allerdings ist die Berliner Internet-Gründerszene nur schwer statistisch zu erfassen. Wie groß sind die Unternehmen? Wie viel Menschen arbeiten in Berliner Start-ups? Was sind die Probleme? Wie schätzen sie sich ein? All diese Fragen lassen sich kaum eindeutig beantworten. Doch es gibt Annäherungen an das Thema.

Die erste ist eine nicht repräsentative Studie des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller und der Weberbank, „StartingUp Berlin“. 357 Führungskräfte von Start-ups haben an der Befragung teilgenommen. Daraus geht beispielsweise hervor, dass die wenigsten Neugründungen von nur einem Unternehmer vorgenommen werden (25,8Prozent). Meistens sind es zwei Gründer oder sogar noch mehr. Die Studie bestätigt zudem eine Vermutung, die jeder hat, der mal in Mitte rund um den Rosenthaler Platz spaziert ist und dabei Firmenschilder studiert hat. Die meisten Start-ups gaben als Unternehmenssitz Mitte an (29 Prozent), gefolgt von Prenzlauer Berg, Charlottenburg und Kreuzberg.

Befragt wurden sehr junge Firmen. 43Prozent wurden 2012 oder im Jahr davor gegründet. Viel Geld brauchten die Gründer nicht, um loszulegen. Rund 56Prozent der Befragten hatten ganz zu Beginn höchstens 25.000 Euro Startkapital. Gemeinhin wächst aber nach der unmittelbaren Startphase der Kapitalbedarf. Dann geht es um die richtige Expansionsphase, und dafür – das sagen eigentlich alle, die sich mit Start-ups befassen – steht in Berlin unter dem Strich noch zu wenig Geld zur Verfügung. Zwar schauen sich auch mehr und mehr internationale Wagniskapitalgeber Berliner Unternehmen an. Doch wenn zweistellige Millionensummen nötig sind, wird es für viele Firmen problematisch. Dies zu lösen ist die unmittelbarste und größte Herausforderung.

Eine zweite Annäherung an das Start-up-Phänomen kann man über offizielle Statistikdaten vornehmen, die die landeseigene Förderbank IBB für Studien aufbereitet. In der amtlichen Unternehmensstatistik gibt es den „Wirtschaftszweig Information und Kommunikation“. Darunter gruppieren sich wiederum Unterbranchen, beispielsweise das „Verlegen von Software“, „Programmiertätigkeit“ und „Webportale“. Mithin dürften die meisten Internet-Start-ups in dieser Rubrik gezählt werden.

Vergangenes Jahr gab es nach Schätzung der IBB insgesamt 2109 Berliner Gründungen im Bereich Information und Kommunikation. Dadurch entstanden laut IBB geschätzte 3300 neue Arbeitsplätze. Rechnet man die Branchenfirmen heraus, die aus dem Gewerberegister gelöscht werden, ergibt sich dennoch ein deutlich positiver Saldo. Demnach überstieg die Zahl der Neugründungen die Abmeldungen (zum Beispiel Insolvenz, Unternehmensaufgabe) im vergangenen Jahr um rund 1100. Dieser Trend besteht seit 2008. Vereinfacht gesagt: Die Zahl der Berliner Firmen und Arbeitsplätze wächst von Jahr zu Jahr.