Flughafen-Debakel

Havarien, schmutzige Toiletten und dreckige Gänge in Tegel

Die Menschen im Berliner Norden werden die Leidtragenden sein.

Der Flugbetrieb in Tegel muss nach der erneuten Verschiebung des Starts des neuen Airports auf unbestimmte Zeit weitergehen. Schon jetzt ächzt der 40 Jahre alte Flughafen aus der Zeit der Berliner Teilung unter einer gewaltigen Überlast. Rund 175.000 Flugbewegungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, mehr als 18Millionen Passagiere.

Weil die Flugpläne sehr eng getaktet sind, werden nach Schilderung von Anwohnern schon heute zahlreiche Flüge in den Abend hinein geschoben, wenn eigentlich nur ausnahmsweise Starts und Landungen stattfinden sollten. Insgesamt hat die Lärmbelastung für Hunderttausende Bürger deutlich zugenommen. Dabei hatten viele doch darauf gesetzt, schon seit mehr als einem halben Jahr vom Krach entlastet zu sein. Dann jedoch platzte kurzfristig der Eröffnungstermin des BER für den Juni 2012 und jetzt auch noch der für den Oktober 2013.

Sicher ist auch, dass die Flughafengesellschaft in Tegel noch einmal erheblich investieren muss, wenn die Anlage noch ein oder gar zwei Jahre weiterlaufen soll. Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu Havarien, gerade am Wochenende fiel für eine Minute der Strom im Terminal aus. Die Schwierigkeiten sind die Folge eines Investitionsstopps, den die Flughafengesellschaft in dem Glauben veranlasst hatte, schon im Juni 2012 TXL endgültig aufgeben zu können. Passagiere beklagen aber auch stinkende Toiletten, dreckige Gänge und überhaupt ein wenig einladendes Entree für die deutsche Hauptstadt.

Die Lufthansa geht davon aus, dass Tegel nun noch für mehrere Flugplanperioden den Löwenanteil des Betriebs in der Hauptstadt bewältigen müsse. „Es gibt dringenden Verbesserungsbedarf“, sagte ein Konzernsprecher. So müsse mit ausreichend Personal sichergestellt werden, dass etwa bei der Gepäckabfertigung ein akzeptabler Komfort gewährleistet sei.

Auch Air Berlin erwartet, dass jetzt in Tegel alles getan wird, um dort einen noch besseren Standard zu erreichen. Die Firma selbst betreibe „einen erheblichen Aufwand zur Steuerung der gestiegenen Gästezahlen am alten Flughafen und wird auch weiterhin alles tun, um die Auswirkungen für ihre Gäste so gering wie möglich zu halten“, hieß es in einer Mitteilung. Wegen der zusätzlichen Kosten, die Air Berlin durch den verzögerten Umzug entstehen, dringt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft auf Schadenersatz.

Nach der letzten verschobenen BER-Eröffnung bestanden viele Fluglinien darauf, in TXL und nicht am anderen Berliner Flughafen in Schönefeld zu fliegen. Zuletzt wechselte die Lufthansa-Billigflug-Tochter Germanwings von Schönefeld nach Reinickendorf.

Mehr Verkehr in Schönefeld

Dieser Trend müsse ein Ende haben, fordert der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Jörg Stroedter, der sich im Bundestagswahlkampf um das Direktmandat im Wahlkreis Reinickendorf bewirbt und dabei den CDU-Mann Frank Steffel herausfordert. Es müsse Flugverkehr von Tegel in den nicht ausgelasteten Flughafen Schönefeld verlagert werden, um die lärmgeplagten Anwohner von Tegel zu entlasten. Die Airlines könnten nicht einfach ihre Flugpläne in den Nachtzeiten ausdehnen, auf Kosten der Anwohner, sagte Stroedter. In Schönefeld ist die Zahl der Flugbewegungen und der Passagiere in den vergangenen Jahren gesunken.