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„Die Hoffnung haben wir schon lange aufgegeben“

Ulrich Rönnberg (42): „Im Nachhinein ist es unfassbar, dass die Verantwortlichen im vergangenen Jahr noch davon ausgingen, die Eröffnung im Juni müsse nur um ein paar Wochen verschoben werden“, sagt der Familienvater aus Pankow. Inzwischen glaube er gar nicht mehr an einen Eröffnungstermin, bevor es so weit sei. Die Zeiten, in denen er die Tage bis zum Ende des Fluglärms gezählt habe, seien schon lange vorbei.

Nicola Puell (38): Die Inhaberin des Kiezladens an der Wolfshagener Straße in Pankow hat nur noch ein zynisches Lachen übrig für die erneute Verschiebung der Schließung des Flughafens in Tegel. Im März vergangenen Jahres, kurz vor der geplanten Eröffnung des BER, hatte sie den kleinen nachbarschaftlichen Bio-Laden übernommen. „Jetzt sind wir so weit, dass in Tegel schon wieder investiert werden muss“, sagt sie.

Luisa Molkenthin (22): „Ich bin in Pankow groß geworden, für mich ist der Fluglärm normal. Ich höre ihn gar nicht mehr“, sagt sie. Im Bürgerpark, wo die Flugzeuge direkt über die Bäume fliegen, würden die Leute trotzdem gerne auf der Wiese liegen. Auch ihre vier Monate alte Tochter Elena kenne die Welt bisher nur mit den Flugzeugen. Obwohl sie eigentlich nach der geplanten Schließung von Tegel zur Welt gekommen sei.

Bernhard Grund (46): „Komischerweise höre ich die Flugzeuge nicht mehr“, sagt Bernhard Grund, der mit seinem Bruder den legendären Currywurst-Imbiss an der Berliner Straße, in der Einflugschneise von Tegel, betreibt. Er lebe seit Ewigkeiten mit dem Fluglärm in Pankow. „Nur als der Papst mit seiner Militäreskorte nach Berlin kam, da war es wirklich zu laut“, sagt er. Aber das komme ja glücklicherweise nicht allzu häufig vor.

Tom Friemel (42): „Herbeigesehnt hatte ich das Ende des Fluglärms schon sehr, auch wenn ich daran gewöhnt bin.“ Dass es nun noch ein Jahr länger dauern soll, sei für Tom Friemel schon schlimm. In den Altbauten habe niemand Schallschutzfenster, wie sie jetzt im Umfeld des neuen Großflughafens vorgesehen seien. „Wenn hier ein Flugzeug über das Haus fliegt, müssen wir auch bei geschlossenem Fenster das Gespräch unterbrechen“, sagt er.

Maren Hofmann (23): Die junge Mutter ist vor einem Jahr nach Pankow gezogen in der Hoffnung, dass bald Schluss sei mit dem Fluglärm. „Die Hoffnung haben wir schon lange aufgegeben“, sagt sie. An den neuen Termin im Oktober 2013 habe hier niemand mehr geglaubt. Deshalb sei sie auch kaum schockiert über die neuesten Entwicklungen. Bereut habe sie den Umzug nach Pankow aber nicht. „Es ist ein Traum, hier zu wohnen“, sagt sie.